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Bann Zu

VRIDANKES | BESCHEIDENHEIT

von

Wilhelm Grimm,

ç —— Göttingen

in ber Dieterich'ſchen Buchhandlung. 1834,

EL I; I

3 4

*

uw ——— ——

GEORGE FRIEDRICH BENECKE

SEINEM VEREHRTEN FREUNDE.

Borrede.

Ein Verzeichnis der Quellen , von weichen ich bei der Tritifchen Bearbeitung des Tertes Gebrauch ge: macht habe, glaube ich. voran flellen zu muͤſſen.

A. Die Helvelberger Pergamenthandfehrift ‚Nr. 349, 17 Blättes mit doppelten Spalten, deren jede. 38 = 39 Zeilen’ enthält. _ Die zwei erften Blätter feh⸗ Im, und find‘ der. Heidelberger Handfchrift des Tris: ftan Nr. 360, welche von derfelben : Hand gefchries ben ift, als Blatt 453. 154 angebunden. Dieſes Verfehen ift fchon im J. 1553 -gemacht, welche Jahrs zahl auf dem Deckel von Nr. 349 lebt: beide, wie-fich au der Bezeichnung ber Lagen ſchließen laßt, zuſam⸗ mengehörige Handichriften find wahrfcheinlich. Damals unverfländig gefondert worden.: Zwiſchen Blatt 16 und 17 ift ein Blatt ausgefchnitten. Sich weiß nieht warum in.dem Vetrzeichniſſe von Wilken diefe HA. ſowohl bei Anfüheung von Nr. 300, ald Nr. 349 (welche nicht als Freidanks Werk erfannt ifl), : und danach von Groote in der Einleitung zu feiner Aus⸗ gabe des Triftan (S. ıxıv) fo beftimmt in das vierzehute Jahrhundert gefegt werden: mir scheinen

vi

fie, innern und außern Zeichen nach zu urtheilen, _ noch in das dreizehnte, wenn auch in das Ießte Vier: tel deſſelben, zu gehören, und diefer Meinung Tann die Schriftprobe bei Groote, Vie freilich in dem Stein» drucke nicht reinlich genug ausgefallen ift, zur Bez ftätigung dienen.

B. Die Straßburger Mergamenthandſchrift aus Schoͤpflins Bibliothek (Diut. 1, 823.), welche in dem zweiten Bande der Muͤllerſehen Sammlung ab⸗ gedruckt, und von Oberlin in dem Gloſſar benutzt iſt. Daß die. Bruchſtuͤcke, welche Bodmer am Schluſſe von Boners Fabeln zuſammen geftellt: hat, ebenfalls aus diefer Handſchrift ſtammen, fetzt Die Wergleichung außer Zweifel, und eine andere Sttaßburger, wie. in dem Grundriffe . von Hagen und Baͤſching ©. 371 gefchieht, ift wicht anzımehmen. - Diefe Hf. ' gehört der ſchlechten Orthographie nach zu urtheilen im. das Ende bes 14ten Jahrh.; ohne Haltbarn Grund bat Scherz gemeint (Efchenb, Denkm. 192. 2108) re jey fehon vor 1330 gefchrieben.

C. Die Würzburger Handichrift, in weicher fich auch Walthers Lieder befinden, und die in Lachmanns Ausgabe mit E- bezeichnet. iſt, aus der erſten Hälfte des’ 14ten Jahrh. Freidank füllt darin BL 13:42. Eine genaue Vergleichung habe ich von Lachmann erhalten.

D. Ein einzelnes. Quartblait au. einer Pergament:

‚vie

handichrift, „wovon ich eine zierliche Abſchrift, die Here von Meuſebach eigenhaͤndig genommen hat, ber fitte. Auf jeder Seite 33 Zeilen, doch fleht auf ei⸗ nigen Zeilen das ganze Reimpaar.

E. Sechszehn Stüde in des Wiener Handſcheift Ar. 428 (Denis 1. Nr. 357); fie mathen in der großen Sammlung derſelben Nr. ccxv cıxxx aus, BI. 1565 160%. Im ganzen gegen 750 Verſe, die alle zwifchen 24110 = 3811 Müll. vorkommen. Eine Abſchrift von vierzehn Stücken verkaufe. ich Herrn Franz Goldham in Wien: von zweien .Ner- cexıır. ccXıv. Bl. 55. 56. (3235285. 3302 5. 2940:81 Mull.) fehlt fie mir. Denis und bar: nuch Sraff (Diut. 3,160) feben ben Coder in das vierzehnte Jahrh., mir feheinen bie Sprachformen. noch bas breizehnte anzuzeigen. In der Diut. (3, 164) find die hierher gehörigen Städte unrichtig beziffert.

a. Die. Sothaifche Papierhandſchrift Nr. 53, 96 Blätter in Octav. Auf jeder Seite gewöhnlich 18 = 20 Zeilen.

b. Eine zweite Gothaiſche Papierhandſchrift, Blaͤtter in Folio , dieſelbe, die vordem Panzer 4

c. Die Dresdner Papierhandſchrift Nr, 141. in. 73 Quartblaͤttern. Sie ift mir nebſt Nr, 67 von Herrn Oberbibliothekar Ebert zu freiem: Gehrauche auf das zuvorkommendſte mitgetheilt worden.

. d. Vier und vierzig Stuͤcke unter Nr. 70. 92. 96

vn

417. 446; 153. 154. 175. 190. 194. 195. 215. 118 220. 2344236. 237..239 241. 249. 253: 254 iM dem Liederſaal des Freiherrn von Laßberg aus einer Papierhandſchrift abgedruckt. se. Die Helmſtaͤdter,“ ietzt zu Wolfenbuͤttel befinde liche Yapiethandſchrift Nr: A417. Freidank folgt darin auf. ven Menner und nimmt BL. 81 104. ein; jedes Blatt hat. zwei Spalten. Herrn Bibliothekar D. Schoͤnemann verbanfe ich. die Einficht derſelben. 0. Die. Berliner Papierhandfchrift, 58: und eine halbe: Spalte auf:44 Folioblättern. Da außer dem sierzehnten, nur ‘mit der halben Spalte angefüllten Blatte noch dad folgende funfzehnte Teer gelaſſen if, auch : Fein Amen den Schluß anzeigt, fo: mäg:.bie Handfchrift unbeendigt feyn: fie enthält über 2200 Derfe. Wackernagel hat fie mir forgfältig abgeſchrieben⸗ . B; Eine Eaffeler Pergamenthandſchrift (Ms. philos. 8 Nr. 5) im kleinſten Bormat zu Ende des 14ten oder im -Anfange des 15ten Jahrh. fauber geſchrie⸗ ben. Auf 138 Blättern Cato, Facetus, Contemptug - mundi, Freidank, von diefem nur 451 Verſe, den Beſchluß macht Lucidarius, dieſer vis auf den ge⸗ teiinten Prolog in Proſa.

Vier! Pergamentblätter i in Dart , welch⸗ Herr D. Kloß in Frankfurt aM. beſitzt. Auf jeder Seite zwei Spalten von. 27 bid 31 Zeilen, im ganzen ges gen 450 Verfe: zwei. Blätter. find befehatigt. . Hr.

1X

Prof. Maßmann hat bie Güte gehabt, mir ferne Ab⸗ fchrift zu überlaffen.

ö. Sn der Heidelberger Handfchrift. A folgt uns mittelbar auf Freidant Bl. 17° ein Gedicht, das: bis BL. 19 in doppelten Spalten fortlauft: eine Urt Eento mit etwa 50 Verſen aud dem Freidank, wo⸗ von eine Probe in der Anmerkung :zu 66, 14. 12 mitgetheilt if. Der Xert von A liegt aber dabei richt zum Grunde, denn ed finben. fich anbere Les⸗ arten ‘80, 2 mb einiges in A Vene (vgh

e. In einer Dresdner Papierhandſchrift Hr. 67 m Folio. hinter Teirhners Erzählungen: auf fünf. und einer halben Seite zwei zu Freidank gehörige Stücke. Das ertie, überfehrkben ‘von allerhand weiben?, enthält 154. Zeilen, einzelne Sprüche meiſt zwifchen 2700— 3000 Muͤll. das zweite. ‘won. dein elel, 27 Zeilen, 2636-63. Müll,

& In emer Muͤnchner Handfchrift aus dem drei zehnten Jahrhundert BI. 410P. 56 Zeilm aus Frei⸗ dank, in Dovend Miſc. 2, 195. 196 abgedruckt. Außer vier. Zeilen, welche. 463. 464 und 762. 768 Muͤll. fiehen, fallen die uͤbrigen zwiſchen 2533 7803 Müll.

» U. Eine Papierhandfchrift von 64 Detaoblättern, ‚vordem.in.der Stmbtbibliothef zu Bremen (altd. Ges dichte von. Weyer ımd. Miooyer ıx) befindlich, ießt

x

im Befige des Herrn Regierungsrathes D. Meyer in Minden, welcher fo gätig geweſen iR, mir ben Gebrauch derfeiben zu geftatten.

B. Die Wolfenbüttler Bapierhandfehrift. @, 4. ms. Aug. fol.) in dem größten Format. Freidank ſteht in der erfien Abtheilung ber Handfchrift zwifchen andern Gedichten vereinzelt Bl.77 85P. BL 405 111. BI. 116°. BI. 119P 128%. Brants Bearbeitung von Freidanks Gedicht. Ich

habe die Straßburger Ausgabe von 1508 in Quart zur Hand gehabt, und die abermalige Ueberarbeitung von Brant, die man voreilig den Drucker Sebaſt. Wagner zuſchreibt, in der Worms. Ausg. von 1538 in Fol. Außer den ſonſt bekannten Ausgaben (Augäb. 1513.4. Frankf. 1567. 8. Magdeb. 1683. 8. Bgl. Eſchenburg Denkm. 93 98) giebt es noch eine Augsb, 4510. Fol. weiche, wie alle Seltenheiten dieſer Art, Meu⸗ febach beſitzt. Die Ausgabe Worms 1539. Fol., die Eſchenburg befchreibt, hat Ebert im bibliogr. Lexiron, ‚wahrfeheinlich weil’er ein Verſehen Eſchenburgs in ber Jahrs zahl vorausjetste ,. abgeleugnet: fie befindet fich, wie mir Hr. Bibl. Schünemann serfichert, zu Wol⸗ fenbüttel, ‘und ſtimmt durchaus nicht buchftäblich mit der von 1538 überein. Die Frankf. Ausg. 1567. 8. iſt mit geringen Abanderungen nach der Ausgabe von 1508 gemacht, doch flüchtig oder nach einem unvolfländigen Exemplar, denn Blatt zııı. ift aus⸗

gelaffen, und zwei Abichnitte allerhand tugen- den und von kauffen. fehlen darin S. 560 zwi⸗ fchen Cap. XLvIII und XLix. Die letzte Aus⸗ gabe Magdeb. 1583. 8. habe ich nicht zu Geſicht befommen , weiß alfo nicht wen fie folgt.

Enva achtzig Stellen, darunter Tängere,: hat Hugo von Trimberg aus Freidanks Gedicht in ‚feinen Ren: ner, zuweilen mit leichten Abänderungen, qufgenom= men, Boner in feine Fabeln gegen zwanzig. ini: ges ift in die bei Efchenburg abgedrudten Priameln übergegangen.

Wenn ich: alfo zwei fpätere, wie ich glaube, uns bedeutende Papierhendfchriften, eine zu Minchen, die andere zu Karlörahe, wovon die leßtere uͤberdies uns sollfiandig ift, ausnehme, fo habe ich alle mir be: kannt gewordenen Hilfsmittel beifammen gehabt.

Um eine, wie ed fcheint, verlorme Papierhauds fehrift in Quart, die Ziel beſaß (Oetter hiſtor. Bi⸗ bliothet 41, 77), iſt es in ſoweit Schade als fie zu den vollfiändigern. gehörte, fie enthielt 4000 Berfe, In einer Sammlung von Eleinen Gedichten (Bapierhf. in Sol. vom J. 1470), welche fich auf dem Muſeum zu Prag befindet, fiehen unter Nr. 77 80 Stüde aus dem Freidanf, zuſammen 148 Zeilen, welche nach den Proben zu urtheilen, die Hr. D. &. Th. Legis mir daraus mitzutheilen die Güte gehabt hat, Cap. 48. 12. 13. 41 der Hf. U. enthalten; auch

px

Nr. 81 liefert noch Sprüche aus dem Freidauk, ich kann aber nicht. befitimmen aus welchem Gapitel. Die Auszüge mit beigefügter Iatemifcher Ueberſetzung, deren es noch einige gibt, bie in v. d. Hagens lite rariſchem Grundriffe nicht angeführt find, habe ich unberüdfichtigt gelaffen: fehwerlich. wird, da fie aus fpäterer Zeit rühren, aus ilmen etwas fire den echten Text zu geivinnen ſeyn.

Unter den aufgezählten Handfchriften gewahrt die aͤlteſte, naͤmlich A, den beſten, und einen an ſi ch guten, aber nicht vorzuͤglichen Tert. Ihr ſchließt ſich a, als Papierhandichrift lobenswerth, ziemlich nahe an. Beiden gegenüber ſtehen Bſhede, wozu auch die Bruchſtuͤcke DE gehoͤren, in welchen einiges ſellnere mit: dem gewoͤhnlichern vertauſcht (74, 4. 10. 112, '4. 120, 27. 178, 18.), einiges vorfählich geändert (21, 13. 172,22), einiges faͤlſchlich (19, 47. 170, 25. Anm. 3. 66, 11.) oder ohne Noth (131, 5.6.) verbeſſert if, während fie in andern doch feltnern Hallen den Vorzug. verdienen. Unter den Pergament: handfchriften dieſer Klaffe verdient; was Reinheit des Tertes und der Sprachformen angeht, Eben erſten Platz; das kleine Stuͤck D erlaubt kein ſicheres Ur⸗ theil, aber an Werth ſcheint es mir die Handſchrift C nicht zu übertreffen, welche ihrerſeits entſchieden vor B den Borzug verdient, wo ber Sinn häufig entftellt, die Orthographie durchgaͤngig ſchlecht ifk.

x

Bon den Papierhandfchriften fchließt ſich b an B, und c, doch in geringerm Grade, an C; d und c, unter fich verwandt, fiheinen felbfiandiger ald b und c. Vielleicht aber ftammen bede urfprünglich aus einer und derfelben Handfchrift ab, denn fie Bringen alle vier ein paar Sprüche 2435 36 uud 2439 40

(Muͤll.) doppelt vor, namlich auch nach 1792 (Muͤll.), wo fie unmittelbar auf einander folgen, und zwar ift dieſe Folge fichtbar die natürliche: 2437 38 find mit Unrecht dort (mo fie, auch BC haben) zwilchen gefchoben. Unter diefen -vieren iſt übrigend d am nachlaffigften gefchrieben, e zeigt eingemifchte nieder⸗ deutfche Formen... ‚Was die folgenden ſechs Hand⸗ fchriften betrifft, fo fiehen d und C ald die dlteften oben an; A und y find niederdeutſch abgefaßt und wie e faum mittelmäßig; @ flimmt zuweilen mit Aa, und gehört zu ben beffern Quellen der ſpaͤ⸗ tern Zeit. Dagegen koͤnnen AB den fchlechteften dies jer Art zur Seite geſtellt werden, fie zeigen einen haus fig bis zu völliger Unverfianblichkeit verderbten Tert. Die Handſchrift, welche Brant vor fich gehabt hat, mag nicht beſſer geweien ‚fein: in keinem Falle war es B, wie im Grundriſſe 378 vermuthet wird: AB Brant gehören weder zu der einen noch der andern Klaffe, fondern bilden eine eigene zwifchen beiden fiehende, doch mit größerer Hinneigung zu Aa; ei- nigemal V. 15, 24. 28, 21. 47, :40. 11: 67, 2 77,

xiv

16. 114, 27. 125, 15. 16. 168, 97. 169, 1. 177, 11. 178, 16) bewahren fie das richtige un⸗ bezweifelt oder nach Wahrjcheinlichkeit allein. Ein: mal (116, 13) gilt dies fogar von Brant allein, und ein paarmal in Uebereinſtimmung mit A (116, 14) und a (124, 21), wahrend AB den übrigen gegen: uͤberſtehenden folgen. Hugos Nenner flimmt einmal (39, 22) mit a. u

Don fammtlichen Handfchriften "Haben nur drei eine ziemlich gleiche Anzahl Verſe. Ich gebrauche um in diefer Hinficht das Verhaͤltnis Ddarzuftellen runde Zahlen. B 4100; b 4050; C 3800 (geht bis 3753 Muͤll., aber hierauf folgen noch 40 Zeilen, die B nicht kennt); a 3800; e 3800 (begleitet B fo weit ald C, hat Dann noch 22 Zeilen, wovon B nichts weiß, die aber auch nicht mit dem Weberfehuß in C ſtimmen, ſondern theild nut in d 2, 135 ich fin: den, theils ganz allen hier vorfommen); c 3550 (größere: Lüde 3360 3439 M.; die Hf. fehließt

nit 3560 M., dm aber folgt noch einiges -aud jener

Lücke); d 3250 (außer einzelnen Sprüchen fehlt 1785 172062982 3063. 3404 3427. 3674 3681. 3754—- 3803. 3840- 3875. 3890 4138. M.); A (wobei ich das ausgefehnittene Blatt mitzählen laffe) 3130. aßydet kommen ats Auszuͤge hier nicht in Betracht. ' AB enthalten etwit 2900 Zeilen, welche

.xY

Zahl Brant durch eigene Zuſaͤtze betrachtlich vers mehrt hat.

Eine neue Verfchiedenheit zeigt die Ordnung, in welcher die einzelnen Sprüche auf einander folgen. Hier zerfallen Die Handfchriften in vier Klaffen. 1. Aa ift in. Capitel mit Weberfchriften abgetheilt , welche was gleichen oder verwandten. Inhalts ift zuſammen⸗ foffen. a hat diefe Ueberfchriften vollftändiger, uud weicht in der Folge der Capitel darin ab, daß Cap. 24 und 33 zwilchen Cap. 11 und 42. gefrhoben find. 2. Su BCDEbede herrfcht, verſteht fich die größern Stüde auögenommen, welche der Sinn .nothiwendig zufammen hält, eine. von jener durchaus verfchiedene Anordnung. Man findet bier vielleicht am Ende, was dort am Anfange fieht, und das nah verwandte: ift weit, ven einander getrennt, oder wird plößlich Durch etwas fremdartiged unterbrochen. Diefe Ordnung iſt zwar in den ‚hierher gehörigen Handſchriften im. gan⸗ zen diefelbe (in Ed natürlich nur innerhalb der Bruch: füde, in welche fie das Gedicht. zertheilen), aber die nicht feltene Verfeßung einzelner Sprüche, oder Zufäge und Auslafjungen ändern wieder manches daran, fo daß in dieſem Punkte Feine Handfchrift mit der andern vollig überein Tomıpt. Da nur Zur weilen große Buchſtaben den Schein einer Abtheilung gewähren, ſo find auch Ueberfchriften felten, bloß in be zeigen fich einige. 3. In den Auszügen afy

xvi

erjcheint jedesmal wiederum eine andere Ordnung. Ueberfchriften fehlen ganz, in «y lauft der Text ohne Unterbrechung fort, in 4 ift er Durch blaue und rothe Anfangsbuchftaben, die ziemlich regelmäßig von acht zu acht Zeilen mit einander wechfeln, außerlich abs getheilt. Daß aßy aus der zweiten Orbnung in BCDEbede hervorgegangen ſeyen, fo wenig dies auch fichtbar it, wird man geneigt zu "glauben, - wenn man bemerkt daß darin manchmal zwei oder drei Sprüche jener Ordnung gemäß neben einander ftehen, die in Aa getrennt find. In « iſt diefer Fall nicht jelten, in 4 zeigt er fich zweimal (auf 47, 20. 21 folst 61, 5. 6 und AD, 17. 18 auf 80, & 5), in. y einmal (129, 23. 24 fleht vor 124, 13. 14), ſelbſt & verbindet 66, 10 mit 38, 21. 22. : Allein man kann diefem Schluffe micht trauen, weil auch einmal dad Umgekehrte ftatt findet: & verbindet (Sp. 27) wie A zwei Sprüche (68, 2—5), die in der zweiten Ordnung weit von einander getrennt - find (559. 560. 2489. 2490 Müll.). Ferner if die Ord⸗ nung son 4 wieder näher verwandt 'mit der Ord⸗ nung a: ß zeigt ſich nämlich, von einzelnen Aen⸗ derungen abgefehen , als ein abermaliger und duͤrfti⸗ ger Auszug ausw, der etwa ben fünften Theil nur aufgenommen, doch die Ordnung feiner Grundlage meift nur durch Luͤcken entftellt bat. & und 5 gehoͤ⸗ ren, wie fchon vorhin angemerkt iſt, entfchieben zu

xvii

der zweiten Ordnung. 4. In AB Brant begegnen wir einer neuen Eintheilung in Capitel, welche das Gleichartige, vereinigen follen, und welchen auch Ueber: fehriften zugefügt find. Diefe Ordnung ift von jener in Aa verfchieden und zwar infoweit völlig, ale auch in den Eapiteln, welche ähnliche Ueberfchriften, zum Theil denfelben Inhalt haben, doch die einzel: nen Sprüche in einer andern Folge ftehen. Sich theife . hier Capitel und Ueberfchriften aus A mit: die eins geflammerte Nummer bezieht fich auf die Bear beitung von Brant, bei dem die Eapitel: wieder ganz anders georbnet find, fo wie die Ueberſchriften ſelbſt manch⸗ mal anderd lauten. 1. Iſt abgeriffen; bei Brant, der auch mit diefem Capitel anfängt, Von Befchei- denheit?. $(19). von wisen vir dominen. 3 (16). von aller hande lop. 4(18). von gedenkö,

5 (34). von frunden. 6(22). von milien vi kari- gen. 7 (23). von ‚güte vnd vo gabe. 8(38). vo fröme vn bofen. 9(39). von aller hande fchalkheit. 10(25). von richen von 'arıne, 41(40). von den toren. 12(29). von druncken- heit. 13(20). von fpile. 14(21).. von dem pfe- nige. 15(27). von de dieben. 16(36). von valfch vi vntrwen. (7(37). von dem tufel. 18(26). von wücherern, 19(35). von kerlzern (fo). 20 (33). von frouden tıuren. 21 (28). von halze

vanyden. 22 (49). von adel vi tugent. 23(55). Kr

xviu

von .tieren. 24 (56). von fogelin. :25(58). von flangen, 26(57).von den eleln. 27 (41). von der welt. 28(12). von dem melche. 29(13). von der felen. . 30(14). herize vn gedecke. 31(42). von aller hande leben. 32 (14). von de, zunge. 33(45) fehlt-.4. von allerhande (peys B. 34 ‚an. vo hoffart. 35(6). von dem ende: criſt. 36 (31). von wiben. 37(30). von ınynne. 38(34). fehlt A. von der lieb vnd auch von der hütt. (l. huote) B. 39 (48). von kouffe. 40 (43). von alten vn kinden. 41 (60). von dein tode. 42 (44). vo der arizenie. 43 (54). von lundẽ va mille- tat. 44(10). von almülen. 45(8). vo palfen.“ 46(9). von gut, vu von dem mölchen. 47 (4). von goties Iycham ein gebel. 48 (3). von gotlies geburt. 495). von adaımn, 902). von goltes wißheit. 51 (62). vo dem jügefe lag. 5211). von gebegen . di. gebeten), 53 (gehört, bei Brant noch zu dem vorhergehenden Cap.) ein geb... (ab: geriffen). 54 (6). von dem babelt. 55 (46). ‚von. liegen triegen. 56 (47) von ‚allerhande lügen. 57(50). von allerhande triegen. 58 (51). von mir [elber. 59(52). von eime jeglichen. 60 (53). von nyemät. 61 (54). von geimehelichen (ge- meinen B) [prüche, Brant hat in der Ausgabe von 1538 (nicht in der von 1508) ein Gap. mehr c. 32. c. von dem Ehlichen ſtadt' (fo), in welchem

Xix

aber keine Zeile aus dem echten Freidank ſteht. Dieſe Umarbeitung in AB iſt, wie ich vermuthe, erſt im funfzehnten, hoͤchſtens zu Ende des vierzehnten Jahr⸗ hunderts entſtanden, und ruͤhrt von einer eben nicht geſchickten Hand, die manches Zuſammengehoͤrige aus einander geriſſen hat, waͤhrend wenigſtens ein Viertel des Bekannten fehlt. Dennoch erſcheint fie wichtig, denn wie ihr Tert zwiſchen beiden Haupt⸗ klaſſen fteht, fo ift auch. ihre Ordnung mit der Ord⸗ nung beider verwandt. Su einigen Stellen folgt fie dem Zufammenhange: von Aa (49, 7—10, nıy bag 9.. 10 voranfiehen; 134, 14—17. 147, 17— 20. 181, 6— 9), dagegen verbindet fie, doch felt- ner, andere der zweiten Ordnung: gemaß (4, 16. 17 mit 178. 8.9. 71, 13. 14 mit 126, 11.12). Mit der Handfehrift B hat es noch eine. eigene Berwandt- nis: Sie ſümmt Anfangs: nicht mit A, fondern erſt son BL. 105 an oder mit Cap. 9. Das Stuͤck, wel: ched voran geht BL. 770 856, paßt in der Außer lichen Einsichtumg nicht. zu den übrigen, Hat Feine regelmäßige Angabe der Eapitel, und was fich von Abtheilungen und. Weberfchriften findet, fcheint von einem .unverftändigen Mbfchreiber herzuruͤhren. Es enthält zwan großentheils was zwifchen Gap. 1 bis 9 faͤllt, aber auch noch" mehr: ganze Capitel nämlich, Die abermals unten in Uebereinſtimmung mit A, alſo Doppelt und mit abweichenden Lesarten, vorkommen‘

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ſodann einiged, mad der ſouſt vollflandigern Hand⸗ fchrift A fehlt (3. B. 76, 27. 77,4). Und in einer folchen Stelle (Bl. 80°) wird 49, 17. 18 mit 87, 18. 19 der zweiten Ordnung gemäß verbun⸗ den. Der Renner zeigt einmal (84, 22 25) die erjte, ein andermal (94, 9. 10 flieht neben 95, 2.3) die zweite Ordnung: er weicht auch wohl von beiden ab, indem er 3. B. 48, 13. 14. 48, 21 24 ımd 48, 9. 10 zuſammenruͤckt.

Noch ein Umſtand verdient befonderd angemerkt zu werden. Es giebt einzelne Sprüche und größere Stel: fen, die nur im einer einzigen Handfchrift vorkommen. ABCade cuthalten folche, DEbe nicht, in det Fam man fie nicht erwarten. Da ich diefe Stellen jebeds mal bei Augabe der Ledarten angezeigt habe, fo bes merke ich hier nur daß auch die Auszüge wdy Bei⸗ träge diefer Art liefern, und zwar & verhaͤltnißmaͤßig mehr ald die vollftändigern Handſchriften. Sch halte es der Mühe werth, fie aufzuzählen ; in « allein kommt vor 35, 22 - 25. 75, 22.23. 1233, 2. 3 131, 413. 14. 147, 7.8 150, 16—19 171, 27 472, I; in P 100, 6.7; im y 79,12% "Was AB Braut betrifft, fo werden zwar durch fie etwa fechzig Zeilen bejtätigt, die anderwärtd nur- ein einzis gesmal fich zeigen, und eben ſobiel ſind ihnen allein eigen, aber, von unſerm Falle zu reden, A hat nichts was nicht auch in B oder doch bei Brant vorkaͤme,

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dagegen B (BI. 124°), uͤbrigens unvollkändiger, emen Spruch (149, 17— 22) in einem mit A ges meinfchaftlichen Capitel, der fonft unbekannt ift, und "in dem erfien von A ſich fondernden Abfchnitt. meh: rere: 4, 11.12. 77, 2—7. 82, 4. 5.122, 13. 14.

Sch kann ietzt erſt, nachdem ich Befchaffenheit md Werth ber Handfchriften und ihr gegenfeitiged Ver⸗ haltnid erörtert habe, über die Art und Weiſe, wie ich fie benußt, Nechenfchaft ablegen. Meine Ab- ficht gieng dahin, den Text aufzufiellen, welcher nach den Zeugniffen der Handjchriften die Wahrfchein: lichkeit für fich hat, dem urfprünglichen am nachfleu zu fommen. Das Hauptgefeß war alſo leicht zu fins den. Als Grundlage dienten die Handjchriften As, und wo ich "glaubte von beiden abweichen zu muͤſſen, da zeigte ich jedesmal ihre Lesart an, wenn fie nur nicht einen. Schzeibfehler oder entfchiedenen Irrthum ent: hielt. Stand A ganz allein, fo. erhielt die gemein⸗ ſchaftliche oder am beften beglaubigte. Lesart Der uͤbri⸗ gen Handſchriften den Vorzug, . außer wenn ſich in A das Alterthuͤmliche - oder allein ‚Richtige verhalten hatte: daß. dies anch der Fall fey, wem. die gegen⸗ über ſtehenden Hanbfchriften: untereinander nicht uͤber⸗ einftinmmten , war ſehr wahrfcheinlich.. Wurde Dages gen Ahurch eine der andern Handfchriften unterſtuͤtzt, fo bin ich gleichfalls ohne Noth nicht abgewichen. Diefe Regeln ergaben fich Leicht aus der Natur der

XXII

Dinge, ſchwieriger war bad Verhaltnis bei etwa tau⸗ jend Werfen, die in A fehlen." Hier habe ich mehr gewagt. und der, die Luͤcken füllenden Handfchrift.a auch da wo fie. den ubrigen gegenüber, aljo ganz allein fand, in der Negel den Vorzug gelaffer, weil ich annahm daß A ihr wurde. beigeflimmt haben; die Vergleichung der Lesurten: von 130, 3 mit‘ 68, 25: gewährt ein Beiſpiel von der Nichtigkeit biefer Voransjeßung. Indeſſen durfte fich diefer Vorzug nicht auf Dinge erſtrecken, welche ‚feine Papierhands fchrift, auch die befte, aus der aͤltern Quelle bewahrt : darin. alfo, namentlich in faſt allem, was die Sprachs formen betrifft, : mußte ich das Vorrecht ber. Perga⸗ nenthandfchriften anerfenuen, welche zuruͤckzuſetzen ich mich hier und.da auch aus. andem Gruͤnden fg: B. 133, 20) nicht entfchliegen konnte. Das Schwan= tar, das daraus entſtanden iſt, verdient, als unver⸗ meidbar, Entſchuldigung; wir werden hernach ſehen daß über dem Ganzen eine groͤßere Ungewißheit ſchwebt. Bei den Stellen, welche in Aa- gar: nicht vorlom⸗ ten‘, babe ich ‚natürlich auf diei größere Zahl det uͤbereinſtimmenden Handſchriften Gewicht gelegt, aber doch die fonflige nähere Verwandtſchaft ivon AB mit Aa gelten Iaffen, fo vorfichtig auch jene getruͤbte Quelle mußte angewendet werben (3..D. 47, 00 76, 27. 99, 43. 14. 104, 19. 20.).

Sch habe es jedesmal angezeigt, nicht bloß wenn

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eine Stelle nur in einer einzigen , fondern ° auch wenn fie nur in zwei, drei oder vier Handſchriften ſtand: weiterhinaus bei jedem Spruche zu ſagen wo er vor⸗ komme, wo nicht, wuͤrde eine ſchwerfaͤllige Um: ſtaͤndlichkeit verurſacht haben. Da indeſſen vieſe Sache nicht ganz gleichguͤitig iſt, ſo habe ich mich eines lelch⸗ ten Auskunftsmittels bedient. Ich habe naͤmllch “Bei jedem felbftändigen Spruche, wenn auch nur“ eine einzige abweichende‘ Lesart zu bemerken war, zugleich die im Tert ſtehende beglaubigt, , ſo daß man alle Handſchriften, welche dieſe Stelle enthalten, einmal wenigſtens genannt findet. Nur in den feltenen Fällen völliger Uebereiuſtimm ung reichte dieſes Mittel nicht aid.

Ich war ungewiß welchen Pag ich den "Stellen ges ben follte, die in Aa nicht vorfommen: fi fie am Sehtuge als Anhang zuzufuͤgen, war unthunlich, weil eine Ans zahl derfelben mit gemeinfchaftlichen Berfeil im Zuſami⸗ | menhange ſteht, und dann Wieder holungeli noͤthlg gei weſen waͤren. Es ſchien inir endlich am beſten,“ dieſe abhängigen Stellen ihrem Zufammenhange gemäß eins zurücen, die übrigen ſelbſtaͤndigen ‚aber an ei einem zu ihrem Inhalte paſſenden Ort einzufchalten, j freilich nach Gutduͤnken. Ich Lege feinen Werth auf⸗- dieſe An⸗ vrdnung, noch weniger mache ich Anſpruͤthe darauf den Platz gefunden "zu haben, der ihnen wfpringtich zutommt: ich glaube aber auch: jedem Nächtheil das Durch vorgebeugt zu haben, daß ich alles was dein Hand:

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ſchriften Aa unbekannt iſt mit einem Sterne bezeich⸗ nete, Ein Reimregifter, mit welchem man ſich bei jeder Anordnung der Sprüche zurecht finden kann ſchien mir unentbehrlich: es gibt an wo eine Stelle in der zweiten Ordnung nach der Müller. Zählung vorfommt, und wird fich auch fonft, zumal wenn ueue Quellen aufgefunden, werben, nüßlich erweiſen *).

‚Nahe Vlegt die Trage, ob was nur in einer ober ein paar Handfehriften ſteht als echt, als urſpruͤng⸗ lich dem Gedichte zugehoͤrig zu betrachten ſey? Kein anderes war ſo leicht der Gefahr ausgeſetzt durch fremde Zuſaͤtze feine Reinheit zu verlieren. Der abgeſchloſ⸗ jene Sinn der einzelnen Sprüche,. der den Dichter veranlaßte faft immer mit einem oder wenigen Reim: paaren den Satz zu beendigen,. und nicht erlaubte, den Schluß, wie died bei erzählenden Gedichten Re⸗ gel iſt, in die erfte Zeile des naͤchſten Reims hinüber zu führen , ‚machte, ed fremden Gute leicht einzudringen. Dabei mochte. es ‚jemand, der gewiß nicht im ‚Stande

Ich citiere natuͤrlich CDEbce gleichfalls nach der Maler. Zählung, / hingegen d nach der Seitenzahl des Liederſaals, & nach den halten der Hf., 4 nach der Verszahl, AB Ren ner nad) der Wlattfeite; bei bein Nenner habe ich mic der Srantfurter, in wenigen Fällen der Helmſtaͤdter Haubſchrift bedient; Brantss Bearbeitung Gabe ich wo beide Ausgaben uͤbereinſtimmten nach der vom J. 1538 citiert, weil. in die⸗ fer allein die Blaͤtter beziffert find.

KV

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getwefen wäre, fünfzig Verſe wie Freidank zu dichten, immer noch. gelingen ein paar neue Zeilen einzufchie- ben, denen man ihreu Urfprung nicht gleich anſah. Am verdächtigften ift mir in diefer Dinficht dad Ca⸗ pitel (43) von den Thieren, wo manches fich mag eingefchlichen haben. Auf der andern Seite war nichts natürlicher als daß verflümmelte Abſchriften in Gang kamen, da die politifchen Urtheite Anſtoß schen und Mißfallen erregen Eonnten, und nicht jeder die geiflige Freiheit des Dichters befaß: niemand aber wird die hiftorifchen Stellen ; namentlich bie welche von Pabft und Kaifer reden, deshalb für unecht er- Haren wollen, weil, fie in den meiſten Handfchriften fehlen: fie gehören „mit zu dein eigenthuͤmlichſten des Gedichts. Von dem, was in Aa nicht ſteht, ift ohne Zweifel. dad meilte echt; felbft in den Sprüchen, die wir aus AB allein Fennen lernen, herricht nach meinem Gefühle Freidanks Geil: ber Orduner (bag Wert umeigentlich gebraucht) von AB war gewiß unfähig nur etwas erträgliches felbft hervor zu brin⸗

gen. Wie wenig der Umftand beweilt, daß eine Stelle überhaupt nur einmal vorkommt, zeigt gin Spruch (43, 8. 9), den nur die fpatere Handſchrift ß erhalten hat, der .aber durch den Nenner hinlaͤng⸗ li gefichert wird: ebenſo gewiß rührt eine Hiffori- ſche Stelle, die. in ‚A allein vorfommt (162, 26— 163, 12), von Freidank jelbft her; dagegen. halte

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XXVI.

ich zwei Zeilen (141, 5. 6. Vgl. die’ Einl.), ob— gleich fie in den Handfchriften der drei Hauptords

nungen erſcheinen, für -untergefchoben. Auch After

und forfiige Vorzüge der Handfchriften helfen in die⸗ fem Puncte wenig: einige ver ſpaͤteſten bewahren Stellen (11, 15 20. 125, 21—24), welchen man nichts anhaben Tann, dagegen habe ich gerade in Aa nicht bloß größere und darum leichter zu beurthellende Stuͤcke, in welchen geiftlofer Ausdruck, unbeholfene Sprache und Reime, deren Freidank fich nicht bes dient, den Zuſatz eines ſeichten Nachahmers verrathen, eingeffammert, fondern auch ein paar in einen Gab eingefehobene Zeilen (78, 19. 20) entdedt. In Bb (3900 17 Müll.) ift fogar eine Zabel von Stricker eingerückt, die wahrfcheinlich der Abfchreiber zugleich in ver Handfchrift fand, die er vor fich hatte, wie fie wirklich in dem Wiener Eoͤder E fießt. Unge⸗ ſchickte und leicht zu erkennende Zuſaͤtze ſpaͤterer Zeit geigten ſich nur in dem erſten Abſchnitte von 3; ich habe fie ohne weiteres zuruͤckgewieſen, während ich was die übrigen Haudfchriften eigened enthielten it Sorgfalt heransgefucht, und bis auf ein“paar unhellbare Zeilen , die man am Schluſſe der Anmer⸗ tungen findet, aufgenommen haͤbe.

Ich kann die Weife, wie ich den Text behandelt Habe,

nicht ganz deutlich machen, noch voͤllig rechtfertigen,

wenn ich nicht einige Schritie weitet in das Gebiet der

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hoͤhern Kritik thue. Freidank war ein unbefangener, die Det mit feſtem Blicke anſchauender Geiſt, davon legt jede Zeile feines Gedichtes Zeugnis ab: er hat gewiß nicht vorjäßlich gefammelt, noch. daran. ges dacht dad überlieferte lebendige Wort, die Weräheie ded Volkes, die bei ihm eine gute Stätte gefimden hatte, nach einem auögefonnenen Spftem in. Reihe und Glied zu flellen:.. Dagegen ſcheint "nichts natürlis cher ald daß bei dichteriſcher Behandlung. eines ſol⸗ chen Gegenflandes eine gewiffe Ordnung und Vers bindung von felbft ſich einfand. Kraidauf :ınorhie zuerft von göttlichen: Dingen, von dem Meltbau, von der Erde und ihren Befchöpfen geredet: Iar ben, dann zur Betrachtung des Menſchen, feiner fittlichen Ratım und feinen außeren Vethaͤltniſ⸗ fen übergegangen fem, womit ſich hiforifche Be⸗ trachtungen der Gegenwart leicht verflechten ließen: Hinfaͤlligkeit, Tod und Auferſtehung bildeten den Schluß. Eine Rebenidee, ein uͤberraſchender Gegen⸗ ſatz kann mitunter‘ die Folge der Gedanken "beftimme haben: ein plößlicher Sprung zu dem ganz ferne tiegenden ift gleichfalls geſtattet und der mienfchlichen Natur angemeffen,, ‘aber ein innerer Zuſammenhang muß. doch dad Ganze gebunden md ben Urſprung aus einem Geiſte bewährt haben, Zwar erſcheint in Aa ein Zufommenhang ,. der. dem voranögefeßten fo ziemlich, zum Theile wenigfiens entſpricht, aber nach

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IXVIII

meinem Gefuͤhle iſt er nicht aller Orten der wahre, ſondern verbindet auf pedantiſche Weiſe die Gedanken mehr aͤußerlich als innerlich. Während in dem Hin⸗ uͤbereilen zu dem entgegengeſetzten, und in der ſchein⸗ baren Unordnung ein natürlicher Reiz liegt, wirft ein bloßes Aneinanderfchieben Ahnlicher Sprüche ges rabe umgekehrt, ermübet, und mindert den Werth des. Einzelnen. Die Capitel von geringerm Umfange (3. B. 19. 20. 39. 60) ſcheinen mir Eleinlich ge= fondert : dagegen aus den Abfchnitten, deren urſpruͤng⸗ liche Ordnung der eigenthimlichen Darfielung wegen nicht: fo eicht:geftört werden fonnte..(z. B. Cap. 8. 47. 48)), aus den Stellen, die von religiöfen Din⸗ gen handeln oder gefchichtliche Ereigniſſe berühren, laͤßt fich entnehmen wie ſchicklich und ungezwungen, wie anregend Freidank Dad Verwandte zu verbinden wußte Darım mögen die Kapitel, deren Umfang nicht in: allzuenge Schranken abgeſteckt ift (wie Cap. 12. 38. 40: 41.), noch am erſten die echte Folge bewahrt haben. Sch kann alfo die Anorbnung von Aa nur theilweiſe lobenöwerth finden, noch weniger aber Die gegenuͤberſtehende zweite gut heißen, Sie iſt vegellos, unverſtaͤndig, und fcheint bloßem Zufall ihre Eutfiehung zu verbanten, wobei ihr freilich der Bortheil. zu . ftatten kommt, Durch plößliches Abbre⸗ chen und jeltfane Uebergange zu. ergötzen >. denn auch der. Zufall kann geiſtreich und witzig ſeyn. Muß

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zwiſchen beiden gewaͤhlt werden, ſo gebe ich der er⸗ ſten ohne Bedenken den Vorzug, die ohne. Iweifel in den meiften Fällen einen beſſern Zuſammenhang dars bietet; man vergleiche nur Cap. 4, welches in der zwei⸗ ten Ordnung ganz auseinander geriffen iſt, oder, um einzelned anzuführen, man: fehe in welcher natürlis chen Verbindung mit dem vorangehenden 1, 15— 2, 1. 2, 8—11. 57, 24—27. 90, 9. 10. 113, 13. 14. 176, 22. 23 fiehen. An einem unpafiens den Orte finde ich in Aa bloß 16, 18 23: diefe Zeilen gehören offenbar nicht in dieſes Capitel, allein in der andern Ordnung find fie noch fchlechter eins gefügt. Zwar 90, 19. 20 gewahrt die zweite Ord⸗ nung allein die richtige Stellung , jedoch da fie den Fehler der erften theilt, indem fie biefen Spruch noch⸗ mals (wie in der Anmerkung audgeführt iſt) vereinzelt vorbringt, fo erlangt fiedadurch feinen Vorzug, vielmehr fcheint es ein alter, in beide Ordnungen übergegangener Fehler. Die Folge von 66, 11—14, welche in dee Anmerkung befprochen ift, will ich ald einen Gall gelten laſſen, über welchen man verfchieden urtheilen kann. Bei 126, 11 14, din ich ungewiß : diefe Zeiten paffen ebenfo gut in den Iufammenhang ber erften als ber zweiten Ordnung, wo 71, 13. 14. vorangeben , wiewohl hier für dieſe fpricht, Daß auch © (30. 31) A (6°) B (79%) ihr darin beſtimmen. Bei 133, 25. %- 135, 6—9. 135,: 16. 17.

XXX

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153, 22. 23 kaunn man zweifeln daß ihr Platz in a der richtige fey. Die Stellimg von 86, 10 15 in der zweiten Ordnung ift !zu gleichgültig als daß et⸗ was daraus zu folgern wäre, vielleicht aber laßt ſich hier die erfte Ordnung uber einem Irrthume betreten : die Lesart enpfähen (86, 13) bat ſchon des bibli⸗ ſchen Spruches wegen (‘geben iſt ſeliger dann neh⸗ men’ Apoſtelg. 20, 35) mehr innere Wahrſchein⸗ lichkeit, als die andere verzihen, die jedoch, da. fie fich auch in den Hſſ. der zweiten Ordnung zeigt, hinlanglich beglaubiat, in jedem Falle alt iſt: offen= bar aber hält die erfie Ordnmg verzihen allem für daB richtige, denn fie läßt ‚86, 14. 15 bloß deshalb folgen. Entſchieden fcheint mir die zweite Drdnung nur einmal den Vorzug zu: verdienen, wo fie 94, ‚41. 12 unmittelßar .an 95, 2. 3 anfchließen laßt. FR die MWieberholung vdeffelben Reims in zwei und zwanzig (106, 18 107, 15) ein andermal (138, 3—8) in fechs Zeiten Fein Zufall fondern abfichte lich, was fich vermuthen laßt, fo fpräche dies aber- mals für die erſte Ordnung.

Füge ich zu. dieſen Beobachtungen die einfache Bes merfung, daß den nicht unbeträchtlichen, in ihrer Mehr⸗ zahl unbezweifelt echten Stellen, die in beiden Orbs nungen feinen Pla erhalten haben, doch urſpruͤng⸗ lich ein folcher zufommen mußte: ergänzt ferner .eine der ipateften und fchlechteften Handfshriftin eine Tonft

1 MXAMI

luͤckenhafte Stelle (76, 27 77, 3.): deuten «»AB und der Renner, die doch von einander unabhangig find, auf beide Ordnungen zugleich hin: begeguen endlich anderwaͤrts Anführungen. aus ımferm Gedichte, (jie fliehen ©. 182 beifammen), welche wir in den bis iegt zugänglichen Quellen vergeblich ſuchen, die alſo beweifen daß wir noch nicht alled kennen, fo draͤugt fich der Schluß auf, Daß Feine von den. bekannten Ordnungeun die echte urfprängliche des Dichters übers liefert, fondern fie nur unvolkfländig aufgenommen und durch -eigenmächtige Abaͤnderuugen geflört habe.

Demnach it meine Anficht folgende Die Ord⸗ nung, welche ich die erſte genannt habe, verdankt ihre Entfiehung einer nicht unverfiändigen, aber auch nicht geiftreichen Anficht, weiche glaubte die urfpräng« liche, frejere und ‚Lebendigere Auffiellung der Sprüche ändern amd verbeffern zu muͤſſen, oder, was fie voͤl⸗ lg entfchuldigen. würde, eine theilweiſe verwirrie Auf⸗ faſſung Eennen. lernte, welche fie zu berichtigen ver= füchte. Die zweite Ordnung enthält eine ungeregelte Anhaͤufung des Stoffes, die jeden Gedanken an eine natürliche Folge der Sprüche aufgegeben hat, und aus Bequemlichkeit, Mangel an Gedächtnid oder - irgend einer andern MVeranlaffung mag entftanden ſeyn: ich will damit gar nicht abläugnen daß fie nicht in einzelnen Fallen, wovon vorhin ein Beiſpiel angeführt wurde, das Urfprüngliche erhalten habe,

XXXII

und den Vorzug verdiene. Die doppelte Anfuͤhrung einer nicht ganz kleinen Zahl von Sprüchen, öfter mit Abweichungen (vgl. 23, 11. 12%. 70, 20. 21. 121, 16. 17), erklaͤrt fich aus einer folchen Ent⸗ ſtehung beider Ordnungen, wiewohl auch manches davon den Abfchreibern zur Laft fallen, und ed über: haupt fchwer ſeyn mag bei Werken diefer Art Wie: derholungen zu vermeiden *). Welche von beiden Ordnungen übrigens die ältere ſey weiß ich nicht zu fagen, und die Handfchriften ſelbſt find zu jung, um etwas entfcheiden zu künnen: nach ber Zahl ber ers haltenen zu urtheilen, war die zweite Ordnung am meiften verbreitet. Kine genaue Vergleichung beider fehien verlorene Mühe, fie lohnte indeffen durch die Bemerkung, daß a in einen Stüde von zwei und dreißig Zeilen (131, 23 133,4) die zweite Orb- nung zeigt, doch nicht vollftändig fondern luͤckenhaft, das heißt die zweite Ordnung hat Sprüche dazwiſchen geftellt, wie ich im Sinne meiner Vorausfegung diefe Grfcheinung erfläre. "Könnte aber in diefem Bruch⸗

*) Das doppelte In Aa ift in ben Lesarten angemerkt, was in B vorfommt wird im Meimregifter durch bie dop⸗ pelte Zahl des Müller. Abdrucks angezeigt, In zwei Faͤl⸗ len (90, 19. 20 und 97, 22. 235 132, 26 133, 4 und 458, 14 19) babe ich aus Gründen, die in den Anmer⸗ tungen bargelegt find, geglaubt die doppelte Anfuhrung im Terte beibehalten zu muͤſſen.

xxx

nicht auch umgelehrt a nur einen Zudzug aus der zweiten Ordnung enthalten? Die meine Anficht mißbilligen, werden das freilich behaupten müffen, indeffen gereicht ed ihr doch zur Beſtaͤtigung daß bie eingefchobenen Stellen in der erſten Ordnung jedes⸗ mal einen pafjenden Platz haben, follten fie aber in der zweiten am ihrer rechten Stelle flehen, man dem Gedichte eine böllige Unordnung als urfprüngliche Grundlage zufchreiben ‚müßte. Dazu kommt daß die Aufftellung in a bem Inhalte des Capitels anges weiten ift, man aber doch annehmen darf inſoweit beide Ordnungen übereinftimmen fey das Urſpruͤng⸗ liche erhalten. Hierbei ift noch ein befonderer Umftand beruͤckſichtigen. Habe ich nämlich darin Recht, daß auf 132,, 1 der 132,2 5 eingerücte. Spruch noth⸗ wendig folgen muß (vgl. Anm.), fo. hätterk wir inners halb diefes der echten Ordnung wahrfcheinlich näher fiehenden Stuͤckes ein Beifpiel von Ungefchicliche keit der erfin Ordnung, indem fie jenen Spruch ausließ: welche Ungefchicklichkeit die zweite theilte, indem. fie ihn zwar nicht außließ, aber doch in weis ter Entfernung vereinzelte. Es fcheint mir nüßs lich, die Beruͤhrung beider Ordnungen vollkom⸗ men anfchaulich zu machen, weil mehr Scharfs finn vielleicht, weitere Auftlärung daraus gewinnt *). In der dritten Ordnung endlich, die fich in AB dars

el, ift ein neues Syſtem noch ſpaͤter und ziemlich ar

XXAIV

roh eingefuͤhrt. Obgleich der Urheber derſelben weniger aufgenommen hat als die erſte Ordnung, fo iſt er doch in der Sonderung noch weiter gegangen, und bat die Zahl der Capitel um achte vermehrt, Da aber diefer Text, wie fchon bemerkt, verhaͤlimismaͤßig reich it an fonft unbekannten Sprüchen, hingegen in - dem Cap. von den Thieren frei von den verdächtigen Stellen: da er endlich auf jene beiden Ordnungen zugleich hinweift, fo Eönnte möglicheriveife.dad von. diefer Umarbeitung benußte Original die verlorne echte Geſtalt des Gedichtd enthalten haben, wie fie vielleicht auch Hugo von Trimberg gekannt hat,

Daß wir fehon aus diefen Gruͤnden mit den bishe⸗ rigen Mitteln dem urfprimglichen- Zert-fehr nahe zu rücken nicht hoffen dürfen Ieuchtet ven felbft ein; bis zu welchem Punkrt ich gelangt bin, werden andere- mit mehr. Sicherheit beitrtheifen kͤnnen.

Göttingen 24. Februar 1834. '

*) Ich laſſe die Stelle in der zweiten Ordnung (1889 1968 MU.) folgen: indem ic wag ich darin für zugefügt halte abieße, tellt dad Vorgeruͤckte die erſte Orduung dar. 131, 23 Bezzer ift zwirnt gemezzen,

dan zeinen wmäl vergesgen. Die hœhſten tragent uns bilde vor, (69, 23} diu wagen leitent in daz hor. Höchvart; umminne , gitecheit, (29,10) der ieglich nd die kröne treit. 131, 25 Swer ich. lelben. folte

XXXV

fchepfen [wie er wolte, der vergeze ınaneger handa getät,. 132, 4 der got niht vergezzen hät. Mit fenfte niemau éêre ‚hät, (92, 8) allö nd diu werlt ftät. Bete ifi worden äne fcham, (412, 18) fo ifi verzihen reht alfam. 132, 6 Swaz gefchehen fol, daz gefchiht! des guoten volgich, des übelu niht. [fwerz ze rehte merken wolte, gefchiht vil, des niht gefchehen ſolte. Man @ret daz guot an manegem man, (56, 25) der tugent noch dre nie gewan. Näch guote wirhet manec man, (56, 19) unt wirt dem, dem erg iihele gau. Ez fi durh wärbeit od durh haz, (62, 6) man lobt nu nieman äu ein daz. 132, 10 Swen bröt von weize dunket kranc, der mache be3z3er3, unt habe dauc. Swä diu witze welen. fol, (80, 26) diuft in kleinen liuten wol, unt midet manegen grözen man, der witze niht gepflegen kan. Sich huop nit unde strit (60, 20) ze himele bt der erften zit: von iftz ein wunder niht, ob Af der erde ouch firft gefchiht. 432, 12 Swer mich der diuge bete, diu ich doch gerne txte, der bete folt ich in gewörn, wolt er ir zühteclichen gern. Kurzer man dämilete, (85, 19) - unt röter mit güete, unt lauger man wife, der lop fol man prife. Die wile die feckel klingent (96, 1) die vriunt dar gerne dringent: verliufet er fin klingen , wirt dar kleine dringen. 132, 16 Lüter win, reine unde guot, der junget alter liute muot: krauker win, trüebe unde kalt; der machet fchiere jungen alt.

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Swelch man drizec tugende begät, (46, 1) hegât er eine mifletät, der tugende wirt vergez3zen, die miſſetât wirt geiuezzen. Swer elliu dine weiz & fi gefchehen, (74,15) dent herren Sol man tugende jeher. Diu jugent nienau mac gezemen, (53,1) fin welle fich dan felbe fchemen. 132, 20 Daz iter strac niellian überwaten,

noch der werlde fich gefaten. Edele, zuht,; fchane [unde] jugent, (176, 16) Witze, richeit, êre [unde] tugent die wil der töt niht Aite län: uns kumt da3 wir verdienet hän, Swer wistuont, &re, groʒ richelt (44, 16) mört, der mert fin arebeit,

43%, 22 Min ouge maneget flahte fihr,

des wich nilit glufle, fshe ichs niht:

des ich lHihte eubzre,

oheʒ nıir fremde were.

Ere muo3 koufen manec man (93, 10) von dem, der @re nie gewan. Ob ich gebunden ware, (130, 4) unt wer daz bant iht Iwsere, ich gündes eime tören wol, der binden und enbinden fol, er mich lefen künde, daz er mich enhiinde. 432, 26 Vilkarc unde Säwmekarc | folten teilen dri marc:

Vilkarc woldez bez3er hän,

Sämekarc woldes niht lan;

der firtı it ungefcheiden

under deu kargen beiden.

Einleitung. 1. Name, Stand, Heimath des Dichters.

Freidank hat nicht, wie die epifchen Dichter feiner Zeit, an einem im Infammenhange überlieferten Stoffe fih ver ſucht, fondern der Betrachtung ber Gegenwart und ihres fittfichen Zuſtandes feine yoetifche Kraft angemendet. Kommt dort die Perfönlichkeit der Dichter weniger in Betracht, fo it Hiee der Wunſch fehr natuͤrlich, uͤber bie Verbaͤltniſſe in welchen Freidank lebte, Aber die Abficht feines Gedichte, wie über die verfchiedemartigen Einwirkungen darauf näher un: terrigtet zu feyn. Um zu einem folden lebendigern Vers ſtaͤndnis des ganzen wie des einzelnen gu gelangen, dürfen wie und auch trodnen Crörterungen nicht entziehen.

Ich beginne mit der Sufammenitellung bed wenigen, was dußere Zeugniffe über Freidank und fein Werk ausfagen. ° Den erfien Plag nimmt die Meberarbeitung der Klage ein, die niche viel jünger ald unfer Gedicht feyn mag. Die Horte bes alten Terted 41720 22.

Man muoz die varn läzen,

die uns der töt teglichen nimt, wan im unders viht euzimt, wan fcheiden hep mit fAre. ez eniſt niht anders märe.

XXIXVIII

lauten darin 3540 —46 (aßb.)

Man muoz die varen läzen,

die uus tegelich uimt der idt. daz ift ein gewonlich nöt, [fwä man daz von im vernimt: wan im anders niht enzimt, wan daz er liep von liebe Schelt unz er uns alle hin gezelt.

Der ungeſchickt ausgedruͤckte und geiftlofe Iufag day if ein gewonlich nöt, [wä ınan daz von im vernint wurde in der Abficht gemacht, um Freidanks Spruch (177, 21. 22.) der töt liep von lieb fchelt unz er uns alle hin gezelt unverändert anfügen zu Finnen; unten hoffe ich Darzuthun baß bei wörtliher Webereinftimmung die größte Wahrſcheinlichkeit für unmittelbare Aufnahme aus Sreidanf ftreitet. Die folgenden Zeugnife ftelle ih nur muthmaß:- lich in chronologifcher Ordnung auf. In dem Eingauge bes Wilhelm von Orlens hat Rudolf von Hohenems Freidanks Worte hefcheidenheit diu aller tugende kröne treit, und in der Weltchronik (BL. 2840 Caſſ. Hf.) eine andere Stelle (153, 11. 12.) wiederholt, allein.in dem erfigenannten Werke führt er ihm unter andern andgezeichneten Dichtern auch namentlih auf, und preiit ihn, indem er der Fran Aben; teure zuruft (Docen. Misc. 2, 152)

wolde iuch meiſter Fridauc

getihtet häu, ſo waret ir

baz viür komen, dan au mir, und noch ausführliher in dem Gedicht von Alexander (Min. H. Buch 2),

tumpheit fträfen unde ſpot,

die werlt erkennen, miunen got,

XXXIX

des libes unt der fele heil, vwerluicher éreu teil,

in dirre werlie kurzen tagen

lerte kunfteliche bejagen

der finne riche Frigedanc,

dem äne valfchen wanc

ellin rede volge jach,

[waz er in diutfcher zungen [prach,

In einer andern (unten S. 182abgedruckten) Stelle deſſelben Gedichts nennt er ihn abermals meifier Fridauc. Heinrich von Meifen fuͤhrt in der Gloſſe zu dem Unſer Vater (zwi⸗ fen 1252 55 gedichtet) einen Sprud von ihm an (vgl. E. 182). Mumeland von Schwaben (Amgb. 196) fagt dem nilten tuot verzihen we, redet her Vridanc den tumben viir durch re, doch Ichamet fich der biteude 6 (vgl. 86, 14). Konrad von Wuͤrzburg bringt im troj. Krieg (790) ohne die Quelle zu nennen eine Etelle aus Freidank (111, 6. 7) vor, kein diuo hät Af der ‚erden an kreftien alfö rtchen hork ſò fieine, kriuter unde wort; am Schluffe des Turniers zu Nantes iſt eine andere (56, 6. 7) wörtlich wiederholt. Hug von Langenjtein muß Freis danks Werk gekaunt haben, denn er ahmt in dem Gedichk von der heil. Martina, welches im J. 1293 entitand, mehr: mald den Eingang nad (224 2524), diu ſtætikeit diu al- ler tugende kröne treit, und (98b), befcheidenheit diu von rehte kröne treit; auch bringt ct 175, 22. 23 mit geringer Abweichung (2144) mörtlih vor. Hugo von Trins berg, der am Schluffe des 13ten Jahrhunderts den. Renner dichtete, drückt mehrmalsıgeoße Verehrung vor Freidank aus: er heißt bei iäm der werde (115%), der .tugeuthafte (308%),

AL

der falige (896. 424b), der wife man, des Sprüche nie- man gevelfchen kan (336). Er nennt ihn, wie Rudolf von Hohenems, einigemal meifter (81. 826), ungleich haͤu⸗ figer her Fridanc; her nennt ihn ferner Rümelant, Jo- han von Frihere (unten ©. 182), der WVerfaſſer von Got Amur, der (1695 —97) einen Spruch (62, 10. 11) geborgt bat, und einen fonft unbelannten (ug. 182. Nr. 4) anführt; endlih Teichner in einem ungebrudten Gedichte (Dresd, Hf. 67). Diefer Titel würde, von einem gleichzeitigen ers theilt, ihm den Stand eines Mitters beilegen, aber zu jener Zeit war die genauere Unterfcheidung ſchon ziemlich verwiſcht. Dagegen beißt er wieder meilier Fridanc in der Sammlung von Spruͤchen, welche den (noch ungebrudten) Schluß einer von Graf Diut. 1, 323 beſchriebenen Pergamenthendichrift zu Straßburg ausmachen. Hand Sachs (SKempt. Ausg. 1, 461) endlih verwandelt den meiſter in einen Docter, Boner, ber bis in bie Mitte des 14ten Jahrh. lebe, be⸗ nußte in feinen Fabeln Freidanks Werk ohne ihn ein einzi⸗ gesmal zu nennen. Gin wahrſcheinlich im 14ten Jabrh. abgefaßtes Cim Lieber. 3, 163 78 abgedrinftes) Gedicht, Catos Eittenlehren genannt, enthält einige hierhergehoͤrige Sprüche,

Man bat vermuthet (Efcheuburg Denkm. 87. Jac. Gr. über den Meiftergefang 106) daß Freibank nicht ber eigent⸗ liche fondern ein angenommener Name des Dichters fey, wel: her bie Fühne Sprache bes Gedichte und die mehrmals darin (3. 8. 115, 14—19) geruͤhmte Sreibeit der Gedanken ans deuten folle, und diefe Vermuthnug hat etwas anfprechendes. Ich kann erft unten meine Meinung darüber dußern, und bemerfe bier nur daß Freidank an und für ſich kein erdich⸗

XLL

geter fonbern ein im ſuͤdlichen Deutſchlaud nicht unerhörter Familienname it *).

Ich veruuthe daB unfer Dichter in dem Herzogthume Edhwaben, dem Stammlande ber Hobenftaufen, zu Haufe wer, und vieleicht deshalb fich veranlaßt ſah dem Kaifer anf dem Kreuzzuge zu folgen. Dorthin weiſen Ausdruͤcke wie daz ebiche (21, 22), bähr (146, 40), pfenuewert (148, 21), freie (127, 48), luter (88, 17), am beitimm: teſten albel (146, 13), wenn wirklih ein Fiſch in einem Schweizerſee diefen Namen allein führt. Ich habe die an fich ſchon hinlänglich beftdtigte Form fierre (8, 22. 19,1- 108, 3) der gewöhnlichern fierne niht nachgeſetzt, da aud bei Ta: tian und Otfried fierro (Gr. 1, 390) vorkommt, und die Heimath bes letzteren mit Gewisheit in das. ſuͤdliche Deutſch⸗ land pefegt wird. |

Wir find bei den dürftigen Angaben anderer angewiefen auf biefem Wege meiter zu geben, und In dem Gedichte ſelbſt Aufklaͤrung über den Dichter zu fuchen. Indeſſen läßt

-*) Der oͤſtreichiſche Dichter Siegfried Helbling, ein Zeit: aenofle Hugos von Triberg, nennt einen Bernhard rei: dank (Muf. 1, 583. 84) Sn Frankfurt am Main lebte ein berähmter Arzt magifter Fridangus (Albert Argent. p-194 ed. Bafel 4569), der faͤlſchlich befhuldigt ward, den Kaiſer Günther von Echwarzburg im J. 1349 vergiftet zu haben. In einem Frankfurter Protokoll vom 3. 1380 (Fries vom Peifergeriht 116) erfcheint abermals ein Fridane. Von einen: Jacob Freidant aus Kärnthen, der in der Mitte des 16ten Jahrh. lebte, ruͤhrt eine gereimte Laienbibel (Eſchenb. Denfm. 85. 86). Noch heute Dauert der Name. Der Ver: faffer einer hiſtoriſchen Abhandlung in dem Archiv für Ges ſchichtskunde des preuß. Staates Bd. 9. H. 3. beißt F. Frey: dank. Eudlich führte ein Geſchlecht in Koͤln dem aͤhnlich gebildeten Namen Kleingedank. Vgl. Hagens koͤln. Reim⸗ chronit Yeransgegeben yon Groote 4803, 4813. 4897«

XLIL

fih ber Gewinn bier noch nicht darlegen ‚und es ſcheint mir beffer die Unterſuchung im Zufammenhange mit andern zu führen. Die nächte Frage namlich: ift, hat Freidank aus ſich ſelbſt fchöpfend bloß eigene Betrachtungen aufgeſtellt, oder hat er and, aberliefertes in fein Werk aufgenommen, und wie weit iſt es in dieſem Zalle möglich feine Quelle nachzumelfen? Ich will bei Beantwortung biefer- Frage bie einzelnen Veſtandtheile des Gedichtes trennen.

2. Der Kaifer. Der Kreuzzug. Syrien.

Ich hebe zuerſt hervor was ſich auf gleichzeitige Bege⸗ benheiten bezieht. Es ſind nur geſchichtliche Andeutungen, denn eine fortlaufende Erzaͤhlung darf man in einem Ge⸗

dichte nicht ſuchen, das ſich vorzugsweiſe der Vetrachtung

ergibt: ſie wuͤrde mit dem lehrhaften Weſen der Spruͤche nicht im Einklange geſtanden haben. Daraus vielleicht oder aus dem natürlichen Beſtreben der Poeſie ſich von der Wirklich⸗ keit abzuloͤſen erklaͤrt ſich wohl das auffallende Verſchweigen aller Namen, ſo wenig Zweifel uͤber die geſchichtlichen Per⸗ ſonen ſeyn kann, von welchen die Rede iſt. Ebenſo ſicher laͤßt ſich die Zeit aus den beruͤhrten Ereigniſſen ſelbſt ermitteln. Kaiſer Friedrich IL hatte den Kreuzzug, den er, nad lan⸗ gen zum Theil gewiß unverfchuldeten Zaudern, zuleßt gegen den Willen des Pabſtes, und mit dem Wanne belaftet, un« ternommen, durch einen zehnjihrigen Frieden mit dem Sultan Malek al Kamel, der Jeruſalem und einen Cheil von Yalditina in feine Gewalt gab, eben beendigt, war aber noch nicht nach Jtalien, wo ber Pabſt fein Meich feindlich überzogen hatte, zuruͤckgekehrt. Die Abfatfung des Gedichten;

XLiII

wenigſtens, um mich ganz vorſichtig auszudruͤken, des bi- ſtoriſchen Theiles, faͤllt alſo in die ſechs Wochen, die zwi⸗ ſchen dem Einzuge des Kaiſers in Jeruſalem (am 17. Maͤrz 1229) und feiner Abfahrt (am 1. Mai) liegen. Da das chriſt⸗ liche Heer am 7. September .1228 gelandet war, fo hatte Sreidant ber ein halbes Jahr in Syrien verlebt, und Zeit gehabt den Zuftand der Dinge dort kennen zu lernen.

Ich jtele die Hindeutungen ded Gedichte auf bie Greig: niffe jenes merkwürdigen Kreuzzuges zufammen. "Der Kai⸗ fer’, heißt es, “fuhr über Meer im Banne, obme daß ein Heer der Fuͤrſten ihm begleitete, und kam in ein Land, mo es fuͤr Gott und Menſchen Feine Treue gibt (158, 21 25). Dad Rei Chriſti itand offen, Teufeldfünfte haben ihn ver: Hinbert es ganz in feine Gewalt zu bringen. Die Wälfchen waren fo feindlich gefinnt, daß fie es den Helden lieber ala ben Chriſten gönnten (162, 26 —163, 12). Was kann ein Kaifer audrichten?, fagt Freidant, wenn Chriſten und Helden, felbit die Geiſtlichkeit ihm entgegen find? wuͤrde doch Salo⸗ mons Weisheit in einer ſolchen Lage zu Schanden werden (156, 16 18). Hätten bie, welche den Erfolg feiner Stege hemmten, treuen Beiſtand geletjiet, das Stab Chrifti, Je: sufelem, Nazareth, Bethlehem, der Jordan, und andere beilige Stätten, wo die Füße bes Herrn gewandelt haben, ganz Syrien und Judaͤa, wären ietzt völlig in feine Hand gegeben. Indeſſen jiehen .die Straßen offen, bie: zu den heiligen Stätten führen? (161, 11— 22). Damit deutet er an daß der Kaifer den Bells von Jernſalem nur unter Bedingungen und auf eine gewiſſe Zeit erhalten hatte, hebt iedoch die Befreiung des Grabes hervor, des Troſtes der Shriiten. Was bedürfen Suͤnder mehr’, fügt er hinzu, "als das Grab und ben Sieg des Kreuzes (160, 16. 17% 161,

XLIV

9. 40)? Cie haben keinen andern Wunſch als bie Erhal⸗ tung des abgefchluffenen Friedens! (160, 24. 25).

Des ſeltſamen Verhältniffes, welches gwiſchen Friedrich und dem Sultan von Aegypten ſich gebildet hatte, geſchleht Erwaͤhnung. Freundſchaft und nähere Verbindiug war zwiſchen beiden entſtenden, als der Enltau dem Kaiſer den Verrat der Templer ımb Hoſpitaliter, die ihn in feine Hände überliefern wollten, nicht ohne Edelmuth emtdedt hatte. (Milten Gefch. der Kreuzzuͤge 6, 470 - 477). Die Solge davon war, daß man dem Kaifer Hinneigimg zu den Eitten, ſogar zu der Neligion der Sarazenen vorwarf. Wir kennen dieſe Vorwürfe nur aus dem Munde feiner Gegner, namentlid aus dem, was ber päbitlihe Capellan Stephan serbreitete Chei Matth. Paris), und aus dem leibenfehaft- lichen Bericht des erzürnten, parteiiſchen Patriarchen Gerold Cbei Mettp. Paris und bei Raynaldus); um -fo widtiger wird eine Stelle Freidenks (158, 4 8), da es hier gerabe ein Anhäuger des Kaifers iſt, der die anftößige Verbindung tabelt. Es wäre ziemlich’, meint er, “daß ber Iangbeftaudene geheime Verkehr (daz ruuen) zwilhen dem Kalſer und Sultan ein Ende naͤhme. Wie kann ohne offene Verathung mit den Baronen (ſo veritehe ich Aue höhen rät 158, 8) etwas Gutes daraus erwachſen?' fragt ex, gerade wie Gerold klagt dab Friedrich den Vertrag geſchloſſen nullius de terra -conßlio reqiifito (M. Paris 359) und Ihn nemiue da terra prefente (Rayn. 358) beſchworen, womit Stephan

uͤbereinſtimmt, foedus, quod inüt cum Soldano, nemo ſei- vit qua conditione iractatum fuit inter eos wifi ipfe folus, Es ift eine unbegreitliche Sache', ſetzt Freidank hinzu, ‘auch die Verſtaͤndigen wollen erit fehen ehe fie glaubew- Dortlicher aͤußert er ſich nicht, aber, wie es fcheint, ik eben

XLV

die Annaͤhernug zu ſarazeniſcher Lebensweiſe gemeint. Ste: phan fagt verummamen manifeflo videbatur, quod ınagis approbaret (fecımidun quod perpendi poterat per gelins exteriores, mit Gewisheit konnte man alfo nichts behanp⸗ ten) legeni Saracendrun :quam fidel noſiræ, quia in multis ritus eorun: fmitatns éſt. So weit gebt nicht ein⸗ mal Gerold. Er erzähle bloß der Sultan habe dem Kalfer: Tänzerinnen geſchickt, cum quibus princeps hujus mundi. vigiliis, potationihbus et indurhentis et omini mddo ſa- ‘racenico fe gerehat. Freldanf druͤckt noch In eitier Para: bei fein Bedenken uͤber das Verhältnis zwiſchen dem Kaiſer md Sultan aus (158, 14 21). "Wielfchlan und Halb: fehlen Hatten drei Mark, d. h. mas nicht gleiche Theilung zuläßt, mit einander zu theilen: Mielfchlaw verlangte ben beiten Theil, Halbſchlau wollte ihn nicht fahren Iaffen ;: ber Streit zwifchen beiden Ift noch nicht geſchlichtet!. Es Ift wahr, es lag etwas unnatärliches in dem nur durch die feltfamen Umitände erklärbaren Vertrage, der die entſchenans bloß zuruͤckſchob und vetrſteckto.

In den Aeußerungen uͤber den Bann des gatters er⸗ ſcheint Freidank als ein billiger, in ſeinem Urtheile unab⸗ haͤngiger Mann. Cr meint (158, 2. 33 der: Bann moͤge gerecht oder ungerecht feyn, man ſolle ibn nicht mit Ge⸗ rinsfchägung betrachten. Er ſelbſt haͤlt ihn für: ungerecht, indem er behauptet (157, 21) kein Bann gehe vor Gott weiter als Die Schuld des Menſchen. Bei der ſchwlerlgen Frage, wen in diefem Zwieſpalte zu gehören fen, eutſchel⸗ bet: er fih für den Aalfer (157, 23-188, 1). Gehorſam fen loͤblich, ſo lange der Meiſter, womit ohne Dweifel.der Pabſt gemeint iſr, recht thue: wolle der Meiſter aber je⸗ mand zwingen Gottes Gebot hintan zu ſetzen ind. unrecht

XI.VI

zn haudeln, fo ſoſſe man den Meiſter verlaſſen und dem beiſtehen, auf deſſen Seite das Recht ſey. Auch Walther (11, 6-17) war fruͤherhin (im J. 1212) in aͤhnlichem Falle um den Bann des Pabſtes unbekuͤmmert dem Kaiſer tren geblieben. Und gewiß war es fuͤr ergebene und an⸗ bängliche Diener, welche zumal die Lage der Dinge genauer fannten, eine zu fchwere Forderung mit Hintanſetzung eigener Veberzeugung ſich unbedingt den Ausſpruͤchen des Pabſtes zu fügen. Walther ſagt (11, 6—5) ‘Here Yabit, ale wir den Kaifer Herr nannten und vor ihm Enieten, da hörten wie Euch fprechen wer Dich fegnet, der fey geieguet, wer die fincht, fen mit dem haͤrteſten Fluch verfiucht I? Und dann macht er der Geiftlichleit den. Vorwurf (12, 30 18, 4), fonft habe fie geſagt Gott gibt. zum Könige wer er will, diefen: Ausſpruch wolle fie zweizuͤngig jetzt umkehren. Frei⸗ dank meint alſo, wie ſehr ſich Gregor bemuͤhe den Kniſer zu neitbigen von ſeinem Untermehmen: ahzuſtehen, ſo ˖ felle man dieſem doch Beiſtand leiſten, und des Pabſtes Befehle nicht achten. Noch beſtimmter druͤckt er ſeine Meinung aus, mit dem Baune wolle man die Bafreiung des heiligen Gra⸗ bes verhindern (157, 19% daer Bann ſev kraftloq, welcher aus Feindſchaft: geforochen werde, und dem Glauben Scha⸗ den bringe? 162, a 7P. Doch verſchweigt er den Wunſch nicht.» daß der, Kaiſer wieder in die Gemeinfchaft ber Kirche anfnenommen werde, ‘da er. der höchiten Korderung durch die Befreiung des Grohed Genüge gethan, fo folle man den Bann aufheben ; aber was ohne Beiftimmung des roͤmi⸗ {hen Hofes Gutes gefchehe, dem wolle. man feinen Beitand bei⸗ legen? (160, 18— 22). Ein, Gedicht Reinmars von Zweter (ME. 2, 1336), das vickeicht ganz ‚gleichzeitig iſt, und auf. den Krieg au zielen: fcheint ; womit des Pabſtes Schluͤſ⸗

xLVII

ſeltraͤger Neapel während ber Abweſenheit des Kaifers über: zogen hatten, enthält‘ ähnliche Mlienferungen: auch er ver- laugt daß man den Bann achte, mißtraut aber der Mein: beit der Gefinnung, die ihn: audgefprochen hatte: Fwer ban- nen wil unt baunen fol, der hüete daz fin ben iht ft

vieifchliches zorues vol: fwä vleilchlich zorn in bamnme

fiecket, mich dunket daz iht fi gotes bau. I[wes han mit gote ift .der wiebet wol alfam ein gefanter gotes bote. ſwer des banues niht envürhtet, der if niht eie, wiler mau. der under fiole fluochet fchiltet beunet, und under helme roubet unde brenuet, der wil. mit beiden [werten firtten, mac dız gefchehen in go- tes namen SÖ..darf fich faute Peter fcharken day er, des niht eupflac bi ſinen ‚ziten.

Freihdauk Hagt noch aber ben Bann, in welchen: ber. Par triarch Gerold die Kirche bed: Grabes und alle. andesanıheie ligen Stätten unmittelbar nach den Einzuge des Kaiſers in. Jeruſalem legen. ließ: Sott! und Kerr’, we ſoll man dich verehrten, da die Stadt, worin ba Marter erbulbeteit und begraben: wurdeſt, im Bunne liest! . Der Triumph: beis nes Glaubens ift vernichtet, den Suͤndern ihre Zuflucht. ge⸗ nommen! Wie foll man jetzt ſeiner Sünden iledig werben! Die Chriſten verzweifeln. Dieſer Bann verſpottet das Grab und die ganze Chriſtenheit: er ſtarkt die Ungldubigen? (162, 13— 25). 5 —8

Dunkel iſt eine andere Beſchuldigung, die nichtswurdigen find untroͤſtlich daß der Kaißſer fi nicht verkaufen laͤßt wie andere Heere, die ohne Widerſtaund zu Grunde giengen- Es. iſt ein großes Merbrechen dem, der Leute, ‚Leib und: Gut im Dienſte Gottes dranfept, hinterliſtigen Math zu ertheiten’ HH: 462, 3). Und noch heftiger, »ein Heer von-

XLvIII

hunderttauſenden iſt in Ackers von den ungetreuen ſchneller perkauft als anderwaͤris zehn Ochfen’ (157, 6— 8. Ich weiß nicht ob Freidauk damit auf dem Verrath ber Templer und Hoſpitaliter zielt oder allgemein auf die Treuloſigkeit der einheimiſgen, und ihre tuͤckiſchen Nathſchlaͤge, über welche eine andere Stelle klagt; oder endlich auf die falſchen Freunde, die nicht weniger als die oſſenbaren Feinde Chriſti der geſtifteten Zwletracht ſich freuten, wie ihnen die Rede, welcheder Kaiſer an den heiligen Grabe halten ließ, öffentlich vorwarf.

Auch’ über die Lage des Kaiſers nach geichloffenem :Frie- den kommen einige Aeußerungen vor, ‘tr bat nicht. bloß mit mißguͤnſtigen und widerftnebenden zu kaͤmpfon, ihm mangelt ab das nösbige Geld’ (158,27). Fteidank werzagt nicht, wird feine Macht recht erkannt, fo müflen ihn alle Reiche fuͤrchten?; aber er fiebt auch das Gefaͤhrliche ‚In Irledrichs Stellung ein, "fein Anfchen muß hier in Yaldıllua Arigen oder tief. berabfinlen’ (159, 25-4650, 1). WMasdet wc immer mit feinem kleinen Heere (Aue genuoger. luie:'tkt) unternimmt, bie einheimiſchen finnen nur auf fein. Werder⸗ ben (160, 2-5). Van feinem @atialufe ſchnel nach Si⸗ cilien zuruͤckzulehren muß er alſo nichts geahnt ſoudern geglaubt haben bes Kaiſer werde noch große Dinge in vu laͤſtina sallbringen. 2

Die Charalteriidrfe und ausgezeichnete Perfönlicteit or Kalfers Hat fihtbar Eindrud auf Freidank gemacht, wie überhaupt feine geiſtreiche und pvetifche Natur, verbunden mit fürfilicher Freigebigkeit, ihm die Zuneigung der Dich ter mag erworben. baben- Neinmar von Zweter weiß nicht LAbſpruͤche genug zu haͤufen (MBS..2, 1496), der triska- iher hort,.ein ankerhaft; der Beie, ein virgedeiG Af ‚jeglich. wort, ein wahter criftentuomes,, raswfcher, dran

XLIX

sruntvefie unt genuht, ein bilde houbethafter zucht, ein volliu kruft der finne, ein ſame ſældehernder fraht, ein zunge rehter urteilde, frides hant, ge- wifler worte ein munt, ein houbet dem nie mit deheine kröne vol machen kunde finer tugende ze löne, Doc zeigt eine andere Stelle (MS. 2, 1312) daß fein Urtheil unbeſtochen war. Er erfennt Klugheit und Ver: fhlagenheit des Kaffers an, walt hät ören, velt hät ge- fiht: ir höhen rimere rimet von dem richen keifer niht wan daz ir getürret gefprechen von dem keifer fiille und überlüt, ſtu ören heerent dur den walt, Sin ou- _ gen verrent über velt, fin huoteift manecvalt, fin mers. keu unt fin melden diu fint ouch [winder danne windes brät. kraıfches hals, ebers ören, firäzes ougen, diu driu getruoc nie keifer m& tougen hin gegen finer vinde läge, er hät der nagel grözen hort, fwaz man im löcher vor’ gebart, diu vüller er mit lancrzcher wäge. Hierauf ruͤhmt er feine Verdienſte um das Meich, daz riche was vil före fisch: [in fimme was vor klage tunkel, heifer unde riech: röt wären im diu ougen, diu ören toubs erſtummet was e3 ouch: den hover kunde niht ver- hen, und einen ungefüsgen kropf trug ez an finer keln: enmohte gen noch ritou, Uf allen vieren ez vil küme kroach unz im gefante got den keifer wilen, des wisheis ſulen alle wifen prifen; der hät die fiechheit underflanden. des riches dino vil ebene fät wan daz im noch flecket ein grät, er weiz wol wä, enzwifchen.. finen zanden (wahrſcheinlich Anſpielung ‚anf den Ban). Daun aber wendet er fi zu Gott, deffen Macht er preiſt, mit der Bitte widerstant von Stoufen Frideriche. Er fügt hinzu daz riche daſt deskeifersniht: erif fin pleger und iin ,

ar

L

voget, und räth den Fürften, wenn fie, feindlic gegen Fried: rich geitimmt, ihm die Krone nehmen wollten, ihre Mache nicht an bem Reiche auszulaffen Auch Nithart ruͤhmt Friedrichs Freigebigkeit (Ben. 430. vol. 432), fin miltiu hant unterwirft fich alle Reiche. Gleich den dentſchen erhe⸗ ben ihn provenzalifche Dichter (Diez Xeben der Troub. 568), cher mächtige Kaifer iſt fo vol Klugheit und Einſicht, daß wenn er mit feiner ganzen Macht beranzieht, keiner ſich rühren wird, der feinen Willen nicht thut?”. in anderer (Daf. 437. 438), ‘die zerriffene und mißhanbelte Ehre ift gerettet, die Freigebigleit von ihrer Krankheit geheilt. Und, “wohl gebührt ihm ber Name Friedrich, denn feine Worte find gätig, fein Thun ift erbaben.

Freidank redet von einem Bau zu Joppe (15%, 9— 16)- Damit iſt wahrfcheiulih die Mieberherfiellung der Feſtungs⸗ werte gemeint,i wozu ber abgefchlofiene Friede den Kaifer berechtigte; ſchon bei feinem Anzuge hatte er fie. einiger: maßen in Stand fegen laffen (Wilten Geſch. der Kreuzzuͤge 6, 474. 472). Allein Freidank macht dabei eine bittere Be⸗ merkfung, *der Bau ſchuͤtze gegen die Heiden aber nicht gegen die Chriften, die mit den Helden in Verbindung fänden, und auf die man ſich nicht verlaffen Eönne; gienge es ihnen nach, fo unterbliebe ber Bau für immer.

Ueberhaupt kann er feinen Abfchen vor Syrien, nament- ih vor Ackers, nicht lebhaft genug ausdräden (Cap. 46). ‘Untreue’, heißt es, iſt dem Lande angeboren, Uebermuth und Eigenfucht ruhen nicht: Aders verfchlingt Gold Silber Mob und Gewand, nichts entgeht. Gin Wunder, daß bie Schaͤtze noch Platz in den Haͤuſern haben uind nicht wieber berausdringen. Gleich bei der Ankunft wird’ jeder im Han: del und Wandel betrogen. Chriſten und Heiden leben da in

LI

einer Eintracht, die nichts mehr ſtoͤren kann. Alt und jung redet die heidniſche Sprache, ja ein Heide gilt mehr als zwei oder drei Chriſten'. Geradeſo wirft Walther (10, 9— 46) In heftigen Ausdruͤcken den Chriſten heimliche Gemeinfhaft mit den Heiden vor. ‘Fort mit .dir! fahr beim, woher du gekommen bit! mit diefem Zuruf begrüßen fie und. Kaͤmen noch dreißig Heere, es würde ihnen nicht beffer ergeben. In der Stadt herrfhen Seuchen: wer nicht gerne lange lebt, brauche nur nach Aders zu eilen: Speife, Luft, Leute und Land, alles feindet und Deutfche dort an. Da wird einem das Haus zu Theil, das nur ſieben Fuß lang ift, da iſt der Kirchhof ber befte Wirth, der jeglichen Gaſt aufnimmt. Der Tod ift dort fo einheimifh, daß wenn täglich taufende fiirben, man Feine lange Klage Hören wuͤrde: anderwärts beiammert man einen Efel mehr ale hier Hunderttaufende, Iſt einer todt, fo iſt die erfte Frage mo iſt fein Hab und Gut?’ Der mag von Glück fagen, der feine Hank, zuräcdhringe?. Es fcheint nicht, daß Freidank übertreibt: das gemifchte, zufammengelaufene Volk, bei dem jede Spur von Begeiſterung verſchwunden war, und Dad gewiß tief unter den Sarazenen fand, mochte nur noch von ben niedrigen Reidenfchaften ber Habfucht bewegt werden. Zu dem alten, noch nicht erlofchenen Zwieſpalt zwiſchen Waͤlſchen und Deutfchen, ben ſchon Gottfried von Bouillon zu befchwichtigen geſucht hatte, Fam noch die Anbänglickeit der Deutfhen an den Kaifer, die, wie dies Gerold and: drädlich dem Pabſte berichtet, allein ihrem Seren treu blie⸗ ben, mithin von den Gegnern ſchon deshalb ungerne ge: fehert wurden. ‘Wir find bad Gefpött der MWälfchen? ſagt

Freidank (163, 8) ausdrüdlic. Ark 2

LU

So unerträglih dem Dichter ber Aufenthalt in Ackeers, fo verderbt ihm die Gefi innung ber Shriften dort erfcheint, dennoch zweifelt er keinen Augenblid an der Verdienſtlich⸗ keit einer Fahrt nach Palaͤſtina. Ackers nennt er (162, 25. 26) Verderb des Leibes und Heil der Seele. Er fagt aber auch (154, 18 23) manchen hörte ih den Wunſch äußern, gelangte ich mur nach Aders und fähe das hehre Land, fo bin ih dann zu fterben bereit: jetzt erblide ich viele, die ah Crfüllung ihres Wunſches noch gerne le: ben, und ſich in ihre Heimath fehnen. |

Nicht bloß an diefer Stele, auch am andern (156, 16. 162, 26) redet Freidank als Augenzeuge. Nachdem Fried⸗ rich am 17. März feinen Cinzug in Serufalem gehalten, und mit der Krone, die er anf fein Haupt gefeßt, ſich ſelbſt fein Recht gegeben Hatte, verließ er ſchon am 19. Morgens in aller Fruͤhe die heilige Stadt, und eilte über Joppe fort nah Ackers, wo dr den 20. eintraf. Der Bann bes Pa: triarchen,, der allen Pilgern nach Serufalem zu kommen ver bot, und die unruhigen Auftritte, die dort fratt fanden, machten es wahrſcheinlich dem Dichter unmöglich ,- bei bem heiligen Grabe feine Andacht zu verrichten. Hieraus darf man fehließen daß er nicht zu der unmittelbaren Begleitung des Kaiſers gehörte, fondern wahrfcheinlih zum Kriegs: dienfte pflichtig in dem Heer ſich eingefunden hatte Ob er ein Ritter war, muß ich bier unentſchieden laffen , aber feine Lage: ſcheint nicht glänzend gewefen zu feun, da er fih in efnem“befondern Capitel heftig gegen bie Wucherer aͤußert; vielleicht‘ hat er ſich ald Dichter der Freigebigkett des. Kalfers erfreut, denn er ruͤhmt (Cap. 33). diefe fuͤrſt⸗ lihe Tugend und betrachtet fie als eine. Stube ‚bes Throne (87, 18: 19). Freidank fpricht fi bewtlich uͤbet ſeine Stim⸗

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mung in Palaͤſtina aus (159, 1— 6), koͤnnte ich das hei⸗ lige Grab ſehen, ſo gienge ih dann nach Ackers zuruͤch ſtaͤrkte mich mit guter Speiſe und naͤhme das erſte beſte Schiff, das mich heim fuͤhrte. Ein anderes Heer ſchickte ih, aber ich ſelbſt käme nicht zum zweitenmale. Wahr⸗ ſcheinlich fi felbft zum Trofte fagt er (163, 17-24) Für Suͤnden ift nichts beſſer als eine Kreuzfabrt über das Meer: wer auch felbft das heilige Grab nicht erblickt, dem wird vom Lohne deshalb nichts entzogen: wer mit rechter Ane dacht dad Kreuz herüber gebracht hat, der ift ber Sünden dig.

Es befremdet, daß der naͤchſten Ereigniffe, . der Abfahrt _ über Cypern nach Italien und der glüdlichen Ruͤckehr durchs aus keine Erwähnung geſchieht. Da in biefer Hinficht das Werk wie abgefehnitten erfcheint, fo ift, wenn der Dichter nicht etwa Abneigung fühlte etwas gefchloffenes wieder zu berüßren, mwahrfcheinlich daß er felbit einer Krankheit bald hernach erlag Wie Rudolph, vor ‚Hohenems, beffen Kunft su dee Seit, wo Freidank dichtete, erft anhub, von ihm ſpticht, weiß man nicht ob er von ejnem lebenden oder ge⸗ forbenen redet ; das leßtere aber iſt das wahrfcheinlichere.

3.. Der. Pabfl.

Sp unguͤnſtig Freidank überhaupt von den Paͤbſten fpricht, fo äußert er ſich doch über Gregor IX. ohne Parteilichkeit. Er ruͤhmt daß kein ungerechtes Urtheil von ihm ausgebe (153, 1—3), er ſpricht ihn frei von dem Boͤſen, das zu Rom gefhieht (154, 8—17), weldes zu verhindern nicht in feiner Macht ſtehe, wie er ihn für unſchuldig an fo

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manchem Vetruge erklärt (154, 6. 7). Er erkennt ihn für den Irdifhen Gott (151, 23): ohne Sünde fey wer nach feinem Gebote lebe. Gleichwohl nimmt er Echranfen der päbitlihen Macht an. “Wie groß die Gewalt des Pabites ift’, heißt es, “als Menſch Iebt er menfchlih und Tann ein Vorbild des Guten wie bes Böfen feyn. Wer behauptet der Pabſt könne nicht fündigen, ber luͤgt; wie mächtig er ift, er unterliegt doch der Sünde’ (149, 17— 26). Allein diefer allgemeine Sap genügt dem Dichter nit. Er er⸗ mahnt ihn Fluh und Segen nah Gerechtigkeit auszuthei⸗ len, fein Schwert ſchneide deſto ſchaͤrfer, wenn er die Streiche niht aus Haß führe (152, 8-11); womit er ohne Zwei⸗ fel auf den Bann des Kaifers zielt. Die Stelle über den Ablaß (149, 277—150, 13) beweiſt wie dieſer Gegenftand ſchon damals die Gemüther bewegte, mie forgfältig er er⸗ wogen wurde. Mancher', fagt Freldank, ‘geht nah Rom, der anf dem Hinmwege wie auf dem Heimwege dad Ränder: Bandwerk treibt, und dann verfündigt der Pabſt habe ihm ale Sünden vergeben, und Ihn wegen des Schadens, den er jemand zugefügt, frei gefprochen, Der Pabit kann nur Buße annehmen und das Gewiſſen des Reuigen erleichtern, aber ohne Nüdgabe ober Erfaß des ungerecht erworbenen Gutes iſt aller Ablaß umſonſt'. Dagegen auch umgekehrt (37, 22 25), "was immer jemand gutes thut während eine Todſuͤnde auf Ihm Iaftet, ftirbt er ohne Reue, fo iſt alles umſonſt'. Die vollkommene Reue aber genügt bei dem ſchwerſten Verbrechen, “hätte einer Lente und dreißig Lande verbrannt, empfindet er wahre Neue, fo hat der Pabſt wohl Gewalt ihm alle Buße zu erlaffen’ (151, 15 20). @in anderer Sa, ‘Gott allein kann Sünde vergeben’ (150, 20. 3), d. h. er ertheilt Vergebung, wie es ihm

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gefält, nad feiner Gnade und Barmherzigkeit, ſteht da: mit in Beinem Widerſpruch. Der Pabit nimmt auch nur bie Buße ded Reuigen an, Gott ift es allein, ber die Sünde auslöfcht?, oder, wie es an einer andern Stelle (38, A) heißt, Gott macht daß die guten Handlungen, bie welt und duͤrr geworden waren, wieder frifh grünen und glei dem Man⸗ delbaum blühen, daß die Sünde wie ein Traum vor ihm wird.’ Mit bitterer Ironie empfiehlt er (109, 6. 73 dem, der einen andern im naͤchſten Jahre zu ermorden denkt, ſchon in dem gegenmärkigen Ablaß zu fuchen. Wie wenig ein gebrechlicher, fündiger Menfch, ein Thor, dem andern Sünde erlafen Eönne, das drüdt ein kräftiges Gleichnis aus (150, 22. 23). Ebenſo menig hat der Pabit Macht Verpflichtungen gegen andere zu loͤſen. ‘Könnte mich’, fagt Freidank (151, 3—12), ‘der Pabſt frei machen, wenn ic eine Schuld entrichten muß, fo würde Ich mich nach nie: mand umſehen, der für mich gut fagte, fondern bloß bei ihm Huͤlfe fuhen? Kühn fest er hinzu koͤnnte ber Pabſt Sünden ohne Neue vergeben, fo follte man ihn fteinigen, wenn er einen einzigen Menfchen in die Hölle fahren ließe’.

Nah zwei Dingen, meint der Dichter, ſolle der Pabit nicht fireben, nach weltlicher Herrfchaft und nad Reichthum. Man fieht wie alt diefe Forderungen find, deren halbe, ein- feitige Wahrheit die Bedingungen irdifher Verhaͤltniſſe nicht beachtet. Freidank, wie heftig er anderwärts gegen bie Keper eifert, bat felbft ohne ed zu willen durch jene Aeu⸗ Berung eine ihrer Kehren angenonmmen, falls er nicht bloß die allerdings unwuͤrdige Habfucht des römifchen Hofes. meint. Gegen den Meihthum führt er (aus ber Apoſtelgeſchichte Kap. 3) das Beifplel des heil. Petrus an (149, 5 14), der zu dem Bettler fprach Gold und Gilber habe ih nicht,

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was ich aber habe, das gebe ich dir: ſteh auf und ſey ge⸗ fund!’ Ferner (452, 16. 21), St. Peters Netz, womit er Fiſche fieng, kam nicht nach Rom, und wird dort auch gering geachtet: roͤmiſche Nepe fangen heutzutage Silber und Gold, Burgen und Land; davon mußte der Apoftel nichts. Gt. Peter erhielt von Gott den Befehl feiner "Schafe zu pflegen, nicht aber fie zu fcheren? Alle Schaͤtze', beißt es in einer andern Stelle (148, 4— 7), “fließen nach Nom, von wo fie nicht wieder zuruͤck kehren, und doch wird biefer heilofe Abgrund: niemals von? Cine Klage, bie auch Kaiſer Friedrich II In dem Schreiben nah dem Banne (Matth. Paris 3. 1229) erhoben hatte, und die ſich mit ähnlichen Ausdräden "fhon bei dem Abt von Urfperg (J. 4198) findet, gaude, mater nofira Roma, quoniam ape- riuntur cataractz thefaurorum in terra, ut ad te con- fluant rivi et aggeres nummorum in magna copia. Und nod früher, im 3. 1157, hatte Friedrich I zuͤrnend gefchrie- ben Roms, ubi nummus imperat et regnat. (Hontheim bhiſt. Trev. 1, 582). Meinmar von Sweter fagt von dem Schwerte Gregors IX (ME. 2, 1312) [wä fin daz riche hie bedarf, man enwetzez mit dem golde, anders wirt e3 niemer [charf, und klagt daß der Pabſt nach Schäßen firebe, während Petrus nur nach Seelen geftrebt habe. In einer andern Stelle (MS. 2, 1436), “Gott in Menſchen⸗ Geſtalt Habe drei und dreißig Jahre in Armut auf Erden gewandelt ald Vorbild für alle: er wiſſe nicht ob die Paͤbſte bavon ausgenommen feyen, die, was fie auch thäten, rein blieben, und Gold Silber Leute Burgen und Land be- faͤßen ohne mit Sünde behaftet zu fepw. Aehnliche Vor- wuͤrfe macht Marner ME. 2, 1709).

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4. Die zwei Schwerter.

Die geiftliche Herrfchaft des Pabſtes und die weltliche des Kaiſers bezeichnet Freidank mit zwei Schwertern (152, 12. 13), Das Schwert, das Könige und Fürften ſich vortra- gen ließen, ift das natürliche Symbol der Gewalt, aber das Gleichnis bezieht ſich zugleich auf eine Erzählung in der Lei: densgefchichte (Luc. 22, 36. 38). Chriſtus befiehlt feinen Juͤngern ein Schwert zu Eaufen, und als fie zwei bringen, fagt er “das iſt genug’ Wer folte glauben daß biefe einfachen Worte, in welchen kein unbefangener Sinn eine verborgene Beziehung vermuthen wird, Jahrhunderte bin: durch den beiden höchften Gewalten der Welt bei dem Kampfe um die Herrfchaft dienen mußten ihre Anſpruͤche zu bezeich- nen, indem jede eine andere Auslegung geltend zu machen ſuchte? Sinnbildlich hat fie ſchon Bernhard von Clairvaur verfianden, und die beiden Schwerter auf ein geiftlihes und ein ‚leibliches, auf dad Wort und das Eiſen gebentet. Beide legt er dem Pabſte bei, der das leiblihe Schwert durch den Arm des Kaifers und feines Heeres führe; allein et bezeichnet noch nicht damit die doppelte Herrſchaft der Belt. Mehrmals kommt Bernhard auf diefe Idee zuruͤck. Er fchreibt im 3. 1146 an den Pabft Engenius (ep. 256) exferendus efi nunc uterque gladius in paffione domini, Christo denuo patiente ubi (nämlich zu Jeruſalem) et al- tera vice pallus efi. per quem autem nili per vos? Pe- tri uterque eft, alter ſuo nutu, alter fua manu, quoties necelle evaginandus. et quidem de quo minus vide- batur de ipfo ad. Petrum dictum ef 'converte gladium mum in vagiuam.’ ergo fuus erat ei ille, fed ngu ſua

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manu utique educendus. Und noch ausfuͤhrlicher (de con- fideratione 4, 3.), draoones, :nquis, mo mones pafcere et fcorpiones, non oves, propter hoc, inquam, magis aggredere eos, fed verbo non ferro. quid tu denuo ufurpare gladium tentes, quenı Semel juſſus es reponere jan vaginum? quem tamen qui tuum negat non fatis wihi videtur attendere verbum domiui dicentis fic *con- verte gladium tuum in vaginam.’ tuus ergo et ipfe, for- fitan nutu tuo etfi non tua manu evaginandus. alioquin fi nullo modo ad te pertineret et is, dicentibus aposto- lis *ecce gladii duo hic’, non refpondillet dominus ſa- tis elt’, fed ‘nimis’ uterque ergo ecclefiz, fed is quidem pro ecclefia, ille vero et ab ecclefia exferen- dus: ille facerdotis, is militis manu [ed fane ad nutum facerdotis et juflum imperatoris. Endlich (exhortatio ad milites templi c. 3.), exferatur gladius uterque fidelium in cervices inimicorum. Mit Bernhard fcheint fein Seit- genoſſe Johannes Salisb. (in Polycratici lib, 4. c. 3.) übers einzuftimmen, hunc ergo gladium de manu ecclefiz accipit princeps, cum ipfa tamen gladium fanguinis non habeat. habet tamen et ifium, [ed eo utitur per principis manum. Kaifer Friedrich I. dagegen, der feit baran hielt, daß er feine Krone Gott allein, nicht dem Pabſte zu verdanken babe (Brief vom $. 1167 bei Hontheim hist. Trev. 1,581. 582.), verfteht unter beiden Schwertern bie Gewalt des Pabites und des Kalfers, die einem jeden von Gott verliehen ſep, quod in paffione fua Chriftus duobus gladiis contentus fuit, . hoc in romana ecclefla et in iınperio credimus mirabili providentia declaralle cum per hæo dup rerum capita et principia totus mundus tam in divinis quam humanis ordi- netur (Brief vom J. 1160. Radevic. bei Urfis. 2, 541 und

LIX mit ähnlichen Worten in einem andern vom I. 1157 p- 488). Kaiſer Otto behauptete gegen Innocenz im 3.1209 ein gleiches Hecht (Raumer Hohenft. 3,163). Beide Gewalten werben mim auch von den Anhängern des Syſtems der paͤbſtlichen Ober⸗ herrfchaft unter den beiden Schwertern verftanden, fie ertheilen fie aber, da (nach Joh. 18, 10) Petrus’ ed war, der dad Schwert zog, mit Bernhard übereinftiimmend, beide dem Pabite als dem Nachfolger des Apoſtels, und nehmen an das. weltliche Echwert verleihe der Pabſt erft dem Kaiſer. Beiſpiel iſt der Franciskaner Berthold (11), daz Ienin [wert des werltli- chen feften gerihtes, daz fol der bäbeft dem keiler u- hen, Daneben erhielt fich die frühere Anſicht, für welche fih au Freidank C152, 12 15) beutlih ausſpricht, “zwei Schwerter in einer Scheide, das taugt nicht: ſtrebt der Pabſt nach weltlicher Herrfchaft, fo gehen beide Gewalten zu Grunde. Walther denkt nicht anders wenn er der Geiftlichfeit vorbält (11, 28.29.) gotes fun riet den unwilen daz fi den kei- fer liegen haben fin küneges reht, und got [waz gotes wre. Reinmar von Sweter zeigt fchon gleiche Anſicht wenn er (MS. 2, 131%) fagt des vater Swert und ‘des [uns (Raiferd) diu enhellent niht geltche. Und, daz felbe [wert truoc wilent der gräwe fante Peter baz. Allein er laͤt ſich noch befonders darüber im zwel zueinander gehoͤ⸗ rigen Strophen aus (ME. 2, 181. 1522), ein meifier der hät uns gellagen zwei [wert, diu zwene klinge wol mit dren möhten tragen, gemachet volleclich von höher kun: und fint wol vollekomen geliche lanc, geliche breit, ze tröfße und ouch ze helfe der vil edelen kri- fenheit. fi fint unfchedelich unt mugen den getriuwen wol gefromen. fiole unt ſwert fint fi geneunet beide: fi bedurfen niht wan einer fcheide. an in fich niemau

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mnc verfniden wan der- lebet [under vorht, er iſt liſtic der fi hät geworht, ir beider (lege mac mau vil gerne miden. daz eine daz geharet an dem babeſt, der mit dem buoche fdre twingen kau: mit im und mit banne fol er vafte dröwen zaller zit. daz ander [ol ein keiler nemen, Wenn Meinmar in fcheinbarem Wider: ſpruch mit Freidank fagt beide Schwerter bedürften nur ei: ner Scheide, fo meint er nichts andere als daß zwifchen beiden kein Streit feyn folte; in einer andern ſchon vorhin angeführten Stelle wirft er dem Pabſt ausdruͤcklich vor er wolle mit zwei Schwertern fampfen. Auch der Sachſenſpie⸗ gel theilt in der befannten, glei Eingangs ftehenden Stelle ein Schwert dem Kaifer, dad andere dem Pabfte zu, ohne jenen unterzuorduen. Dagegen ftellt der Schwabenſpiegel bie paͤbſtliche Anſicht auf. Die Gloſſe des Sachſenſpiegels aber vertheidigt wieder die Meinung von gleicher Gewalt, und nimmt deshalb an daß Chriſtus nicht beide Schwerter dem Apoſtel Petrus, ſondern nur das eine, dagegen das an= dere weltliche dem Apoftel Johannes gegeben habe; und mit Necht beftreitet Homepyer (Berlin. Jahrb. 1830. 1, 454, 55.) Eichhorns in der Recqhttsgeſchichte $. 286 dargelegte Anſicht. Hugo von Trimberg theilt gleichfalls die zwei Schwerter den beiden Apofteln zu, und ſieht, wie Bernhard, in dem einen das leiblihe, in dem andern das geiftige, den Bannſtrahl. (Sant Peter ſluog abe einem fchalke ein öre, der war geheizen Malche; daz [wert geheret die rihter an. fant Johannes [wert bediutet den ban. Üenner 37b; vgl. Liederſ. 2, 545). Friedrich II. mochte zur Zeit des Bau⸗ ‚nes mehr als je geneigt ſeyn die, dltere Anſicht wieder gel- tend zu machen.

. Die beiden Schwerter wurden aber früher noch auf eine

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andere, eigenthämlihe Weite zu Gunften ber Kirche ge: deutet. Kaifer Heinrich I weigerte ſich nach feiner Krönung (im J. 919) die kirchliche Weihe zu empfangen, weil er, wie der vorgab, fich dazu nicht würdig fühlte; das berichtet Diet- „mar von Merfeburg (p-7. ed. Wagner). In diefer Zeit er: fhien dem heil. Ulrich, Bifchofe zu Augsburg, auf dem Lech⸗ felde der Apoftel Petrus in einer großen Verfammlung der Heiligen. Das folgende will ich and einem noch ungebruds ten Gedichte von dem heil. Ulrich, deſſen Verfaſſer Albertns, wahrfheinlich ein Geiftlicher, gegen das Ende des zwoͤlften Jahrhunderts dichtete, und mit der Erzaͤhlung der acta fanetorum (unter dem 4. Juli) uͤbereiuſtimmt, anführen, Bl. 47. zwei [wert wurden hiu fure bräht, der ei- ne3 decheine helzen hät, -vond. fente Päter reden began mit fente UÜolriche dem reinen man, er fprach ‘lage dem künige Heinriohe, diu [wert fint bezeichen- liche: daz du äne die helzen .fihil bezeichnet _ den,' der niht gewihet iſt: mit der helzen daz [wer den,. (der) von der wihe des riches ift wert.’ Diefe Auslegung iſt fcharffinnig weil Ger Griff (diu heize) des Schwerts die Geſtalt des Kreuzes hatte, mithin geſagt it daB durch die kirchliche Weihe den Kalfer erft die Macht gegeben werde das Schwert zu führen, Dietmar, ber eben falls die Bifion Ulrichs berührt, meint Heinrich habe durch feine Meigerung eine Suͤnde auf fich geladen. Otto von Freiſin⸗ gen hat die geiſtliche Sage anders angedentet. Indem ee naͤmlich von Heinrichs. Gegner. Arnulf' von Yalern fpricht, fügt er (6,18) Hinzu is dum primo regnäre. ineliretur, beato Udalrico,: Auguſtenſi opiſcopo duo gladä, quo- run alter capulo oarebat, in vilu moufirati ſunt, audi. vitque cum capulo regem Henricunt, Aruiolfum autem

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gladium fine capulo, tanquam fine capite et jufiitia effe. Diefe Aenderung, deren Abiichtlichfeit mir nicht zweifelhaft Teint, würde von einem Geiftliden auffallend ſeyn, wenn er nicht zugleih Bruder eines Kaiſers und Gefchichtfchreiber Barbatoffad gemefen wäre. Das chronicon urfperg. (p- 151. Argent. 1609) bilft fi durch Kürze: ohne weitere Ausle⸗ gung wird des einen Schwertes, dem ber Griff fehlte, ge: dacht, und diefes auf Arnulf bezogen, der nach ber Krone ge: trachtet habe: von einem zweiten Schwert iſt gar keine Rebe.

Freidank bemerkt die auffallende doch nicht umerklärliche Erfheinung, daß die Gewalt des Pabſtes nur in ber Ferne fih wirkfam zeigte, in feiner Nähe aber verfchwand (151, 23—152, 1. Vgl. 148, 14.15): "ber Pabit, ein irdifcher Gott, wird von ben Römern verlaht; zu Rom fit fein Anſehn ſchwach, auswärts beginnt erft feine Macht; oft it fein Hof dde, wenn nicht Thoren aus andern Ländern kommen und ihn füllen.

5. Rom.

Leber Nom und ben römifhen Sof, ben Freidank wohl von dem Pabite zu unterfcheiden weiß, wird obne Schonung ein hartes Urtheil gefaͤlt. Wie fchon Kaiſer Friedrich J (Honthein: 1, 582) gefagt hatte domus Petri facta eſt fpelunca latronum. et habitatio demonum, fo ruft Frei⸗ dank aus ‘Lug und Trug fichen zu Rem oben an (167, 4- 5. 152, 4.5), Ungerechtigkeit trägt das Haupt hoch, Ge: techtigteit liegt banieder (152, 26; 7); taufende werben dort um die Seele unb ihre Gut betrogen (154, 8—12); Bann iſt mohlfeil, falſche ide erhält man zu geringem Preife (148, 19 241). Zu Rom gilt Beſtechung (153, 6): bors iſt der Sitz alles Rechtes, aber au ber Sie alles

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Betrugs. Unfriede und Verwirrung, das iſt der einzige Wunſch des Hofes. Erhaͤlt er nur die Wolle, fo iſt ihm einerlei wer die Schafe fhert (133, 7—12). Wenn alles Krumme. gerad wird, dann wird man Gerechtigkeit zu Rom finden (152, 2.3). Die Heiligen fol man dort fuchen, gute Vorbilder anderswo' (152, 6.7). Diefe Vorwürfe beziehen fih nur auf den römifhen Hof, von der übrigen Geiſtlich⸗ Feit redet Freidank gut (153, 25 154, 1), “Weiber und Dfaffen führen dort ein ehrbares Leben, und ihre Sitten find beifer als fonft irgendwo.’ Reinmar von Zweter iſt nicht guͤn⸗ figer gegen die Römer geftimmt MS. 2, 1312), die engel fint noch engelkint, und bi hezzie nidie höchge- müetic fint, wie kuuden fi näch gotes dren einen reh- ten bäblt erweln? Romzre fiut niht heilig garı all® fint die cardinäle, ob ichz gefprechen tar, Swen fi un- heiligen erwelut, den wellent fi vür heiligen zelu. un- rehte weler welut vil dicke unrehte: die gotes erwel- ten die fint fine knehte. [wer gotes erwelter bäbeft wzre näch dein orden Melchifedech, dem er kröne unt kelch verldch, der wer uns wol ze Röme vaterbzre. Auf aͤhnliche Weiſe wie Freidank, nur noch bitterer, druͤckt ſich Guillem Figueira, ein gleichzeltiger Troubadour und Au⸗ haͤnger des Kaiſers, aus (Diez Leben und Werke der Troub. 564 6), ‘Rom, alles Voͤſen Leitſtrom, Gipfel und Wur⸗ zel. Du haſt das Anſehn des Lammes, ſo unſchuldig iſt deine Miene, im innern aber biſt du ein reißender Wolf, eine gekroͤnte Schlange, von einer Viper gezeugt, daher gruͤßt dich der Teufel als feinen Bufenfreund Und mit : den Worten des deutichen Dichters, Habſucht berüdt dich fo daß du deinen Schafen nur zu ſehr die Wolle ſcherſt. Ueberhaupt fdeint bei den provenzalifhen Dichtern dieſe

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Stimmung geherrſcht zu baden (Diez Poefie der Troub. 170. 185.).

Freidank ſpricht in alem, was Rom betrifft, als Augen⸗ zeuge. Wahrſcheinlich hat er auf dem Wege nach Gieilfen, wo der Kaiſer ſich einſchiffte, in der alten Hauptſtadt der Melt eine Zeitlang verweilt. Er ſagt Ausdrädlih (154, 2 5) was ſchlecht iſt zu Rom, das lobe ich nicht, aber ich will auch rühmen, was ich da Gntes gefehen habe. Wer das Wefen der Römer in der Nähe fieht, der wird in fei- nem Glauben nicht geftärkt (148, 12.13). Alte Baumerke regen in Ihm bie Erinnerung an die Vorzeit auf, ‘wo find fie nun?, ruft er aud (148, 22 149, 4), *die vormals über Rom herrſchten? in ihren Paldften wählt Gras. Mom, das fonft mit feiner Macht die ganze Welt bezwang, ift jest zur Knechtſchaft erniedrigt.

6. Deutfchland.

Bon dem fittlihen Buftande ber Gegenwart entwirft Freidank ein trübes Bild (a6, 5— 20). 3Zwiſchen Vater und Kind keine Treue, Bruder fieht gegen Bruder, Ber wandte haſſen einander, niemand ſchaͤmt fih der Sünde, wie oft einer bie Treue bricht, es bleibt ungerochen, Raub und Brand kommen nicht vor Gericht, Kalfer und König fürchtet man nicht, Acht und Bann werden von Thorem verlaht. Die Ehre Noms finft, der Unglaube fleigt: bie Zeit des Fluchs wird bald einbrechen. Das herabgewuͤrdigte Rom ſetzt er noch über Deutſchland (153, 19 —22), "läge Nom Im deutfhen Reiche, die Ehriftenheit wuͤrde zu Schan⸗ den; mancher klagt über das, was Ihm dort gefchieht, Hier

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naͤhme man Ihm den letzten Heller’ Als Anhänger Fried⸗ richs dußert er fih gegen die Neichsfürften ohne Ruͤckhalt und in harten Ausdruͤcken (Cap. 31), beklagt ihre Aufleh⸗ nung gegen ben Kaifer, und fieht in dieſem Swiefpalt ben Grund zu dem Untergange des Reihe. “Lug und Trug geht mit ihnen an des Reiches Nath (165, 23. 24). Uebermuͤ⸗ thig ftelen fie ſich dem Kaifer zur Seite, und vernichten das mit die Chre des Reihe (73, 7. 8. Die heftigen Worte, womit er ihnen vorhält daß nur Gewalt fie zur Thätigkeit treibe, mögen fich auf den geringen Beiltand beziehen, den fie dem Kaiſer bei dem Kreuzzuge leifteten. Ebenſo ruͤgt Meinmar von Iweter (MS. 2, 1506) die Verdroffenheit mit der fie bei gefahrvollen Stellen dem Rufe ſdes Steuermanng zu gehorchen, und die Ruder zur Hand zu nehmen ſich weigerten. Bedenklich erfcheinen unferm Dichter die wachſen⸗ den Eingriffe in das Privatleben durch Zoͤlle, Münze, Ge: richte: ‘glenge ed an, fo würde, was allen gemein iſt, Luft, Sonnenfhein, Regen und Wind unter Aufficht geftelt und nur gegen Hohe Abgaben bargereiht? (75, 25 —76, 12): Cr klagt daß Wahrheit nicht mehr zum Wort gelange, ver: fändiger Rath nicht mehr verlangt werde; mancher Habe es dahin gebracht, daß feines Knechtes Knecht fein Herr geworden ſey.

7. Ketzer. Guben.

Der innere Verfall der Kirche im dreisehnten Jahrhun⸗ dert mußte die Keger, die fchon Jahrhunderte in Heimlich⸗ feit beftanden hatten, veranlafen beftimmter hervor zu tre= ten; wie bedenklich diefe Erſcheinung war, ſah nicht bloß

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der Pabſt, auch der Kaiſer ein, das beweiſen die uͤberſtren⸗ gen Geſetze, die Friedrich IT. ſchon im Jahr 1220 gegeben hatte, und die graufamen Verfolgungen, die elf Sabre her⸗ nach anhuben (Raumers Hohenftaufen 3, 350. 679 83). Es ift ſchwer, ein allgemeined und durchgreifendes Urtheil über dieſe Secten zu fällen, da mir ihre Anfichten faft nur durch die Webertreibungen der Gegner entjtelt oder durch Vermiſchung getrübt Fennen: allein wie verdammlich auch ein Theil ihrer, in einzelnen bis zum Wahnſinn gefteiger: ten Lehren gewefen feyn mag, und obgleich fie den Nach: theil, den ber Abfall von dem beftehenden immer mit ſich führt, nicht abwenden konnten, fo verdient doch Das Bes fireben der Beſſern unter ihnen, namentlich dee Waldenfer, dem Verderbnig der Geijtlichkeit entgegen zu wirken, und bie Kirche zu ihrer urfpränglihen Neinheit und apoftolifchen Einfalt zuruͤckzufuͤhren, ebenfo wie ihr frommer ftiller Les benswandel, volle Anerfennung. Die gewöhnliche Anſicht rechtglaubiger Chriiten von ihnen lernt man am beften aus den Predigten des etwas fpatern Franciscaners Berthold fennen (vgl. Wiener Jahrb. 1825. Bd. 33, 211— 18). Kein Ausdruck war ihren Gegnern hart genug: den fonit mildgejinnten Tomaſſin empört der Hohn nit, mit dem er (m. Salt 1942) erzählt, der Herzog von Deftreich laſſe die Ketzer fieden und braten, damit fi der Teufel nicht - die Zähne daran zerbreche. Freidank konnte fie nicht mit Stillſchweigen übergehen, er halt ihnen (Cap. 6), zwar mit Vebertreibung aber aud gewiß mit Grund, Uneinigfeit und - Spaltungen unter fi vor, wie groß ihre Anzahl, ſo ſtehe doch Feiner dem andern bei, Feiner jtimme in feinem Glau⸗ ben mit dem andern uͤberein. Diefen Umſtand zwar be= trachtet er als ein Gluͤck, ‘wären fie einig’, jagt er, ‘fie zwaͤn⸗

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gen alle Reiche.” Immer aber fcheint ihm diekRage der Dinge ſchwierig, “die Chriſten, Eeherlicher Lehre geneigt, fchmanfen . m ihrem Glauben; man follte den Krieg gegen bie Heiden aufgeben, und zuvor diefe Sache fchlichten, dann koͤnnte man auch jene in Ordnung bringen.’ Er fügt Hinzu «wenn ih es ohne Sünde fagen darf, fie verdienen es nicht, daß Chriſtus ihrentwillen die Marter duldete. Wie jetzt die Chris ftenheit lebt, fo wird, wenn die Schrift wahr fpricht, der zehnte nicht gerettet: find Keger, Juden und Heiden vom Himmel ausgeſchloſſen, To hat der Teufel die größere Schaar.’ Ein befonderer Anitoß lag in der Heimlichkeit, womit die Ketzer fih umgaben. “Chrifti Lehre fol öffentlih und am hellen Tage befannt werden, die Ketzer aber treiben ihr Mefen im Dunkeln und in der Finfternis; daran mag man fie erfennen.? Mit der ihm eigenen Gewandheit brüdt Ber⸗ thold denfelben Gedanken aus ©. 119. 120. der ketzer gloube finket unt [chinet niuwau in der vinfternifle ein wenic als ein fAlez holz, daz niemer gefchinet wan an der vin- fterniffe in den winkeln. ze glicher wife if ez umbe den ketzer glouben, als man den ze liehte treit, f& fchtnet er niht, wan erilt fül als daz füle holz: fd man daz ze liehte treit, ſo fiinket ez und iſt eht fül. du unfzliger ketzer, mahtu den glouben dä-her ze mir an daz lieht tragen? ©. 270- und dar umbe fol mau fich vor im hüeten, er vil heimelichen get ze iu, unde fprichet, er welle iuch guot dinc ldren heime- liche in einem winkel, und des er iuch offenliche ge- lören entar. _ Reinmar von Zweier (MS, 2, 145°) vera gleicht fie Dieben, die mit falfcher Lehre Herbeifchleihen, und den wahren Glauben aus ben Herzen guter Chriſten hinweg: ſtehlen. Indeſſen war diefe Werborgenheit durch ihre Stel:

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lung geboten, und gerade in ihren heimlichen Berfammlungen und ben damit verknüpften Feierlichkeiten lag nah der Schil⸗ derung der ZBeitgenoffen etwas rührendes und ergreifendes (Neander HI. Bernhard 240). Bon Ihren Lehrfägen führt Freidank nur zwei an. Erſtlich, fie verwerfen die Gnadenwahl. So verſtehe ih nämlich die Worte (25, 22 —24) “Die Ketzer koͤnnen ſich nicht vorftelen daß Gott mit feinem Gefchöpfe verfahre wie ihm gut dünfe> Freidauk erwiedert “Tann doch der Menſch aus Aſche Glas machen, und Ihm nad Wohlge- fallen eine Geſtalt geben? Zweitens, fie glauben an Feine Auferftehung. Freidank wendet ein "daß Gott den Menſchen gefchaffen hat, ift ein größeres Wunder als daß er wieder auferficht.?

Andy des Unglaubens der-Iuden gefchleht Erwähnung (Cap. 5). Um ihnen das Wunder der Geburt Chriftt durch eine Jungfrau begreiflich zu machen führt Sreidant die herkoͤmm⸗ lien, naiven, aus der phyfiihen Natur entnommenen Gleichniſſe (ſ. Einl. zur gold. Schmiede 197, 198) an, von dem Manbelbaum, der Blüthen und Nuͤſſe traͤgt ohne ver- legt zu werden; von der Sonne, bie durch dad Glas ſcheint ohne es zu zerftören. Auf ähnliche Weiſe von der Dreleinig- keit, “drei Dinge, an fi ohne Empfindung, gehören zu der Harfe, Holz, Saite, Klang; die Sonne hat Feuer und Licht, und iſt doch nur eine Sonne’ Aber er felbft ftaunt dabei bemüthig ein Wunder an, das nur durch die Allmacht Gottes begriffen wird, und fordert die Inden zur Anerkenntnis def- felben auf durch den Ausſpruch, den Chriftus an fie ſelbſt gerichtet hatte, Gott und dem Kaifer zu geben, jedem was ihm gebühre,

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8. Theologiſches.

Theologifche Betrachtungen werben In den erften zehn Ca⸗ piteln und nochmals am Schluffe Cap. 49 53 vorgeftagen. Sie beziehen fih auf die Cigenfchaften Gottes, die Ord⸗ nung der Geifter, den Urfprung des Böfen, die Gnaben- wahl, die Erlöfung durch Chriftus, die Sünde, Neue und Vergebung ber Sünde, den Teufel und die Hölle, den An: tichtiſt, Tod und Auferſtehung; ein Gapitel Ift der Meſſe, ein anderes der Sungfrau Maria gewidmet. Was Freidank bier mittheilt enthält ohne Zweifel den damals unter ben Laien verbreiteten religiöfen Glauben, die kirchliche Lehre, wie fie dem Molke dargereicht ward, weshalb ſich auch in Inhalt und Darftelung große Mebereinftimmung mit Ber: thold zeigt. Selbſt die Neigung zu bildlihem Ausdrucke iſt beiden gemein, und ihrem Zweck angemeflen, nur daß Ber⸗ thold fih mehr zu dem gemeinen Volke, das unter feinen Zuhörern ſtand, herabläßt, Freidank aber als hoͤfiſcher Dich ter fpricht. Sch hebe heraus was vorzüglich dient des Dich: ters Eigenthümlichkeit zu bezeichnen. Zuerſt der Satz got if elliu dine al eine (24, 22. 23), den doch Freidanf gewiß nicht in dem Sinne eines Pantheiften verfieht: er wil fagen daß in Gott alle Dinge begriffen feven. Uner⸗ gründlich find Die Kräfte des Erfchaffenen, mas wir davon wien, ift Wahn (4, 8 19); dennoch find alle Wunder am Himmel und auf Erden nichts gegen die erfte Kraft, die bei der Erſchaffung wirkte (8, 20 9, 4). Gott Eennt die Zukunft wie die Vergangenheit (5, 25. 26); Berthold jagt (298. 325) *ald Gott den erſten Menſchen erfhuf, ſah er dem legten ſchon in die Augen’ Vor ihm bleibt nichts verborgen, ex blickt durch aller Herzen Thor und

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was in der Finſternis geſchieht bringt er wie die heimlich⸗ ſten Gedanken des Herzens an den Tag (2, 6— 11. 3, 15). Seine Allgegenwart wird in dem kuͤhnen Ausſpruche geſchil⸗ dert (11, 15 20 ‘Himmel und Erde iſt von der Gott⸗ heit erfuͤllt, vom Himmel bis zur Hoͤlle erſtreckt ſich ſein Reich: die Hoͤlle ſelbſt wuͤrde leer ſtehen, wenn Gott nicht darin wäre? Nur zwei Dinge gibt es, die der Menſch zu feinem Unglück vermag aber Gott niht (39, 2 5), der . Menſch findet einen beffern, der Menſch fündigt. Dreierlei Geifter erfhuf Gott, Engel, die nicht fierben, Menfchen mit einer unfterblichen Seele, den Geift, der den Thieren gegeben ift, und der dem Tode unterliegt (10, 616). Das Boͤſe entftand als Kucifer feines Webermuthes wegen aus dem Himmel verfioßen ward (29, 14. 15. Vgl. Anm zu 6, 34), aber Gott, ehe er ihn, den Engel der hernad) Teufel ward, erſchuf, wußte ſchon im voraus daß Streit and Haß zwifhen dem Menfhen und dem Teufel entitehen werde, dennoch bat er ihn, den Lucifer, erihaffen (6, 39). Dies leitet auf die Lehre von der Gnadenwahl. Warum der eine Menſch zum Verderben beftimmt ſey, der andere zu Gnaden auserwählt, darnach folle niemand fragen: Gott thue nach feinem Willen, was er aber mit feinem Gefchöpfe anfange, das müße und gut duͤnken. Freidank führt (nach Jeſa. 29, 16. Sir. 33, 13. Roͤm. 9, 20. 21) das Gleichs nis von dem Topfe an, der nichts einwenden dürfe, wenn der Meifter ibn zerbrechen wolle (6, 17—17, 3). Und anderwärts fagt er “wenn ein Menſch auch alle Gebote Gottes erfülle, dennoch folle er in Angft leben ob er zu Gnaden angenommen werde’. Noch ſchaͤrfer (5, 34), "kei: nes Menfhen gute That it umfonft, als deflen, der zur Hölle geboren iſt. Auch das irdiſche Schickſal fit voran

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beſtimmt (141, 10. 141): ‘wen nur ein Heller bejchieden it, der geht zu Grunde, wenn er nach zweien trachtet.’ Endlidy gehört hierher folgende Stelle (16, 24—17, 3), Gott fhafft endlos neue Seelen, die er dem Leibe des Men: fhen zuibeilt, in welchem fie zu Grunde gehen (wenn es alfo namlich fein Rathſchluß ift); wo aber, wird (nad Roͤm. 9,441) gefragt, verdient die noch nicht geborne Seele Got: ted Ungnade?’ diiu vräge diufi ein dorn. Auf die Erb: fünde be:iche id) die Worte (7, A. 5) ich wiſte gerne ein were, daz Adämı unfchuldic were, Die Sünden aber find fo groß, daß wenn fie nur zur Hälfte beftraft würden, die Welt nicht einen Tag länger beſtaͤnde @, 235. 26). Schön iit dee Gedanfe (40, 5. 6) ‘wäre die Sünde auch nicht Suͤnde, fie folte una doch ihrer Unlauterfeit wegen zumider feyn’, und ganz im Geifte Freidanks, der das unergründ- lihe, freudige und verzagte Herz des Menfchen Eennt, ber Ausfpruch (18, 20. 24) got unt man, min [elbes fiu, unt der tiuvel wei3 wol wer ich bin.

Nah einem fon frühe ausgebildeten Glauben (vgl. Corrodi Geſchichte des Chiliasmus 2, 400 444) erfheint der Antichriſt nicht lauge vor dem Ende der Welt als ein truͤgeriſcher Widerſchein und teufliſches Abbild Chriſti. Ein Sohn des boͤſen Geiſtes, nimmt er irdiſchen Leib an, indem er von einer unreinen Jungfrau aus dem Stamme Dan zur Welt geboren wird (Gen. Handſchr. u. Diut. 3, 78. Fundgr. 195, 11). Er nennt fih den Sohn Gottes, kommt wie ein gro- Ber König mit Herrlichkeit In reizender verführerifcher Geſtalt, und unter dem erheuchelten Scheine aller Tugenden. Er ift der, dem in Lammes Mund Wolfzaͤhne wachſen (MS. 2, 2222), Dur unglaublihe Zeigen und Wunder, die er vollbringt, gewinnt er die ganze Welt, umd reißt die hoͤchſte

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Gewalt über alle Könige an ſich. Cr herrſcht allein, und will wie Gott feyn. So kurz die Dauer feines Reiches iſt (er regiert nur vierthalb Jahr, Zundgr. 196,4), fo werden’ doch furchtbare Qualen die Welt beimfuchen (vgl. Otfr. A, 7, 28). Seine Anhänger nehmen von ihm ein Zeichen auf die Stirne und die rechte Hand: wer dies nicht trägt, dem wird Speife, Trank und Kleidung verfagt (Markt. 195%). Die dem wahren Heiland treu bleiben entjliehen in Wälder und Berg⸗ böhlen, und muͤßen ihres Glaubens wegen große Marter dulden. Auch Berthold verfündigt (437) daß in jener Zeit der Weg der Märtyrer wieder offen ftehe, den Gortes Milde bis dahin verfohloffen habe. “Dann flieht in die Höhlen und auf die Berge, denn die müßen gar feit feyn, welche die Marter be: ſtehen. Kehrt euch an Feine Zeichen, halter feſt an Gott und an dem Chriftenglauben. Und wo feine Prediger ftehen da fheint die Sonne, wo unferes Herren Prediger ſtehen da regnet ed’ Sein Untergang wird in Mufpille, dem alten Gedichte von dem Ende der Welt, erzählt. Der Antichrift kaͤmpft dann mit Elias und wird verwundet. Dagegen nad) der Erzählung in der heil. Martina (1966) wird er von dem Engel Michael auf dem Oehlberge getödtet.

Freidank hebt hervor (Cap. 49) daß der Antichriſt ald Gott und Kaifer kommen und die Welt mit Marter, Zauber und Schägen bezwingen werde. Erſcheint er in diefer Zeit’, füge er hinzu, ‘fo bietet ihm mancher mächtige die Hand’, Ebenſo ruft Reinmar v. Zweter (MS. 2, 1376) ihm zu, er fole ohne Säumen fommen, der Welt ſep alles fell! kun, Eu- dekrifi, du rehter gouch, den pfaflen zuo der kirchen ouch vindefi du nu veile, unt roemichez riche. Und nohmald (MS. 2, 1476), waz fümeli du dich, Endekrifi daz3 du niht kumfti? dun darft niht mere biten dekeine

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Eriſt: du vindefi fürfien veile, gräven, Srien, dienefiuan. kumft äne houbet, daz 14 fin, häft du in ze gebenne filber golt, fi werdent alle din. Nicht beffer urtheilt Heinrich v. Meifen von feiner Zeit (BI. 29), ſæhen fi Au- tekriften ſièu, fi begünden zuo zim gen, und in fine gehörlan treten, unt begünden ane beten, ich hän ouch leider daz vernomen, ob Antekrifi wzre kommen, und wolt er geben richez guot, daz fumeliche ir muot au in wanten gerne.

9. Biblifches,

Hieran fließt fich wohl am ſchicklichſten eine Aufzählung der aus der Bibel entnommenen Stellen, foweit ich fie aufge; funden babe.

Hiob. 1, 21. Nudus egrellus [um de utero matris me, et nudus revertar illuc,

177, 3. Zer werlde ich blözer komen bin > fi lät ouch mich niht vüeren hin. 1 Paral, 16, 22. P[. 104, 14. Nolite taugere chrifios meos, et in prophetis meis nolite malignari.

429, 1. Got in Davides fpruche giht \

‘ir [ult mine krifien rüeren niht: ez fol ouch miuen wislagen nieman arge zungen tragen.’

Ich führe diefe Stelle zwar an, jedoch mit der Bemerkung daß ich die Echtheit derfelben, zumal der folgenden Beſchraͤn⸗ fung (129, 5—9) wegen, die allzu geiftlos iſt, bezweifle. Prov, 17, 28. Stultus quoque, fi tacuerit, ſapieus re- putabitur,

80, 10. Swer niht wol gereden kan,

der [wige, unt fi ein wiler man.

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Prov. 18, 24. Vir amahilis ad focietatem magis ami- cus erit quam frater, 95, 17. Gewachet vriunt ze nöt beflät lihte ein mäc den auderu lät. Prov. 19, 25. Si corripueris lapieutem, iutelliget difeip- lıvam. " 80, 20. Ein wifer man der hät verguot, reffe ich iu [wenner milletuot. Prov. 27, 10. Melior eft vinciuus juxta quam frater procul. 95, 14. Eiu 'vriunt ift nützer nähe bi dau hin dan verre dri. Prov. 30, 15. 16. : Tria funt infaturabilia, et quartunı, quod nunquaın dieit “fufhcit’: infernus, et os vulvæ, et terra, quæ non latiatur aqua; iguis vero nunquam ‘dieit ‘[uflcit, 69, 5. Driu dinc niht gefaten kan, die helle, viur unt gitegen man: daz vierde fprach noch nie *genuoc’, [wie vil mau im zuo getruoc. Prov. 30, 18.19. Tria funt difhcilia mihi, et quartum penitus ignoro: viam aquile in coelo, viam colubri fuper petranı, viam navis in wmedio mari, et viam viri in adolelcentia, 428, 6. Des wien vluc, des fchifles vluz, des flangen f[luf, des donres ſochuʒ, wie geräten füln diu jungen kint: der firäze uns alle vrenmde ſiut. Ecclefialtes 1, 4, Generatio preterit, et geueralio ad- venit. 417, 26. Swä ein künne figet, daz3 ander nider ſiget.

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Ecclefiafles 1, 18. Qui addit ſcientiam, addit et laborem. 41, 16. Swer wistuom , @re, gröz richeit ınert, der méêrt fin arebeit. Ecclefiafies 2,26. Peccatori auteım dedit (Deus) afflic- tionem et curam [uperfluam, ut addat et congreget et tradat ei, qui placuit Deo. 87,20. Ich fach ie, [waz der arge part, daz ez3 dar näch dem milten wart. Ecclefiafies 10,16. Vz tibi terra, cujus rex puer efi, et cujus priucipes mane comedunt. 72, 4. Lant unt liute girret fint fwä der künec ift ein kint, unt fich die vürllen vlizent daz fi vruo enbizent, Jerem. 13, 23. Si mutare potefi zthiops pellem fuanı, aut pardus varieiates fuas; et vos poteritis benefacere, cum didiceritis malum. 88,19. Des Möres hut unfanfte lät ir ſwarze varwe die fi hät; des lebarten hiute fam gefchiht, diu enlät ir maueger vleckeu niht:

als wizzet daz ein übel mau fin übel niht vermiden kan. Ecclefiafiicus 13,41. Qui tetigerit picem, iuquinabitur ab ea. 418, 5. Swer heizez bech rüeret, meil er daunen vüeret. _ Matth. 6, 21. Luc. 12,34, Ubi enim eſt ıhefaurus tuus, ibi eft et cor tuum. 447, 11. Des meulchen herze ifi alle ziı fwä fin Schatz verborgen lit. Vgl. 56,7. 8. u. Aum.

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Matth. 13, 57. Luc. 4, 24. Non eff propheta fine honore nifi in patria fua et in domo fua. 419,6. Man fiht vil felten wisfagen in fime lande kröne tragen.

Matth. 15, 26. Non eft bouum fumere panem filiorumm, et mittere Canibus, 125, 13. Erft tump, der finer kinde bröt den hunden gilt in hungers nöt.

Matth. 25, 42—43. Efurivi enim, et non dediftis mihi manducare; fitivi, et non dedifiis mihi potum; hofpes eram et non collegifiis me; nudus, et non cooperuiflis we; infirmus et in carcere, et non vifitafiis me. 178,16. Mich hungerte unt durlie, ich was gaft,

jur helfe mir zuo gebraft;

ich was weile unt nacket gar, x

miner arınuot nämt ir kleine wars

in dem kerker ich gevangen lac,

irn tröf mich weder naht noch tac.

moht ir der werke niht begän,

ir folt doch guoten willen häu:

mite wzre ich wol gewert

alles, des ich hän gegert.

Galat. 6,8. Quæ enim feminaverit homo, hæc et metet- 3,5. Die liute fuldent unde mæut von rehte als fi den acker Sznt.

Ich habe den Tert der Vulgata als Freidanks Quelle vor: ausgefegt, daB fie es wirklih geweſen zeigt Prov. 30, 19. die Lefart viam viri in adolefceutia, wonach überfept iſt wie geräten fülu die jungen kint, während anderwaͤrts tichtiger viamı viri in adolefcentula jteht, was freilich nach

LXXVII

Umbreitd Commentar nur ironifch als etwas ganz Unbegreif⸗ liches gelten kann. Ueber die Weiſe, wie Freidank die bib⸗ liſchen Spruͤche behandelt, wird hernach noch eine Bemer⸗ fung vorkommen.

10. Kabeln.

Die eingefuͤgten Fabeln, darf man im voraus ſchließen, ſind nicht von Freidanks Erſindung; wir ſuchen alſo nach ſeinen Quellen.

Die Froͤſche waͤhlen den Storch zu ihrem Herrn, der unbarmherzig mit ihnen umgeht (140, 9— 142, 4). Eine befannte Zabel, die man ausführlicher bei Aefop (Fur. 37. Cor. 467. Schneider 44), bei Phaͤdrus (1, 2) und bei dem Anonymus Neveleti (p. 199. Rip.) findet, nur mit dem Unterſchiede, daß dort die Mafferfchlange (udgos) König wird; und das ſtimmt zu dem Haß und der Furcht, melde nad Aelian (12, 15) die Froͤſche gegen die Waſſerſchlange empfin: den: dagegen fagt Seb. Frank (Sprichw. 2, 1756 Ausg. von 1541) ‘darum iſts gots ordnung, daß er den fröfchen ſtoͤrk verordnet damit fie nit überhand nemen’. Und wie bei Frei: dank iſt es auch der Storch im Reinaert (2325 29), bei Marner (ME. 2,171), Boner (25) und In der lateinifhen Ueberſetzung des Aeſop von Guilielmus canonicus (Fab. 17)-

Die huͤpfende Elſter wünfcht von der Taube einen anftän- digeren Gang zu lernen, aber die Muͤhe dit vergeblich, bie Elſter Tann ihre Natur nicht bezwingen: wo fie geht, ftößt fie den Schnabel rechts und links in den Koth (142, 21 - ‚143,6). Hugo erzählt im Nenner (91d— 92a. Bamb. Ausg. 789-5813) dieſe Zabel ausführlicher.

Ein 'alafler eine tübeu fach fchöue vor ir gäu, zuo der fi fprach

LKAIVIL

‘vrou tähe, léêrt mich inwern ganc,

des wilch iu iemer fagen dauc?.

Diu tübe fprach, ‘daz tuon ich gerne,

feht vor ob ir in mugt gelerne,

‘ja’, Sprach fie, ‘nuo gät wir vor,‘

tritich ebe®b in iuwerm fpor’,

daz tet diu tübe. Diu alafter

wänd ir gewonheit wzr nit lalfier :

[war fie [pranc, lief oder gienc,

vil manegen iren [wanc gevienc:

ir zagel fuor df unde nider, fie bicte irn fnabel ouch hin wider hedenthalben bi den wegen.

‘Wolt ir der alten tücke pflegen’,

fprach diu inbe, waz [ol min ganc,

und daz ich diene äne danc ?’

Diu alalter hin wider [prach

*jäat mich vor gän, unt gät mir näch,

ſò merket ir baʒ wa3 mir wirret,

unt waz3 mich iuwers ganges irret’.

Si gienc ir näch oder vor, |

irn ceden zagel truoe fi enbor,

unt bicte irn Suabel hin unde her. Eine fürzere, wahrſcheinlich noch ſpaͤtere Darſtellung, wo die Kraͤhe ſtatt der Elſter auftritt, findet fih im Liederf. 237. Diefe Fabel wird in Heilen als, Volksmaͤrchen erzählt, und ich glaube daß auch Freidank fie aus mündlicher Veberlieferung aufgenommen bat, wenigſtens weiß ich fonft Feine Quelle nachzuweiſen; eben daher it auch wohl die Erweiterung im Menner abzuleiten, wo indeſſen Freidanks Worte noch durch⸗ feinen. Auf die Fabel ſcheint fih das Sprichwort bei Sebaft.

LXXIX

Frank (2, 59) gu beziehen, ‘die atzel Fan irs büpfens nit laſſen.!

Freidank berichtet kurz (141, 1— a) ‘wenn man ben Manlefel nah feinen vornehmen Verwandten fragt, fo nennt er Lieber den Oheim als den Vater”. Aeſop (Cor. 140) erzählt, der Maulefel, durch Gerite fett geworden, babe audgerufen ‘meine Mutter iſt das fchnellfpringende Pferd, und ich gleiche ihr vollfommen’; ein andermal, um nicht laufen zu müflen, babe er fih feines Vaters, des (trägen) Eſels erinnert. Diefe Zabel, worin der Maulefe Mortheil von feiner Geburt zu ziehen denkt, Fan kaum Ans laß der andern gewefen feyn, wo er feine Geburt verbergen will, der er fih ſchaͤmt: noch weiter entfernt fie ſich in der gewöhnlichen Darftellung (Fur. 83), welche in der Einleitung zu R. Fuchs CCOLXIII beruͤckſichtigt iſt. Dagegen findet ſich bei Petrus Alfonſi, einem ſpaniſchen, wenigſtens um ein Jahr⸗ hundert aͤltern Schriftſteller, der aus dem arabiſchen uber: ſetzte, eine Fabel, die offenbar dieſelbe iſt (diſciplina cleri- calis p. 42): mulum noviter natum vulpes in pafcuis invenit, et admirans ait "tu quis es?’ mulus dieit fe Dei efle creaturam. cui vulpes *habesne patrem vel matrem ?> mulus ait “avunculus meus efi equus gene- roſusꝰ. Es ifk nicht glanblich, daß Freidank die difciplina clericalis gefannt, eher möglich, daß er während feines Auf⸗ enthalte in Sprien die Zabel dort vernommen habe: allein biefe Vermuthung wird ſebr ungewiß, weil im Renner (246), während Hugo von Trimberg Freidanks Merk fo genau keunt, die Geſchichte ausführlicher und doch nicht ganz uͤbereinſtim⸗ mend erzählt wird, und zwar mit NHinweifung auf eine ſchriftliche Quelle, von der man nur behaupten kann daß fie nicht unfer Gedicht war: ia, es fragt ſich überhaupt noch,

LXXX

ob die Stelle in dem Terte Freidanks, den Hugo kannte, vorkam, da diefe vier Zeilen gerade in den wichtigern Hand⸗ fhriften Aace AB fehlen. Die Erzählung lautet im Nenner (24b 258 Bamb. Ausg. 1513 —1565) folgendermaßen, Ich fprach ‘nu fi iu vür geleit ein bifpel, daz ich hie vor las, do ich ein junger [chuoler was’.

Ds der lewe über elliu tier küinec wart, vür fich vil fchier hiez er komen gemeine diu tier gröz unde kleine, unt geböt daz fie des niht enliezen, fine feiten elliu wie fie hiezen. Underdes, ditz gefchach, quam der mül, der künec Sprach ‘fage mir wie biſtu genant?’ er fprach ‘herre, ift iu iht bekant des ritters ros, der in der Rat geſeʒʒen ift ze Bacherat, unt ift geuant her Toldemir? °jä’, Sprach er, *‘geloubet mir, daz felbe ros ift min «heim, allo il mir gefeit heim. daz felbe ros unt mfn muoter Azen mit ein ander fuoter iz einer krippe, unt fint geborn von einer muoter.’ Dem künc wart zorn, unt fprach “noch ift mir unbekant ‘wie din vater fi genant”. | er Sprach ‘herre, gienge iur filc

u

LXXXI

ie vfir die fat ze Brüneswic,

feht, herre, fit ein junger vol, des man pfliger harte wol,

der gehert des landes herren an, unt ifi min «heim, als ich hän vernomen von der muoter min’.

Er fprach ‘[wie edel diu ceheim fin, [wie edel ouch din muoter ift,

doch enweiz ich noch niht wer da bift, du enfagefi dan wer din vater [t’. er [weic. fiuont der fuhs dar bt, der £fprach *herre, bekennt ir’n efel, den der pfifier hät ze Welel, "der ü3 göt ze felde,

fd wizzet äne melde

daz der [elbe [in vater ifi’.

‚Der künec fprach fint du nu bill von ungelicher art.geborn,

fage mir einez äne zorn

unt güetlich, wie fill genant’. er [weic. fprach der fuhs ze haut ‘er heizt ein mül, daz ifl ein tier ſterker :unde grezer dan min vier: ich wolde doch ungern min leben umbe fin bevlecket adel geben’,

And Petrus Alfonfi gefchöpft, mittelbar namlich hund die Ueberſetzungen der difciplina, cler., die in andere Biis her übergegangen find, haben fpäterhin Abraham a St. Clara und Hand Sachs, beren Erzählungen man mitgetheilt findet in Schmidts ausfuͤhrlicher Anmerkung zur .difcip). cler,, welcher bie jübifhe Fabelſammlung des Rabbi Bara⸗

tt

LXAXNII

hia (No. 62) zugefuͤgt werden kann. Man begegnet bei den fpdtern feinem neuen Zuge der Kabel, und bei Hans Sachs nur einer abfihtlihen Verknuͤpfung derfelben mit eis ner andern. Es ift bier immer ber Fuchs, welcher die Frage an den Mauleſel ſtellt, bei Freidank wird niemand genannt im Nenner ift es aber der Löme. Vermuthlich alfo Fannte man in Deutfchland im 13ten Jahrh. eine nicht aus der difcipl. cler. ftammende Auffaffung diefer Fabel, bie uͤbrigens das Gepraͤge einer echten Thierfage bat.

Ich bemerke gleich, obwohl Feine eigentlihe Sabel darin liegt, den Spruch von dem Hahn, der zwoͤlf Hennen in ber Zucht halt, während ber tapferite Mann an einem Weibe genug hat (145,11 18. Vgl. Einl. 3. R. Fuchs CCXXX VI). Mit einer Eleinen Abweihung In der Zahl fteht ex auch in der difcipl. cler. (p. 35), fili, ne fit gallus fortior te, qui de- cem uxores ſuas juflificat, tu autem folam uon potes cafiigare. Allein In dem lateiniſchen Reinurdus, der diter ift als die difeipl. cler., kommt fchon bie eigentfihe Veran⸗ laffung des Spruchs, ein Zug aus der Thierfabel, vor. Der Hahn ſagt naͤmlich (3, 936 38) conjupibus bix fex impero folus ego: qualiber et munimuin’ won audet taugere granum, me’ nift mandetur pr&eipiente prius. Eine Anfplelung Reinmars von Zweter (MS. 2, 1996) Eönnte fih auf Freidunks Merk gruͤnden, da er gleichfalls die Ausdrüde meifterfchaft und meillern gebraucht. Mein: mar Nagt nämlich ber feine eigene rau: her Han, ich wil iu figes jehen, ir’[.t ſo rehte küette, als ich vil dicke hän gefehen. iur meifierfchaft iſt gröz gein iu- wern wiben, der ir habt doch vil. ==. her Han, -daz iuwer frümekeit iuch nert iuwer heil, -wan ir meißtert zweif hennen.

LXXXIII

11. Thierwelt.

Allein auch außerhalb der Zabel dienen die Chiere mit ih: ren Eigenthimlichkeiten dem Dichter zur Grundlage fittlicher Betrachtungen. oder zur Bezeichnung menfchlicher Verhaͤltniſſe, vieleicht auch zu Anfpielungen auf Greigniffe jener Zeit, die wir jeßt nicht mehr errathen. Das meiſte dieſer Art ſteht Cap. 43. beifammen, und berühtt häufig einen damals verbreiteten, zum Theil aus dem Alterthum ftanımenden Volköglauben von wunderbaren Gigenfchaften der Thiere. Mißtrauiſch bin ich daher gegen die Stellen, welche entweder bloß Naturgeſchichte enthalten (z. B. in den zwei unbedeuten⸗ den Zeilen 142, 5. 6), ober weiche in ben Eigenſchaften der Thiere Beziehungen auf den chriftlihen Glauben, befonders auf die Leidensgeſchichte entdecken: ich habe manche darunter im Verdachte der Unechtheit, jedoch nur Dagjenige in. Klam⸗ mern ſetzen mögen, wobei mir Fein Zweifel uͤbrig blieh,. .

Was über die Erzeugung des Leoparden und Echnelligkeit des Parden (136,19 137, &) mit ſchwerfaͤlligen Worten porge⸗ bracht wird, ift in der That aus dem citierten. Iſidor geborgt, Weiher (etymotog. lib. 12,2) fagt leopardus ex adulterio lezuz et pardi nafcitur, et tertiam originem effieit, heut et Plinius in naturali hifioria dieit, Igenem-cum parda aut pardum cum leæna concumbere, et ex utroque coitu degeneres partus creari, ut mulus et burdo, (Ich finde bei Pinius 8,47. odore pardi coitum fentit in adultera leo, totayue vi confurgit in poenam). Und, pardsıs fecundus poſt pantherem efi, genus varium et veloeiffi- mum et praceps ad fanguinem: faltu enim ad morteın ruit. Ein gleiches berichtet aud) Boppo (ME. 2, 1316. 4328). Mein von Freidank rühren diefe ungeſchickten Zeilen nicht

172

: LAXXIV

ber, das läßt fih zum Ueberfluß noch aus 139, 24 bewei⸗ fen, wo von den Sprüngen nicht des Parden fondern bes Leoparden die Mede ift, gerade mie bei Konrad von Wuͤrz⸗ burg in ber goldenen Schmiede (74650). Auch ber deut: ſche Phyſiologus (Hoffmann Fundgr. 1,16 37. 341. Diut. 3, 22— 39) weiß nichts von dem, was Sfidor behauptet. "Der Loͤwe erwecke fein Lobtgebornes Junges durch Gebrüf zum Leben, wird zwar in unferm Terte (136, 17.18) gefagt, allein dieſe Behauptung iſt ebenfalls weder aus dem dent: ſchen Phyſiologus noch aus dem griehifhen des Epiphanius (Petav. 2, 191) entlehnt, denn darnach wird nicht von dem Gebruͤll ſondern dem Anhauche des Vaters der junge Löwe "debendig; Sfidor aber fagt (12, 2) quum genuerint (leones) kcatulum, tribus diebus et tribus noctibus catulus dor- Yılaire Tertur : tunc-deiude patris ſreinitu ve lrugita velu- ‘4t:-treinefactus cubilis locus fufeitare dioitur eatulum aorinientem. Mit unferm Lert flimmt Wolfram (Parz. 436,49. 20. Wilh. 40, 5—7), der Marner ARE: 2, 176), Kohr: v.- Würzburg (9. Schm. 502. ME. 2, 2006) ımd Hug vbn Laͤngenſteln (Mart. 1722); Tomaffin im welſch. Gaſt * (4993)' wie Ifidor, nur Bürger, der Löwe ſchlafe nach feiner Geburt drei Tage, dann wecke ihn fein Vater: Boppo ME. 2 2366) nimmer dn, der Löwe fehreie dreimal. Was von den Nebhfihnern (144, 11— 26) erzählt wird, » fann ans dem dentfehen Phyſiologus abftammen, der allein (Fundgr. 35) diefe geiftliche Anwendung kennt: dergriechifde hat (201) eine ganz andere, Iſidor (12, 7) gar Feine. - Abermals verfchiedenattige Ginmifhung beweilt die Sage von dem Strauß, die weder aus dem JIſidor gefchöpft ſeyn «Tan, ber das naturgemäße (12, 7. ova [ua fovere negligit, | [ed "projecta tantummodo fotu pulveris animatur) mel: |

LXXXV

det; noch aus dem deutſchen Phyſſologus (dev grlechiſche ent⸗ halt gar nichts Davon), worin etwas anderes fteht (Zunder. 36. Dint. 38). Die fabelhafte Meinung, der Strauß brüte mit dem Glanze der Augen feine Eier aus, kommt aber übereinftimmend bei Konrad (g. Schm. 528. Troj. 20831. ME. 2, 2002.), bei dem Marner (ME. 2, 1766), Boppo (ME. 2, 2366) und in der Martina (75b) vor. Auch Wolf⸗ tam, glaube ich, fpielt darauf an, wenn er ben firablenden Glanz in der Kleidung eines heidnifhen Koͤnigsſohns be: Ihreibt, und hinzufuͤgt (Wilh. 364, 27— 30. vgl. 367, 26. 77) der pfellel hiez pöfdz. al finiu eier het ein firdz derbt wol gebrüetet, wærns anders wol behüetet. Dagegen erklärt fie der Mifenzere (Amgb. 42) für Unmwahrbeit. Die bekannte Sage vom Pelican (145, 3— 10) erfeheint häufig, im griechifchen (c. 8) und deutfhen Phyſiologus (Fundgr. 33), bei Iſidor (12,7), Wolftam (Parz. 428, 11 18), Konrad (9. Shm. 470. ME. 2, 2010), dem Marner (ME. 2, 1766) und noch anderwaͤrts (vgl. Amgb. 42. und a. Wild. 2, 204), wie ſich von ſelbſt verfieht, mit mancherlei Abweichungen im einzelnen. Bei Iſidor fehlt die allegorifhe Anwendung auf den Tod Chrifti gänzlich, aber bloß im Parzival und in ei: nem fpätern Gedicht (Riederf. 3, 433) wird wie hier gefagt daß der Pelican die Zungen mit feinem Herzblut fo lange nähre bis er felbik todt liege; die andern nehmen an daß er (nah dem griechifhen Phyfiol. der Water, nad dem Deut: fen und Iſldor die Mutter; die übrigen unterfheiden nicht) mit feinem Blute nur die Zungen befprenge, um fie wieder lebendig zu machen, ohne fich felbft zu töbten. Offenbar ſollte durch jene Erweiterung die Allegorie geſteigert werden. Bon dem Biber ſagt Freidank (wenn er ed ift, der bier ſpricht) bis zur Unverſtaͤndlichkeit kurz, ‘er gibt (eine Gel:

LXXXVI

fen für fein Leben’. Iſidor (12, 2) deutlicher, caliores, quum prafenferint venatorem, ipfi fe cafirant, In dem deutfhen Phyfiologus (Fundgr. 31) und im Nenner (285b) wird das noch näber erklärt, der Biber beißt, wenn er ge⸗ jagt wird, die Geilen ſich felbft ab, und wirft fie dem Jaͤger bin, der, dadurch befriedigt, ihm jest entfliehen läßt. Oder, wie Konrad v. Würzburg ſich ausdrüdt (ME. 2, 2076), er bizet abe fin geil unt lät ez vallen zeiner miete vür daz man in niht Suoche mer in holze noch in riete. Plinius führt die Sage zweimal (8, 47 und 32, 13) au, und verwirft fie einmal.

Dem Loͤwen wirb in einem unechten Zuſatze (141, 7 8) aufgebuͤrdet was Aelian (de animal. 1,38. 16,36.) von dem Elephanten behauptet, ex fürchte fih vor dem Grunzen des Schweine.

Daß das Meh Feine Galle habe (141, 5.6.) weiß auch Plinius (11, 74). Da aber die Dichter bes Mittelalters einftimmig der Taube diefen Vorzug beilegen (Gen. in Diut. 4, 60. tübe, äne der untriuwen gallen; Marner, MS. 2, 472%. funder gallen ein tübe; gold. Schm. 570; Heinr. v. Meifen Bl. 35. diu turteläbe iſt ane gallen), und auch Walther (19,13) die Königin Irene dadurch der Junge frau Maria gleihftellt, daB er fie eine täben Sunder gallen nennt, fo trage ich Fein Bedenken .die beiden ohnehin geift- los ausgedruͤckten Zeilen Freidank abzufprechen.

Dem Charadrius, Brachvogel, (143,7 12) ſchreiben der griechiſche Phyſiol. (c- 23. p. 220), Iſidor (4, 522 ed. Arvali), Boppo (ME. 2, 2310) auf gleiche Weiſe die Faͤhig⸗ keit zu, ben Tod voraussufehen. In dem deutſchen Phyſiol. (Zundgr.36) heißt es weiter, ob er (der Kranfe) ave genelen fcol, fd chädret fich der Caradılus zuo deine manne,

LXXXVII

unt tuot ſinen fnabel liber des maunes munt, unt ni- net des mannes nuchraſt zuo fich: vert er Af zuo der funuen, unte liuteret fich dä; ſò ill der man ge- nefen. Auch der Mifenzre (Amgb. 36») gedenkt des Ein: fangend der Krankheit dur den Vogel, und fügt eine geift: lihe Anwendung hinzu. Diefer Zug leitet zu der Anficht, die mir allein die richtige fcheint, daß Charadrius den Krank⸗ heitsſtoff im fich ziehe, und dadurd den Menfchen rette; ber Vogel felbft kann fid entweder in der Nähe der Sonne von dem Gifte reinigen, oder er ſtirbt ftatt des Menfchen, wie Pliniug (30, 28) meint. Alfo eine Verkündigung des Todes war es nicht, wenn Charabrius den Blick von dem Kranken abmendete, obgleich das jept der Sinn Freidanks und derer, die ihm beiftimmmen, zu ſeyn ſcheint, fondern die Genefung war unmöglich, wenn der Blick des Wogeld nicht dem Blicke des Kranken begegnete Durch die Augen namlich (durch den Schnabel iſt nichts als eine Wergröberung der dee) gieng die Krankheit zu dem Vogel über. Am einfaditen und teinjien druͤckt das Aelian (17, 13) aus, "wenu der Gelbfüchs tige und der Charadrius einander feſt in die Augen fehen, fo wird der Menfh von bee Krankheit befreit. Ueber die Verbreitung dieſes Volksglaubens im Alterthum vgl. die Anm. zu Melian von Jacobs.

Die hier (88, 3— 6) nur angebeutete Gage von ber geisi: gen Enthaltſamkeit des Guckgucks erzählt Tomafiin im wel: {den Gaſt (114) ausführlicher, ich hän gehört daz man feit, daz der gouch durch zageheit nie mere ezzen ge- tar zemäl ein ganzez blat gar: er vürhtet den gehreflen. fwenner fitzet U den efien, bizet er vil Saufte dar, da3 er niht flinde’3 blat gar: er vürhtet im gebrelie der ſpiſe; deifi der argen liute wife. Des argen guot,

LXXxXVIII

des gouches loup, zergênt beidiu fam ein floup. Von der Habfucht des Gudguds noch ein anderes In (BI. 194) erhaltenes Sprichwort, ich hAn wol gouches art verno- men, dein ift ze mäze ein krankez ris, unt gert doch grifen nelles,

12. Überlieferung.

Freidank nennt einigemal auddrädlich die mündliche Ueber⸗ lieferung als feine Quelle, 114, 26. hoerich dicke fagen, 9,49. diz fagent uns die wifen. Er belennt alfo bie Weisheit bes Volkes aufgefaßt zu haben, unter dem Sprich: wörter dieſer Art ſchon feit lange, man kann wohl vorausfegen immer, gaͤng und gäbe waren. Ich führe ein Beiſpiel aus dem 9. Jahrh. an, das Hincmar (opp. ed. Sirmond 1, 503) bewahrt bat, juxta proverbium gothicum *capra lufca hortum videt, fepem nusquam’; ein anderes aus ber fols genden Zeit fteht bei Dietmar von Merfeburg (lib. A. p. 96. Wagner), Markgraf Eckhard redet feinen Gegner an o, Luithari comes, quid adverfaris? et ille num inquit eurrui tuo quartam deefle non fentis rotam? womit Sreid. 127, 13 gu vergleichen if. Sprichwörter, bie ih in den Denkmaͤlern bes Mittelalters nefunden babe, muß ich für eine befondere Sammlung zurüdlegen: bier kann nur was. mit unferem Werke in näherem Zufammenhange fteht angeführt werden.

Zuvor jedoch will id die eigenen Ausdruͤcke aufftellen, welche zur Bezeichnung des Sprichwortes dienen; fie allein würden genügen ben langen Beſtand dieſer Gattung ber Poefie und ihre volksmaͤßige Natur zu bewähren. Bei

LXXXIX

Tatian und Notker heißt Sprichwort paſſend bivurti (Or. 2,748); biſpel, bifchaft kommt .im 13. Jahrh. für Fabel nicht felten vor, ja bilpel auch für Sprichwort ſelbſt (Freid. 29,1. Parz. 660,6. Amab. 44b. Malagis, pfälz. Hf. 116%); am hänfigften aber find folgende Ausdräde, ein altfprochen wort (Pf. Kont. 26°. Ben. Beitr. 220. Berthold 216. Tuͤr⸗ heims Wild. 314m. Liederſ. 1, 216. 2,602. Grundriß 395); ein altgelprochen wort, daz ir dicke habt gehört (Pfälz. Hſ. 341. Bl. 355); fprüche ($reid. 129,17); der alte [pruch (Iw. 6064. Helleviur hinter Triſt. 138); die alten [prüche (Walth. 26, 27. MS. 2, 104d. vergl. Nib. 1440, 1); Sprich- wort (Trift. 5461. 17744- Frib. Teil. 318. 3192. ME. 2, 253b, 2586.); daz alte Sprichwort (Klage 1756. Livl. Ur. 78%, Mart:634); näch dem fprichwort gemeine (Ottok. 683); die liute hänt ein Sprichwort (Mart. 238); wort (Boner 71,56); wörtelin (Zrift. 1292); if vor maugem jar gefprochen ein wort (Xiederf. 1,19); daz alte wort. (Reinbots Georg A582. Fragm. 32); ein gemeinez work, (Riederf. 1, 59); lere (Kl. 429); diu alte ldre (Walth. 65, 12. Tuͤrheims Wilh. 120%); man ſeit (ME. 1, 202. troj. Kir. A7b. Sreid. 164, 4); man giht (Triſt. 1296. ME. 1,37. 4 156); man fprichet (welſch. ©. 1242. Tuͤrh. Wild. 122b.151b. 3%, Ben. Beitr. 104. Bon. 11,56); gemeine ſprocheu (troj. Kr. 13049); ez if dicke gefprochen (Ben. Beite- 243)5 & jehent (R. Fuchs 1304); A jehent alle (MS, 2. 254); A fagent (MS. 2,258); uns fagent die wilen (Ko- loc}. 285); if den wifen allen kunt (Wolfr. Wilh. 327, 3) alfe die wilen wellen (It. 2702); fi wellent (Wigal. 76); des haerich ich jehen (R. Fuchs 298.); die wien fpre- cheut (ME. 2, 2542); die wifen hört ich fprechen S& GFrauend. 1b); fus hört ich die 'wilen fagen ($rauend. 869);

xC

des haret man die wifen jehen (Eracl. 672. troj. Kr. 13048. 23345.ME. 1, 263. 151%. Frauend. 115°). ich hoere (Reinfr- 932); wir hän geheret lange wol (MS. 2, 185b); ich häu geharet manegen tac (MS. 2, 136°); ich hän von gehœret vil (Kolocz. 104); ich hœre dicke daz man feit (W. Saft 712); ich häu vernomen dicke nähe uude verre (Tit. 5624). Ich ſchließe diefed Verzeichnis mit zwei felte: nen aber paifenden Ausdrüden, ich hörte miuen vater fa- gen (Raiferhr. 8b); ein wort daz was wfilent flücke (Srauenlob MS, 2, 2176), wie auch anderwaͤrts die Gage als fliegend dargeftellt wird.

Sch laſſe jest die. vollömdpigen, mit Freidank überein- fiimmenden Sprüche aus früheren, gleichzeitigen und fpätern Dentmälern folgen, wobei es meiſt beutlih, immer wenig: ſtens wahrfcheinlich ift, daß kein dußerer Sufammenhang wirkte: . weder hat Freidank die frühern entlehnt, noch iſt er Quelle der fpdtern gemefen, fie find vielmehr aus gemeinfchaftlichen Boden in verfchiedener Geitalt bervorgewachfen.

Reiuardus vulpes 2, 814. una avis in laqueo plus valet octo vagis.

446, 13- Ein albel ift bezzer Af dem tifch

danne in dem wäge ein michel viſeh. Eracliu 672. Man mac des wären zuo vil fagen, des hœre ich die wifen liute jehen.

74, 26. Man mac ze vil des wären fagen. . Eracl. 1264: 65. Ich wan in befem vazze chumt fel- ten guotgefmac. Berthold 2415. 5waz mit dem erfien in den niuwenhaven kumt, finecket er iemer gerne näch.

108, 15. Den halfen vazzeu nieman mac

beriemen wol den @rfien fmac. Eracl. 2475 177. Diu liebe chau wol hbleuden den man

—X

daʒ er niht euſiht, und nimt im. doch der ougen uiht 99, 41. Minne blendet wifen man, der fich vor ir niht hüeten kan. Gracl. 2561. State Jeret den diep fielen. 105, 4. State machet manegeu diep. Cracl. 3244. 45- Wir wip chunne manigen lifi, der iu mannen unkunt ifi. 79, 11. Die wilen kunnen-manegen lift, der vremede tumben liuten il. Dietmar v. Alte, MS. 1, 39% Mache du daz ende guot, häft allez wol getän, Meinm.v. Zweter, MS. 2, 450. Rehte leben git vil gerne guotez ende. ' Amgb. 33b. If, daz daz ende ift guot, wirt allez guot an alle willewende. 63, 20. Ich enfchilte niht [waz ieman tuot, machet er daz eude guot. Dietmar v. Afte, ME. 1, 40%. Diut. 1, 82. Gedauke die fiut ledic fri. MW. Gaft 1226. Die fele unde den gedauc noch nie kein man hetwanc. ME. 1, 88b. Nu fint doch gedanke vri. ME. 2, 178. Gedanke nieman kan erwern den tören noch den wifen, dar umbe fiut gedauke vrt. Mel. die reihe Ausführung im Parz. 466, 16— 24. 115, 14. Diu bant mac nieman vinden, diu miue gedauke binden. . man vähet wip unde man, gedanke niemen gevähen kan. Dieimar v. Alte, MS. 1, 41b. Lieb äne leit mag niht Du. Nib. 17, 3. Liehe mit leide ze jungelt lönen kan, Nib. 2315, 4 Diu liebe leide ze aller jungifie git. ME. 1, 1436. Liebe mıuoz dicke mit leide zergän-.

XxCcII

ME. 1, 16965: Hit man ey allez fprechen fol, ſo ter doch äne leit lieh nie manne wol. Kit. 1026. Liebe zer- gät mit leit. Schuͤler von Paris. Nu if ez, als man giht, daz man die liebe felten fiht, da enfi ouch herzeleit bt.

85, 17. Liep wirt felten äne leit. Dietm. v. Afte, MS, 1, 406. Spervogel, ME. 2, 2286. Dttofar 2798. gewalt den witzen an gefiget. Jac. v. Warte, MS. 1, 26%. gewalt noch mangem an geliget, des hœret man die wifen jehen.

80, 2: Gewalt den witzen an gefiget. Heinrich v. Veldeke H. Ernft 2. dirre werlde vröude if ein lähen und unftzter kouf. ME. 2, 1208. Lip unde guot daz ift von got ein l&hen. Vgl. MS. 2, 120.

74, 21. Lip fele &re unde guot

deift allez lehen, fwie man tuot.

H. Ernft 4509—14. Swelh herre if edel von geburt, ifi er mit tugenden gegurt, daz er fin reiue gemüele went an rehte güete, ‘des lobe volget wirdekeit, und muoz [in @re welen breit. W. Gaft 14%. Swer äne fin ift wol geborn, fin edeltuom ift gar verlorn. “Bruder Wernher MS. 2, 1616. Man giht daz nieman edel fi wan der edellichen tuot. ME, 2, 177b. Swer adell- chen tuot, den wil ich hän vür edel, ME. 2, 120% Die alten wifen hän gefeit daz nieman edel ſt wan der fin dinc mit tugenden treit. Winsb. ME. 2, 2532. Swer tugende hät, derft wol geborn. Amgb. 5%. Swer guote witze hät, derft wol geborn: Hug v. Langenfi. Mat: tina 194. Swer tugende hät der wol gellaht und gein der werlde wol gemaht. Liederſ. 2, 66. Swer tugende pfliget, der if edel. Vgl. Reinm. v. Smweter und Kont. v. Wuͤrzb. ME. 2, 128 129. 201.

XCIII

54,6. Swer tugende hat (64, 13 Ewer rehte tuot), daeorſt wol geborn. Heint. v. Veld. MS, 1, 206. Swer den frouwen fetzet huote, der tuet dicke daz übel fit, Triſt. 1296. Huote ift verloru an wibe dar umbe daz dehein nıan der übe- len niht gehüeten kan: der guoten darf man hiipten niht, fi hüetet felbe, als man giht. Morolf 4, 3126— 27. E3 wart kein huote nie guot wan die ein hi- derbe frouwe [felbe an ir tuot, 101, 7. Ez enift kein huote allö guos da’s ein wip ir felber tuot. der boefen wip man hüeten [ol, die vrumen hüetent ir felber wol. Spervogel, MS. 2, 230. Man fol den mantel keren als daz weter gät. Gotfr. Trift. 75b. Man fol den mantel keren als ie die winde fint gewant. 415, % Ein man die nülchel kere als in daz weter lere. Sperv. Amgb. 5b. Ein edele künne füger hf bi einem man, der dem vil wol gehelfen unde räten kan: ſo figet ein hohez künne nider, und riht.fich niınmer üÜf wider. Vgl. den biblifhen Spruch oben LXXIV. 417, 26. Swä ein künne fiüget, daz ander nider figet. Reinmar der alte, MS. 1, 698. Bon den Frauen, in ift lieh daz man fi fiztecliche bite, und tuot in doch ſo wol daz fi verfagent. 100, 24: Verzihen if der wibe fite, doch ift in liep daz man fi.bite. Reium. der alte, ME. 1, 66% u. 710. Fragm. 23b, 330. Swaz gelchehen fol, daz geſchint. Wigal 2295. 96.

CH

Swazı dem man gelchehen fol, daz gelchibt än wende. Lichtenſt. Frauend. 51. Sich fieget: ſchier Swaz weſen fol. Fragm. 240, 504. daz fin fol daz muoz ge- fohehen.- Nib. 1618, 1. Swaz fich fol füegen, wer mac daz underfien ?

132, 6. Swaz gefchehen fol, daz sefchiht.

' nein 2964. Mit lachendem munde truobeten im dia

ougen. Par}. 272, 12. Weinde ougen hänt füezen-

munt. Loh. 384. Die näzzen ougen hänt füezen mung 32, 15. Da3 herze weinet manege fiunt, doch lachen muoz der munt.

Arm. Heint. 2, 6—8. Man feit, er fi fin felbes bote und erlefe fich mite, (wer über des andern fchulde bite. Gregor v. Steine, Wien. Hf. 3313 —15. Wir ha- ben daz von fime gebote, [wer umb den andern bite da erlefe er fich felbe mite. Nenner. wan gefchriben fiät, [wer vür eius andern fchulde bite fin felbes fel lefe er dd mite. if. 1071. Swer den andern mei- net, daz er vür in bitet got mit riuwe, mit ſo wirt fin felbes phant gevriet, und ouch fius ebenkrifien. 39,18. Merket, [wer vür den andern bite, fich ſelben læſet er mite.

Hartm. von der Aue, ME. 1, 179. Wolte ich den haz- zen der mir liehe tuot, [6 möhtich wol min felbes vient lin. 100, 10. Vil lihte er fchaden gewinuet der haz3zet daz in minnet.

Parz. 338, 11. Im ‚were der liute volge guot, fwer dicke lop mit wärheit tuot. Fragm. 27°. Lobe nieman, bifiu wife, wan din lop die volge hät

xuv

60, 23. Merket, fwer fich felbe lobet äne volge, daz er tobet.

Yarz. 103, 24. Hiute freude, morgen leit. Parz. 548, 8. Hiute riuwe, morgen vrd. Lichtenſt. Frauend. Bl. 65. und Boner 75, 50. Hiute liep, morgen leit. Zehn Ge: bote der Minne, Docen Misc. 2, 177. Hiute liep, mor- gen leit, daz zimt niht rehter ſiætekeit. 31, 16. Hiute liep, morne leit, deifi der werlde unfiztikeit.

Pf. Konr. 262. Michels boumes ſchône machet dicke höne. Gotfr. Triſt. 129%. Ez ift doch wär eiu wörte- Un Iehœne daz ift hone'. Ulr. v. Winterfi. Ben. Beitr. 204. Ir fit, äue lougen, Ichoene, doch ift ſchæne dicke hene. Tuͤrheims Wild. 616. Ein michel her von vrou- wen, die wolden gerne [chouwen Reunewartes ſehœue: da was ſehene uunhœne. Liederſ. 2, 698. Doeh iu- wers libes ſehene wil werden mir ze hœne. Fragm. 28°. Nimt er eiue ſchæne, man Spricht fi ift ze hane. 404, 20. Man fiht manege Ichone, Aju. doch iſt gar hane.

Nb. 42, 3.4. Ros unde cleider-daz finup in.von der hant, fame fi ze lebne haten niht mer wan einen tac. 58, 1. Man fol nach guote werben Sam nieman miüge erfierben, und fol dann wit vollen gebn Sam nieman [il ein wochen lebn.

Wirnts Wigal. 1410. Den tumben tump, den wifen ſruot. Rudolfs Wilh. Orl. 229—30. Mit den wifen was er wis, den tumıben tump. Frauend. 26. Mit tum- ben tump mit wifen wis, von heter lobes pris.

xcvH

85, 13» Mit tumpen tump, mit wiſen wis, daz3 was ie der. werlde pris. Wigal. 6471. 72. Er (got) nidert höchgemiiete‘, und hohet alle güete, 2, 5. Got hahet alle güete, und nidert höchgemüete, Tomaſſins Welfch. Saft 15%. Her d3 (dem Zaffe) kumt ze keiner vrift niuwan daz innerthalben ift, 411, 2. Uz iegelichem vazze gät daz innerthalben hät. W. Gaft 432. Swelh man hät einen richen muot, derfi niht arm mit kleinem guot. Docen Misc. 2,200. Ich bin keifer äue kröne und äne lant, daz mein ich an dem muot. 43, 20. Vrelich armuot \ deift gröz richeit äne gnot. W. Saft asb. Swer finem guor niht herfchen kan, derfi der pfenninge dienefiman. 56, 15. Nieman der ze herren zimt, der fin guot ze herren nimt W. Gaſt 432. Swen niht genüeget des er hät, des ar- muot mac niht werden rät. Amgb. 48b. Swen genüe- get an dem daz er hät, der iſt felic unde riche, 43, 10. Swen genüeget des er hät, der ifi riche, [wiez ergät. W. Saft dub. Swelh mau verkouli fin vrien muot, der ninıt niht gelichez guot. 131, 3. Ichu g&zbe minen vrien muot umbe keiner [lahte guot. Nithart 24, 2. Swaz ich ir gelinge, deilt geherpfet in der mül. Frib. Triſt. 166. Ja möhte man ein harfen,

XCVII

als ich mich rehte kan verſtan, noch minner ver- nomen hän, wan in den räfchenden müln. Morolf. 2, 345. Ez ift boefe harpfen in der müil. 126, 27. Mich dunket niht daz ieman füle ze Jauge harpfen in der müle.

Nith. 32, 6. Der keifer Otte kunde nie den widerflac verbieten. Iwein 2477. Ez ift ze vehtenne guot niemen den widerflac tuot. 127, 16. Ich weiz wol daz nieman mac verbieten wol den widerflac.

Rudolf v. Rotenburg, Ben: Beitt. 109. Den Swzren tac er wol vertuot, der fich verfihet da der äbent werde guot, Eden Ausf. und Laurin. guoten tac man ze Sbent loben fol. 58, 25. Den morgen forget mentieglich, fo ii der äbent vröuden rich.

Reinmar v. Zweter, ME. 2,135. Wir hän gehœret lange wol daz man den man bi finen gefellen dicke erken- nen fol. 64, 4 Swer den mau erkennen welle, der werde fin gefelle,

Meinmar v. Zweier, MS. 2, 136%. Ich hän geheret manigen tac daz eteswenne ein nagel ein fſen wol he- haben mac, unt ein ffen behabt ein ros, unt daz ros behabt einen biderben man: wirt ouch eteswenne erwert ein burc von biderbem manne, unt von der burg ein laut ernert; [waz grözer dinge ergät, diu hebent, fich von cleinen dingen an. nagel ifen ros burc lant diu vünfia wæren bereit wan daz mich dunket an deu mzren wir häu dar zuo niht'ganzes mannes.

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9,49. Diz fagent uns die wilen, ein nagel behalt ein tlen , ein ſſen ein ros, ein ros ein man, ein man ein burc, der firiten kan; ein burc ein laut betwinget, daz ez nâch hulden dinget. Der nagel der ift wol bewant, der ifen ros man burc uut laut folicher @ren geholfen hät, von fin name ſo höhe füät, Ur. v. Winterf. Ben. Beitr. 213. Ez ift dicke daz gefprochen, fwer gewaltic were, der folde doch ge- nedic fin 40, 13. Swä riche man gewaltic fl, fol doch genäde welen bt.

Winsbeke, ME. 2, 2536. An muote al ze gæher man vil tregen efel riten lol. 116 , 25. Swer gehe iſt zallen ziten, "der fol den efel riten.

Winsbekin, MS. 2, 260%. Betwungen lieb if gar ein wiht. 101, 13. Betwungeniu liebe wirt dicke zuo diebe.

Sadfenfpiegel, Vorr. So iſt uns wizzenliche daz der man künfieriche, [fo er ander liute ldret [da3], fin kunft dar abe geméret. 78, 15. Sin felbes fin er mdret, der wisheit gerne leret.

Heint. v. Morunge, MS, 1, 512. Der ſo lange rüeft in einen touben walt, e3 autwürt im dar d3 eteswenne.

XCIX

124, 8. Swie man ze walde rüeſet, daʒ felbe er wider güeſet.

Heint. v. Morunge, ME. 1, 54b. Waz fol golt begra- ben, des nieman 'wirt gewar? Matner, ME, 2, 1748. Begraben hort, verborgen fin der werlte frumt allam der iuwelu fluc, des gires [mac 1. f. w. 147, 9. Begraben fchatz, verborgen fin, von den hät nieman gewin.

Br. Wernher, Amgb. 2. Diu (fele) vert von uns rehte als ein bläs, unt lät deu lip ze pfaude hie: deu würmen er ein ſpiſe wirt. 18, 2. Diu (fele) vert von mir als ein bläs, unt lät mich ligen als ein äs,

Br. Wernher, Amgb. 22. Getriuwer vriunt, verfuochlez [wert, die zweune fint in nœten guot. 95, 18. Gewifle vriunt, verfuochtiu [wert diu fiut ze note goldes wert.

Der von Gingenderg, ME. 1, 1518. Swer fchiere git dar nah mau fin gert, als ich die wifen here jehen, diu gäbe ift maniger gäbe wert. Nuntel. v. Schwaben, Amgb. 19. Swer gäbe git [fo man ir gert diu gäbe ift drier gäben wert. 4112, 1. Diu gäbe ift zweier gähen wert; der fchiere git & ınan ir gert. Marner, MS. 2, 173%. Swer elliu dinc wil beforgen, der duuket mich der finne ain gouch. 58, 13. Swer ellia dinc beforgen wil, daz if alles leides zils Marner, ME. 2, 1752. Der eren fpiegel ill diu Scham, 63, 16. @ren befeme daz iſt fcham.

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C

Marner, ME. 2, 1756. Swelh fuhs fich fines mAlens fchamt, der muoz verderben doch. 438, 21. Als fich der vuhs müfens fchamt, heter gerne ein hoeher amt. Marner, MS. 1,1762. Ohfen kröne zimt niht wol. 439, 17. Swä der ohfe kröne treit, hänt din kelber werdecheit, Zabel zu N. Fuchs 295, 133. Swer farift, der ifl gerne vrö. Diut 1, 324 af vollem büche fät gerne vre- ltch houbet, Boner 63, 40. mage iſt vol, ſo finge ich wol. 125, 11. Vil dicke vrouwez houbet flät üf fatem büche, der den hät. Berth. 422. Der verhilt, der ift ein diep als wol als jener, der filt. 46, 23 Swä ein diep den andern hilt, dane weiz ich weder m& fiült. Berth. 216. Swes daz kint gewont, daz [elbe im näch dont (hängt ihn an; vgl. Wiener Jahrb. 1825. ©. 237). 108, 17. Den fite ein man unfanfte Jät, den er von jugent gewonet hät. Der v. Slierd, ME. 1, 4% Swä brinnet mines gebfiren waut, vürhte ich [chaden ze hant. 122. 5: Swä brinnet mins gebfires want, vürhte ich miuer ze hant. Rumelant, Amgb. 11b. Mit zagel weifet fumellch hunt vriuntlichen äne ınäze, der wich doch unverfchuldes gerne biz33e: den muoʒ ich fireichen, daz er finer bös- heit mich erläze. er wznet daz ich fiuer fchalcheit niht enwizze. 138, 7. Mau fol freichen gevzren hunt,

»

daz er iht grine zaller ftunt. Anhang d in der Handfhrift A. Bl. 196. Nu merker, wzr diu funne min, ir müeliet zinufen alle ir fchin, wa3zer unt luft ift uns gemeine, [wer diu ſolte erkou- fen gar, der müelie diugen kleine. 76, 10. Möchtens uns der funnen fchiu verbieten, wint unde regen, man müelen zins mit golde wegen. Troj. Kr. 11728. Ein Arö, daz bi dem fiure lit, daz wirt enzündet lihter an denne ob ez dort hin dan von im gelegen ware. Morolf 2, 434— 35. Swer firö nähe zem fiure tuot, lihte zündet ez fich an. Kit. 5871. wan fich ein firö bi fiure gerne enbrennet. 1231, 2 Swä viur it bi dem firö, daz brinnet lihte, kumt ez fö, Troj. Kr. 1304853. Ich here wife liute jehen und fi gemeine Sprechen, daʒ finen Schaden rechen vil manger dicke welle, der mit der räche velle fich in groezer uugemach. Troj. fir. 18955 —58. Man fol die räche iniden diu fchaden Af den rücke ladet: [wer allö richet, daʒ er fchadet im felben, der ift wife niht, 65, 8 Swer fin leit fo richet, daz er fich Selbe erfiichet, der hät fich übele gerochen, daz er fich felben hät erfiochen. Morolf 2, 403: Nieman fol des Schaden (Il. fchame) han, fwaz er mit êren mac begän. 53,9, Swä von ein ınan fin ére hät, fchauıt er fich des, deift milſeidt. ME. 1, 24%. Verboten wazzer bezzer fint den oflen wis, des herich jeheu.

| ı J + 436, 9. Verfiolniu wa33er fitezer fint, denn offen win, jehent diu kint. MS. 1, 37a. Er ift unuütze lebende, fwer alles gefa- gen wil daz:er weiz. 74, 27. Seit ich halbez daz ich weiz, fd müeflich bäwen vremden kreiz, ME. 1, 88%. Zwein ein man niht dienen kan, 50, 6. Swer zwein herren dienen fol, der bedarf gelückes wol ME. 1,88%. Nieman in allen mag eben wol gevallen, 133, 5. Swer den liuten allen wol wil gevallen, armen unde richen muoz er fich gelichen, den übelen unt den guoten, den tören unt den fruoten. Konrad von Würzburg, MS. 2, 2056. Ein trüt gefelle ift bezzer danne vil unholder mäge, 95, 16. Gemachet vriunt ze nöt beflät, lihte ein mäc den andern lat. Frib. Trift. 317 19. Ouch ift ez als daz Sprichwort fagt, vremde fcheidet herzenliep, machet fiate mau- gen diep. Vgl. oben xcı die Stelle aus Eraclius. 105, 3: Vremde fcheidet herzeliep : fiate machet manegen diep. Frib. Triſt. 4845 —48 Wan manec dinc verdirbet, des mau niht enwirbet: daz niemer verdürbe, der es mit vlize würbe Die erfte Hälfte auch ſchon bei Walther 106, 15. 16. (und Koloez. 100): waz (l. wan) vil verdirbet, des man niht enwirbet. Liederſ. 3, 175. Maue dinc verdirbet, des ımau zem ernfi niht wirbet.

ciui

Flore 3799 802. Gelücke nieman widervert wanne der dar näch wirbet: manec dino verdirhet, daz wol werden möhte. Geb, Frank Sprichw. 1, 22. 51b. 2, 9b, 68. Bil verdirbt das man nit wirbt. Freidank bat dies ſes Sprichwort parodiert. 478, 2 Manec man erfürbet, ' dar näch als er wirbet: der'niemer übele erfürbe,

ober rehte würbe, Tit. 6003. LA mir wazzer widerberges wallen.unt von dem herzen ü3 durch ougen fliezen. Tit. 6070 (vgl. Tit. 47. Lohengt. 8). Sus wolden die geprifeten ir val der fdle erwenden, ze berge fie wazzer wileten mit triuwen reine, daz in diu ougen hlenden begunden. Meinfr. 896. Vou [endes herzen grunde die heizen trehene wielen ze berge. Yngedr. Gediht. Der brunne ſines herzen alſò höhe er üf erdöʒ, daz zuo den ougen ü3 flöz ein bach in mildeclicher vluot, Reinm. von Zweter fagt (MS. 2,1232) ähnlich ‘nicht bloß das Waſſer der Taufe waͤſcht die Sünde ab, auch noch ein zweites, daz dur ongen loufet unt diu wangen betroufer, Und (ME. 2, 1542), ein brunne ü3 herzen grunde gät, der vor der heizen helle vil manic f&le behüetet hät. er diuzet in die hehe: fich freut fin allez menfchlich her: fin unde die fint finewel: er fliuzet in der riuwen pfat, und ift dur ougen fnel, er ift vor Crifies muoter noch breiter danne daz wilde lebernıer.

35, 1%. 80 wazzer df za herge gät,

mac des fünders werden rat:

ich mein ſo'ʒ vliuzet tougen

vonme herzen üf zen ougenı.

cav

Ottokar von Horneck 378%. Nie kein man ſ0 ebene ge- faz, im gebrefie eteswaz. 73, 22. ebeue nie kein küneo gefaz, . im würre dannoch eteswaz. Hug v. Langenitein Martina 2916. Dämuot den gewalt, blüemet. 29, 7. riche dêmuot minnet got.

"Zehn Gebote der Minne (Docen Misc. 2, 187). Ob daz nüı got gefüeget hät, daz ich der werlde mifletät unt daz Job erkenne: mifletuon ich felbe denne, ſo volge (ich) dem ([. den). von Afleuberc , der wort fiut wife, tump ir werc,

82, 8 Wifin wort unt tumbiu wero diu habent die vou Gouchesberc. Dietr. Flucht 6959. Ein fiat ertwinget ein lant. 79, 23. Ein burc ein lant betwinget. . Liederf. 2, 516. Sö6 man den hunt wil henken, man fpricht er fi ein ledervraz, der doch nie deheinez gaz. 4138, 17. Der hunt hät leder gez3zen, ſô man dieuftes wil vergezzen. Kolocz. 97, 19. 20. Wan mit den guoten wirt man guot, uut bafe bi dem, der be«eflich tuot. 407, 10. Man wirt bi guoten liuten guot, bi deme bœſe, der übel tuot.

Kolocz. 106, 346 47. Der dorn vil fchener röfen birt,

des fiechen doch vil fere [wirt 420, 23. Manec dorn fchene bluomen birt, des fiechen doch vil fere fwirt.

Liederf. 3, 31. Bezzer ift ein ficher muot mit fride denn aller keifer guot.

179, 2: Armer liute reinen muot

ey

næm ich vür aller keifer guot.

Wigam. 1070. Der hunger was ir beider koch, 124, 17. Der hunger iſt der beffe koch, der ie wart oder wirdet noch.

Hierher gehören noch die in den Anmerkungen (1, 10, 26, 4— 27. 40,13. 14 41, 2 7. 49, 17. 18. 56, 13. 14. 62, 24. 64, 4.5. 65,8 11-..66, 19.120. 69, 9—1% 74, 4 90, 19 - 22. 100, 20. 21. 104, 17, 18. 104, 26. 27: 105, 1.2. 106, 20. 21. 112, 3. 4. 114,2. 114, 9. 10. 116,1. 2. 116, 21. 22. 417, 21. 72. 118, 23. 24: 125, 23. 126, 2. 126, 11. 22. 127, 11. 130, 26: 27. 164, 3 4 165, 19 20.) erörterten oder im verfhiedenartigen Aeußerungen nachgewieſenen Sprichwörter.

Einiges, das wohl aus dem römifhen Alterthume ftammt, mochte längft ins Leben übergegangen feyn, und iſt ſchwer⸗ lich aus der Duelle ſelbſt geholt. Aus Catos Diftihen kann ih nur einen einzigen Spruch anführen (2, 10), corporis exigui noli contemnere vires, confilio pollet cui vim natura negavit.

80, 26. Swä diu witze weſen [ol,

diuft in kleinen liuten wol,

unt midet manegen grözen man

der witze niht gepflegen kan. Die Redensart laterem lavare, die Terenz (Phorm. 1. 4, 9) von unnügen Zeit verderbenden Handlungen gebraucht, erſcheint ganz einheimifch,

88, 15. Den ziegel und den hoſen man

nieman volle walchen kan. Ehenfo das befannte patria eft ubicuuque efi bene (Cic. Tusc. 5 37):

cs

97, 14- Dem falde unt dre wirt befchert, der ift da heime, fiıvar er vert. Des Kaiſers Auguſt Wahlſpruch, orevde Pgadluc (Suet- 25), Eil mit weil, nicht übereiP (Seh. Frank 2, 635)’ lautet bier 416, 21. Unrehtiu gzhe fchaden tuot: reht gebite diu ilt guot.

Die Warnung, die Horaz (ep- 1, 18, 84) ertheilt, nam tua res agitur, paries cum proximus ardet, und Kaifer Friedrich IL in einem Briefe nad) dem Banne (Matth. Paris 3 J. 1228) geltend machte, findet fi, wie vorhin fchon ber merkt ift, auch bei Freidank (122, 5.6) und einem andern Dichter. Das noch heute gebraͤuchliche Waſſer in die Eee tragen? (Sreid. 77, 16. 17) bat fon Ovid (Tri. 5. 6, 44), aquas fundere in mare,

Es gibt Betrachtungen, die fo einfach und nahe liegend find daß fie feinem Zeitalter entgehen, und die Weberliefes rung dabei nicht wirkfam zu feyn braucht. Wenn es z. B. heißt

96, 7. Manec man vil vriunde hät,

die wile fin dinc ebene gät:

unt hät doch undr in allen

vil lützel nötgeltallen, Vgl. 41, 2— 6.

fo ftimmt das mit den befannten Worten Ovids (Tri. 4.9,56) donec eris felix, multos numerabis amicos, tempora fi fuerint nubila, folus eris, uͤberein, und iſt doch fchiwerlich von ihm erborgt; ebenfo hat Juvenals Spruch (Sat. 8, 20) Tota licet veteres exornent undique cers atria, nobilitas fola eft et unica virtus nicht erft den deutfchen (54, 6) [wer tugende hät derfi wol geborn, oder das römiiche ortus unius alterius interitus (Erasm.

CcYH

adagia 560) Freidanfs (115, 26. 27) Swä ein künne füget, daz ander niderfiget veranlagt. (Bol. oben uxxıv, xcrıe) Noch weniger iſt anzunehmen dab die Wahrheit 124, 144 Swelch hüs m& wirte hät dan einen, daz hüs zergät. nicht unabhängig won dem homerifhen Spruch (Il. 8.204 5) el; zoigavog dor, eis Baoskevs tonnte erkannt feyn.

Ein beträchtlicher Theil von Freidanks Sprüchen bat bis in unſere Zeit fortgedauert, und fein Werk ift von allen Dentmälern des Mittelalters das einzige, von welchem man rühmen kann daß es den Anklang im Leben nicht verloren babe. Das meifte mag dem ganzen Vaterlande gemein feyn, ein Theil nur Suͤddeutſchland, einiges den engern Kreißen von Freidanks naͤchſter Heimat angehören. Wer bie in Vaiern von Sailer (1810), in der Schweiz von Kitchhofer (1824) gefammelten Sprichwörter vergleicht, wird häufig Sinn und Worte übereinftimmend finden. Beiſpiele fcheinen mir uͤberfluͤſſſg, nur aus Kirchhofer (S.132) hebe ih eis nen Spruch hervor, ‘wie bad Geld im Beutel Klingt, bie Seele in den Himmel dringt’, denn bier wird mit moders um Wise auf die Seelmeſſe angewendet, was Kreidant (6, 1— 4) beſſer uud natürlicher auf falfhe Freundſchaft bezieht.

Es verdirbt viel Weisheit unter eines armen Mannes Nock fogt ein Sprichwort, und koͤnnte Damit fein eigenes Schiefal vers kündigen. Zwar werden Sammlungen, die wir aus verfchieden nen Theilen Deutfchlande befigen, feinen Untergang abwenden, allein aus der Sprache des Volke, zumal in ben Städten, ſchwindet und welkt ed in dem Grade hin, in welchem der farbloſe, unfinnlihe und abſtrakte Ausdruck uͤberhand

cviu

nimmt. Das warme Gefuͤhl erkaltet, weil die Sprache, oder, wie Luther ſie nennt, die Scheide darin das Meſſer des Geiſtes ftect, nicht feſt mehr ſich auſchließt ſondern in ab⸗ wehrenden ſchwebenden ungewiſſen Ausdruͤcken ſich gefaͤllt. So verfluͤchtigt ſich in ſcheinbarer Vergeiſtigung der poetiſche Beſtandtheil unſerer Gedanken und Betrachtungen, und bie friſche lebendige Anſchauung verſchrumpft wie ein bluͤ⸗ hendes Geſicht, das die Hand eines Elfen beruͤhrt hat. Noch naͤher unſerm Freidank, deſſen Werk nach Brants Bearbeitung zwiſchen 1508— 83 ſiebenmal aufgelegt ward, ftebt daher mit der gefunden Leiblichkeit feiner Sprade das fehszehnte Jahrhundert, auch wohl die erfie Halfte des fieben- zehnten vor der allgemeinen Erfchlaffung, die auf die Graͤuel des dreißigjährigen Kriegs folgte. Luthers Sprüde find durch J. A. Heufelee (1824) zufammengeftellt, Geilers von Kai⸗ fersberg durch Ammon (1826), anderer Männer jener Zeit durch Sailer in dem Anhange zu dem vorhin genannten Buche, Die Kiteratur der Sprichwoͤrter, die Nopitich (bis zum Jahre 4821) verzeichnet bat, überhebt mich der Muͤhe weitere Nach⸗ meifungen zu geben. Unter den Sammlungen des 15. und 16. Jahrh. zeichne ich nur drei aus, die von einander un⸗ abhängig in ziemlich gleichen. Swifchenrdumen veranftaltet wurden, die von Sebaſtian Frank (1541), Friedrih Petri (1605) und Ehriftoph Lehmann (1630). Von Petris fleißi⸗ gem Buche iſt nur eine Ausgabe bekannt, wie fehe bie beis den andern zu ihrer Seit gefchäpt wurden beweiſen wieder⸗ holte Auflagen. Leſſing gedachte (1770) Lehmanns Flori⸗ legium wieder einzuführen, Sebaſtian Frank ift neuerdings (1831) von Bernh. Guttenitein in neuer Bearbeitung, nicht, was wir gewünfcht hätten, in einem treuen Abdruck darge⸗ boten. Diefe drei Sammlungen bewahren einen Schatz deut:

CIX

ſcher Sprichwoͤrter; unter ihnen ſteht, wie in der Zeit ſo auch in geiſtreicher Behandlung und eckigem kraͤftigem Ausdruck, Seb. Frank voran, nur geht die Kraft haͤufig in die Derbheit ſeines Jahrhunderts uͤber, mit der Frei⸗ danks feinere Bildung ſich nicht vertragen haͤtte. Ich begnuͤge mich aus dieſer aͤlteren Sammlung, nach der Aus⸗ gabe von 1541, einige hierher gehoͤrige Beiſpiele anzufuͤhren. 1,3. Waſſer in Tonaw (2, 48 in Rhein) tragen (Freid. 77,16. 17). 1,4. Ein ziegel wachen (88, 15). 1, 150. Der ſchwanz zeugt vom fuchs (139, 2). 1, 16. Man Fennt den efel bi den ohren, bi den worten kennt man thoren (82,10.11). 1,16. Es iſt kein Kling, die herter ſchirt, dann fo ein betler gewaltig (1, 836. 88b zum herim) wirt 122, 11.19). 1,22 Vil ſchuͤß gehn mit fehl, etwa trift einer drunder; 2, 68. Oft ſchießen trift etwa das zil (128,22 24). 1,27. Den fand zeln (59,4). 1, 29. Der hunger iſt ein guter koch (124,17). -1, 31. 476. 87b- %. 2, 24. wen harte ftein mülen nie Klein (130, 24. 25). 1,43. Die größten raͤuber, find weiber wein und wuͤrfelſpil (48, 9—12). 1, 436. und 144. Wenn die maus vol iſt, {0 iſt das mel bitter 125,1.9. 1, 45b. Ein ſpatz in der band iſt beffer dann ein ſtork (71 ein rebhun) im luft (146, 13.14). 1, 476. Man fahet Fein fuchfen dann in eim fuchsbalg, oder 2,8. Man muß fuchs mit fuchs fahen (139, 3. 4,51. Das beft kompt felten hernach, es folgen im: mer zu böfer tag, oder 2,1145. Man ſpricht es wirt boͤ⸗ fer oder beſſer; weil aber das gluͤck ſinwel ift, und das beit felten hernach kompt, begibt es ſich vil eh, daß es -böfer dann beffer wird (114, 1.2). 1, 575. Su Igel und zu vil verdirbt ale fpil (61, 19.20). 1, 776 Mit fromkeit kompt man durchs lant und herwiber, mit Hegen und triegen Bine

|| | | —— —— —— ——

cx

dur, aber nicht widerumb (169, 24.25). 1,84. New befen feren wol (50, 12). 1,84. Den mantel henfen bar: nach der wind hergeht (115, 2.3). 1, 846. der beler macht den fteler (46, 23). 1, 886. Wie wee dem ift, der lieb fucht da feine fit (110, 1). 1, 90. 2, 88. Gedanken find zol⸗ frei (101, 6. 122,17). 1, 1185. Der famlet fparts eim andern man, oder 2,1125. Das fein ift nit fein, er ſparts eim andern (87, 20. 21). 1, 1406. Gorgen macht graw bar (58,7). 1, 1515. Klein mänlein feind eitel herz und feel (80, 26. 27), 2,6. Gejtolen waſſer find malvafier (136, 9. 10). 2, 43b Was zuerft in ein newen haven kompt, darnach ſchmecket er alweg (108, 15). 2, 44.1476. Wer fie bäte, wer weiß was fie thäte (104, 3.4). 2, 48. Auf ei: nem vollen bauch fteht ein frölich haupt (125, 11.19. 2, 66 Man fihet den man außen an, man weiß aber

‚nit was er innen Fan (116, 3: 4). 2, 8. Man man den

bund ſchlagen wil, fo bat er leder freffen (138, 17. 18). 2, 855. Stat und fund machen den dieb ftelen (105, A). 2, 1095. Wie man ruft oder dich grüßt, alfo antwort. Wie man in den wald fchreiet, fo fchalt es wieder heraus (124, 3.4). 2,4112. Wer wil wiffen wer er fey, der er-

zuͤrne feiner nachbauern zwen oder drei (62, 16.17). 2, 1126.

Sein gut heißt in nit herr (56, 15. 16). 2, 118. Der gutthat vergißt man bald, der übelthat gedenkt man lang (46, 3.4). 2,19. Der bat genug der ſich begnügen laßt und nit mehr begert (43, 7 11). Noch merke ih In Beziehung. auf die Einleitung zu N. Fuchs LIU an daß bei Lehmann (211) und Sailer (60) Freidanks Spruh vom Eſel (140, 3. 4) faft wörtlich vorkommt.

Auf eine Vergleichung Freidanks mit den Sprichwoͤrtern anderer Völker Laffe ich mich nit ein, weil fie mich nöthie

CXI

gen wuͤrde die natuͤrlichen Grenzen dieſes Buches zu uͤber⸗ ſchreiten, ſo wenig ich den Nutzen einer ſolchen Arbeit ver⸗ kenne. In Gedanken und Ausdruck ſtehen die griechiſchen und roͤmiſchen Sprichwoͤrter aus aͤlterer Zeit den deutſchen nahe (vgl. Zeil Ferienſchriften 1, 93 —424), Beiſpiele von völliger Uebereinſtimmung find vorhin angeführt. Am mei⸗ ften Aufmerkfamfeit verdienen wohl die finnvollen Sprüche, die ans nordifher Worzeit die Edda vorzüglih in Haͤvamal bewahrt: fie find aber fhon zu dunkel geworden um aus⸗ führliher Erläuterungen entbehren zu Eonnen. Die Samm⸗ lung, welche Beda zugefchrieben wird, enthalt meijt nur Aus: züge aus der heil. Schrift,. den griedifhen und lateinifhen Schriftftelern, gewährt mithin fait nichts für unfern Zweck. Reichlicher fließt die Duelle in altfranzöfifhen „Gedichten, zumal wenn mit der Meberarbeitung der Sage bereits die Betrachtung eingetreten it, denn das reinere Epos, lediglich friſcher Darftelung zugewendet, pflegt das Sprihwort nur ſparſam, bei ungefuchter Veranlaffung vorzubringen. Wollte man den Blick weiter bis zu den Sentenzen liebenden Ara- been und dem Oriente überhaupt ausdehnen, fo würden Anklänge aͤhnlicher, ſelbſt Beiſpiele völlig uͤbereinſtimmender Sprichwoͤrter kaum fehlen. Warum ſollte der wunderbare Zuſammmenhang in der Entwickelung des Geiſtes, den wir zwiſchen edlen Voͤlkern auch da, wo wir ihn nicht aͤußerlich erklaͤen koͤnnen, bemerken, bier gerade ſich verlaͤugnen?

13. Wuͤrdigung des Gedichts.

Nachdem dieſe Unterſuchungen beendigt ſind, habe ich fteie Haͤnde, und darf ungeſtoͤrt das Gedicht als ein für

CXII

ſich beſtehendes Ganzes in ſeinem unabhaͤngigen Werthe uͤber⸗ ſchauen. Freidank nennt es BESCHEIDENHEIT, weil es über den fittlihen und religiöfen, den öffentlihen und haͤus⸗ lichen Zuftand der Gegenwart Auffchluß und Beſcheid ertbei: len foll.

Sreidants Zeit war bei dem Zwiefpalte ber geiftlicen und weltlihen Macht in ihren Grundfeſten erfchüttert, fie Eonnte dem Zweifel nicht mehr entgehen, und ungewiß mel: eu Weg fie wählen folte, gab felbftfüchtige aber Erdftige Derfönlichkeit oft den Ausſchlag. Doch in dem unabwend⸗ baren gemwaltfamen Kampfe wurden alle Säfte, gelitige wie leiblihe, mehr als je aufgeregt und in Anſpruch genommen. Verdient das Bild, welches der Dichter und vorbält, Vertrauen, fo muß man dem Geifte diefer Zeit Friſche und Muth, Freiheit und Tiefe zufchrelben, und rühmend anerkennen daß er nicht in der Betrachtung des @inzelnen fich verlor, fondern in lebendiger Ausbreitung nad Erkenntnis des ganzen menfchlihen Daſeyns ſtrebte. Waͤre auch die Stellung Freidanks, die wir nicht Fennen, eine un: tergeordnete gewefen, der Kreiß, den er uͤberſchaut, iſt kei⸗ neswegs beſchraͤnkt: das große wie das Kleine berührt er, faft alles, wovon das Leben damals erfüllt war. Und wie geiſtreich thut er es, wie unbefangen und wie frei von ein feitigen Richtungen! die aleingältige Wahrheit war noch nicht entdeckt, gerne laͤßt er verfhiebene Meinungen zu Worte kommen, und zeigt faft immer Mäßlgung, Billigkeit und jene wohlmeinende Ironie, die denen eigen zu feyn pflegt, vor welchen fih die Crfahtungen eines langen, vielfach be: wegten Lebens ausbreiten. Selbſt da wo fein Eifer ihn zu ſcharfen und heftigen Aeußerungen treibt erbittert er nicht, weil er nicht felbit urtheilt, fondern Die Entfheidung aus

CXIII

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den alten Sprüchen des Volks holt, bie ohne Anſehn der Perfon und ohne Leidenfchaft richten. Aber das ift das We⸗ fen der Poefie, daß fie laͤutert und reinigt mas fie in fi aufnimmt und ans menſchlicher Beſchraͤnkung erhebt. Zunaͤchſt ift die Vetrahtung den hoͤchſten Angelegenhei: ten des Lebens zugewendet. Schon vorhin iſt dargelegt auf welche Weiſe Freidank religiöfen und überfinnlichen Dingen fih nähert. Auch ihn bewegen die Fragen, die den Geiſt des Menſchen, feit er zum Bewußtſeyn gelangt iſt, umla⸗ gert haben. Er beantwortet fie den Lehren feiner Zeit ge⸗ maͤß, oder er lehnt ihre Beantwortung ab. Cr ermdat dus Unergriindliche in der menſchlichen Eeele und ihren rath: felhaften Zuſammenhang mit dem Körper, die durchbrechende Neigung zum Voͤſen, das Täufchende des außern Scheins, das Hinfälige des Srdifhen und der Schönheit, auf welche Tod. und Vernichtung lanern. Er gedenkt derjenigen, die ' fh den Wundern des Chriftenthums- niemals zugewendet haben, wie derjenigen, die ihm wieder abgefallen find. -Dag ganze Treiben der Welt, fagt er, beitehe darin, daß fie dfter und fhlechter werde. Bei Betrachtung der Sünde kehrt er immer zu der Warnung zuruͤck, die Buße nicht aufzuſchie⸗ ben, wie fo vielen gelüfte: Reue allein fey der Suͤnde Tod, und ihre Kraft fo groß daß Gott durch die Bewegung der Himmel ben leifen Fluß der Thräne vernehme, die von dem Herzen in die Augen des Reuigen auffteige. Uebermuth fcheint Ihm das größte Lafter feiner Zeit, das allerdings unter den damaligen Umftänden, wo jeder fih unabhängig zu ma⸗ hen Arebte, und die natürlichen Bande des Gehorfams locker Wurden, vorzugsweife gedeihen mochte. Höchvart' nennt er die Königin der Hölle, und iſt unerfchöpflid in ſinnreicher Veſchreibung ihrer mannigfalligen Arußerungen.

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Wenn Freidank von ben frdifhen Gemalten redet, fo muͤſſen wir feine politifhe Stellung bedenten: Er war ein Gibelline, und wie jeder, der Partei nimmt, von Einfeitig- keit nicht frei, aber Durch die Anhanglichkeit an den Kaifer, die als ein natürlihes und angeborned Eefühl in ihm erfcheint, ward, einzelner heftiger Aeußerungen ungeachtet, die Chrerbietung vor dem Pabſte nicht geftört: er möchte gerne den Kampf zwiſchen beiden, Der eben zu fihtbarem Nachtheile des Chriſtenthums den höcften Gipfel erreicht hatte, befänftigt fehen. Deutfchland begann Damals wie ein Baum, an dem ein Jahrtaufend voräber gegangen ift, in den Aeften abzufterben: noch ftieg Lebensfaft in dem Stamme aufwärts, und trieb grünes Laubwerk hervor, das der milde Athen der Poefie beivegte, aber in dem trüben Bilde, dad ber Dichter von dem innern Zuſtande bes MWaterlandes ent- wirft, fehen mir bie Zeit herannaben, die ein großer aber gewaltfamer Geijt, wie Friedrich IT. war, noch heftiger zum Biele trieb, wo die Krone verdorrt, und der völlige Umſturz droht, welhen zu verhindern Rudolf von Habsburg doch nur Aufere Mittel anwenden founte. Wir aber dürfen uns nicht- über eine Zeit erheben, die, noch nicht wurzellos, im dem Zufammenhang mit der Vergangenheit ihre Grundlage fühlte, und bei fallen Gebrehen und dem Verderbnis im einzelnen von einem gemeinfamen Geifte durchdrungen wat, in welhem das’treffliche, das den Dentfhen niemals ganz gefehlt Bat, noch Zuſtimmung und Mitgefühl fand. Unfer Zuftand ift jenem fait entgegengefegt: das gute, felbit das herrliche, befißen wir vereinzelt, aber dad Ganze ift Falk und hart, und unfere Poeſie, die kein gemelnfamer Geiſt empfängt und mittheilt, iſt Klanglos geworden‘, und tönt nicht in den. Seelen ber Menfchen wider.

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Den größten Theil des Gedichte erfüllt die Betrachtung des bürgerlichen Lebens in feinen verfchiedenen Erſcheinungen und Abitufungen. Freidank handelt von Fürfien, Herrn und Knehten, Nittern, Bauern, von den Frauen, der Che, den Kindern; von Sreundfhaft, Ruhm und Ehre, Alter und Jugend, Armuth, Krankheit, Sorgen; er fpridt von ben Laſtern »des Geiges, des Zorned, der Mißgunft; von Zeunfenbolden, Wucherern, Dieben, Spielern. Thiere und Plenzen find Gegenſtand feiner Betrachtung, und das ei: gene Herz bat er nicht ausgeſchloſſen, denn ex klagt daß er ſich ſelbſt mehr Leid zufüge als die ganze Welt. Das kraͤf⸗ tige Gebet, womit er fließt, fpricht die Bitte aus, daß ihm verliehen werde Gott und ſich felbit zu erkennen. Im biefem Theile herrſcht das Ethiſche, das fih auch in dem hiſtoriſchen Stellen nicht verldugnet, entfchleden vos, aber Freidank ſiukt niemals zu trockner altkluger Lehre herab: er hat die Theilnahme für die Welt bei voller Erkenntnis ibter Gebrechlichkeit nicht aufgegeben, noch an jener Troſt⸗ loſigkeit Gefallen, in welche Sittenprediger gewöhnlich ſich verlieren. Seine Gedanken ſind der freie, ungeſuchte Aus⸗ deut feines Geiſtes. Ein auf dem Wege gelehrten Nach⸗ denlens entſtandenes Merk wuͤrde anders abgefaßt, vielleicht vollſtaͤndiger geworden ſeyn, aber eben darin liegt ein ent⸗ ſchiedener Vorzug des unfrigen, daß es, unbeforgt um ſoſte⸗ matiſche Wonftändigkeit, raſch aus der eritien Quelle gefchöpft iſt: manches war gewiß noch hinzuzufügen, häfte Freidank daran gedacht, wie geringe Beifter pflegen, feine Schäge bie “uf den Tegten Heller hinzuzaͤhlen. Gr war eim hoͤfiſcher Dichter, und auch darin verläugnet fich feine Bildung nicht, daß er bei aller Kraft des Ausbrudes niemals die Linie des Anſtandes überfchreitet, fo wenig er fih auf der andern Seite

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zu Ueberladung und geſuchter Zierlichkeit verleiten laͤßt. ueberhaupt zeigt er ſich frei von den Uebertreibungen, wel⸗ chen auch jenes Zeitalter nicht entgieng. Was er z. B. uͤber Frauen und Minne ſagt iſt wohl den Anſichten der edlern Minneſaͤnger (vgl. Uhlands Walther 64 76) gemaͤß, enthaͤlt aber keine Spur von der widerwaͤrtigen, wahrer Empfindung ſich entfremdenden Steigerung des Frauen⸗ dienſtes, die bei Lichtenſtein nicht ſelten das abgeſchmackte beruͤhrt.

Das Anſehn in welchem das Gedicht durch das ganze drei⸗ zehnte Jahrhundert ſtand wuͤrde ſich ſchon durch ſeinen inne⸗ ren Werth erklaͤren laſſen, war aber auch eine Folge der beſonderen Miſchung ſeiner Beſtandtheile. Das Sprichwort, das gleich einem Funken bei unerwarteter Beruͤhrung dem Geiſte entlockt wird, druͤckt ohne Vorbereitung und Nach: ſinnen das Gefuͤhl und Urtheil des ganzen Volkes aus, mit dem es beides Wahrheit und Irrthum theilt, und braucht, da es den Ertrag langer Erfahrung enthält, feinen Ausfprü- fhen nicht erft Gingang zu verfchaffen. Diefes gemeinfame, Deutſchland überhaupt zugehörige iſt der eine Beſtandtheil, der, andere iſt Freidanks eigener Geift, der das überlieferte geſam⸗ melt und geläutert hat. Darf ic ein Gleichnis gebrauchen, fo bat er eine wild und frei firömende Quelle durch bie Einfaſ⸗ ung mit Werkitüden in einen zugänglichen Brunnen verwan⸗ delt, aus dem man ohne Mühe fchönft. Sch weiß Fein Gedicht des 13 Jahrh., überhaupt der altdeutfchen Literatur, Das ihm zur Seite geſetzt werden koͤnnte, etwa die wenigen Sprüde Spervogeld ausgenommen, der noch in das 12. Jahrh. ge: bört. Nicht lange vor Freidank (1216) batten Tomaflin im welſchen Safte, und in mweiterm Abftande, gerade am Schluß des Jahrhunderts, Hugo von Trimberg im Nenner Gitten:

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gedichte beabſichtiget. Aber beide Werke ſtehen an poeti⸗ ſchem Werthe noch weiter gegen Freidank zuruͤck als ſie an aͤußerem Umfange (der welſche Saft zählt über 14000, Mens ner wenigftend 20000 Verſe) ihm voraus find. Sn dem welihen Gaſte glaube ich den undentfhen Dichter (Tomaſſin war ans Friaul gebürtig) zu erfennen: man kann nicht ber haupten daß was er fagt unverftändig ſey, auch weiß er ſich geläufig auszudruͤcken, aber es herrſcht eine fo gleichfoͤrmige Geiftlofigkeit darin, daß in dem breiten Strome der Rede die Poeſie auch nicht ein einziges mal auftaudt. Hugo von Trimberg bringt treuhersig vor was ihm gerade einfällt, ohne Auswahl der Gedanken und Worte: aus Freidank bat er fih einigen Schmuck geborgt, auch manchen guten Spruch aus dem Wolfe aufgenommen, endlich das lange Gedicht durch eine beträchtliche Anzahl natürlich und gut erzählter Fabeln, wovon die vorhin mitgetheilten von dem Maulthier und der Taube ein Beifpiel abgeben Tünnen, angenehm erfriſcht: als lein feine moralifhen Betrachtungen haben zu wenig Geift und Tiefe, als daß fie die zaͤhe Beharrlichkeit, mit der er jeden einmal gefaßten Gedanken fejihält, beleben Eönnten. Unvergleichbar höher, ohne Zweifel auch der Zeit nach Frei⸗ dank näher, ftehen die Lehren ded Winsbele und der Wing: befin: der Water dufert eine ritterlich fromme, die Mutter eine zarte weiblihe Gefinnung, aber es fehlt was das Sprichwort auszeichnet, Glanz und Behendigkeit des Gedan⸗ tens. Als Zeitgenofien Freidants, wenn fie ihn auch übers leben mochten, kann man Reinmar von Zweter, den Mat: ner und den Bruder Wernher betradhten: fie muͤſſen wenig» jtend neben ihm genannt werden, weil fie bei auffallender Uebereinſtimmung der Anſichten fi ziemlich in demſelben Kreiße der Betrachtungen bewegen, obgleih fie durch Die

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ſtrophiſche Behandlung, die groͤßere Ausfuͤhrlichkeit, uͤber⸗ haupt andern Ton und Farbe noͤthig macht, von ihm, dem ich uͤberhaupt friſchere Natuͤrlichkeit beilege, beſtimmt ſich unterſcheiden. Sonſt ſind dieſe drei Dichter, zumal Reinmar, ſinnvolle gedankenreiche Maͤnner, die nur mit allzugroßem, ſchon bei Walther beginnendem Haften an der Wirklichkeit der Poeſie die Fluͤgel binden und ſie auf einen Weg noͤthi⸗ gen wollen, den ſie ungerne wandelt. Man hat, wenn man ihre Gedichte Heft, fhon ein Vorgefuͤhl von der Bleifchwerer die in allmähliger Zunahme endlich bei den ſpaͤtern Meifter- fängern die Poeſie gänzlich erdrüdte. Ich habe zwiſchen ih⸗ nen und Freidank eine folhe Webereinfiimmung gefunden, aus der man folgern dürfte, daß fie fein Gedicht, er bie ihrigen gefannt habe. Won dem Merhältnife Walthers von der Vogelweide zu Freidank wird hernach die Rede feyn.

Es Kann jegt erft richtig verftanden werden, wenn ih ein paar ins einzelne gehende Bemerkungen über die Weiſe, wie Freidank feine Quellen benutzt hat, Hinzufüge Man wird fih durch Vergleichung überzeugen daß er die bibli- fhen Stellen frei behandelte und ſich an den Tert nicht band, Warnm er Prov. 13, 15. 16. abweicht und daß er, um den Anftand nicht zu verlegen, abweichen mußte, leuch- tet ein: allein er hat diefer Ruͤckſicht zu gefallen den Zu⸗ fammenhang der Stelle geftört und nicht gefagt was das vierte fey, dem niemald genug koͤnne zugetragen werben. Daß Freidank den biblifchen Tert hier gar nicht im Sinne ge: babe iſt möglich, doch nicht wahrfcheinlih, da dies nicht bie einzige daraus entnommene Stelle iſt. Ich mache dieſe Bes merfung weil der Eprucy mit folder Abänderung fchon laͤngſt hatte Fönnen Gemeingut geworden feyn, wenigitens In einem früheren angelſaͤchſiſchen Wert (Thorpe aualecta anglofax-

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99), das ein Geſpraͤch zwiſchen Saturn und Salomon ent: hält, wird auf die Frage nach den vier unerfättlihen Din: gen auch nicht der Bibel gemäß geantwortet, fondern Erde, Feuer, Hölle, der geißige Menfch genannt, Vgl. Amgb. 346. Bel andern Stellen war Fein fo trifftiger Anlaß zum ab: ändern: bloß um die Zeile auszufüllen, erlaubt ſich Freidank Prov.30, 18-19. Matth. 5,42. 43. einen übrigens nicht unpaſ⸗ enden Zuſatz, und viam aquile überfeht er des wien vluc, wenn nicht das wörtliche des arem durch die Schuld der Ab⸗ ſchreiber verſchwunden iſt. Völlig frei iſt Prov.27, 10. Matth. 43, 57. übertragen, doch dem Sinne angemeffen. Diefe Bei: fpiele find wichtig, weil wir Freidanfs Art und Weile dar: aus kennen lernen, denn warum follten wir nicht fchließen daß er bei den volksmaͤßigen Sprüchen, wo Fein feft beftimm: tee Tert wie bei der Bibel vorhanden war, mindeftens mit gleicher, wahrſcheinlich mit noch größerer Sreiheit verfahren ſey? Die anderwärts gefundenen, dem Sinne nach ent: ſprechenden Stellen können feinen völlig entfcheidenden Beweis liefern, allein es kommt doc ein Fall vor, ber Freidanks Cigenmächtigkeit fehr beftimmt dar thut, wenn ich mich nam: lich in der Behauptung nicht irre, daß er einmal einen volksmaͤßigen Spruch, ben mir in echter Geitalt aus Wal: ther und Heinrich von Feeiberg Fennen (oben cr. crır.), pa⸗ todiert habe. Nach meiner Meinung bat Freidant nad Wohlgefallen das Rohe entfernt, das Anſtoͤßige gemildert, dad Sinnreiche des Gedankens felbit gefteigert. Genoͤthigt ſogar wurde er zu nicht unbedeutenden Abaͤnderungen in den nicht ſeltenen Faͤllen, wo er den vollkommenen Reim, der zu feiner Zeit bei den hoͤfiſchen Dichtern feſte Regel ges worden war, exit einführen mußte. Auch finden fich Bei: ſpiele, die hernach ſollen angeführt werden, wo er felbit ei:

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nen Gedanken nochmals in anderer Faſſung vorbringt. Dazu kommt daß mir bei fruͤheren bis jetzt keine zwei woͤrtlich uͤbereinſtimmende Zeilen begegnet ſind. Freidank hat eine Umpraͤgung des edlen Metalls vorgenommen, das durch den neuen etwas feiner geſchnittenen Stempel nichts an innerm Gehalte verlor. Erborgt von ihm, ſchließe ich aus dieſem Verhaͤltnis, iſt bei ſpaͤteren ein Spruch, ſobald ſich woͤrtliche Uebereinſtimmung zeigt, wie im Nenner und in Boners Fa⸗ bein; als weiteres Beiſpiel führe ich die ſechs Schlußverſe in dem Gedichte von der Minne (Fragm. und Flein. Ged. 33, 43— 48) an, welde ohne Zweifel aus Freid. 100, 22. 23. 100, 4: 5. 101, 3, 4. genommen find.

Auf diefe Bemerkungen gründe ich die Behauptung daß dem Dichter auf das im Ganzen allerdings überlieferte Gedicht noch ein befonderes Eigenthumsrecht muß beigelegt werden. Cine nicht bloß durch die volksmaͤßige Grundlage zu erlangende Einheit, ein eigenthämlicher Beigeſchmack, der eine beftimmte Perfönlichkeit voransfegt, geht dDurd das Ganze bin. Einige auf die Natur des Meers hinweiſende Sprüde, “niemand Tonne es überwaten (132, 20), wie viel ihm zufließe, es vers lange immer mehr Waffer (41, 20), ihm bringe es keinen Mortheil, wenn eine Gang dad Waller fpare? (41,12), am deutlichften die Bemerkung daz mer ilt tief unde naz, doch büezet durfi ein brunue baz (114, 17), f&heinen mir bie lebendige Anfhauung, zu welder der Dichter bei der Ueber: fahrt nach Syrien gelangte, zu verrathen. Aber genau zu fheiden was von Freidanf felbft Herrührt, was er bloß der Veberlieferung verdankt, wird nicht leicht möglich feyn: die Mifhung beider Beftandtheile mag in allen Graben ftatt gefunden haben. Diefe Fortbildung fit dem üppigen Triebe eines in fruchtbaren Boden verpflanzten Baumes zu

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vergleichen: die Wurzel iſt geblieben, Farbe und Geſtalt des Ganzen hat ſich nicht weſentlich veraͤndert, ſie iſt nur erhoͤht und gereinigt worden. Das ſubtile und abſtracte, das hier und da zum Vorſchein kommt, moͤchte dem Dichter allein zus sehören, in dem derben und finnlihen aber das volfämäßige Element fih bewähren.

414. Aeußere Form.

Es bleibt noch einiges in Beziehung auf die aͤußere Form anzumerken. Freidank hat einigemal denſelben Spruch auf verſchiedene Weiſe ausgedruͤckt, wie ich glaube, aus einer na⸗ tuͤrlichen, von pedantiſchen Ruͤckſichten freien Unbekuͤmmert⸗ heit, die eher Lob als Tadel verdient. Geringe, doch nicht gleihgüftige Verſchiedenheit findet ſtatt zwiſchen 2, 12. 13. und 3, 14.125 31, 12. 13 und 92, 3.45 54,6 umd 64, 135 85, 25» 26 und 97, 18. 195 92, 17. 18 und 106, 46. 175 96, 21. 22 und 100, 10. 115 100, 20. 21 und 100, 24.25. Gänzlihe Verſchiedenheit des Augdrucks bei ähnlis Gem Inhalte zwiſchen 3, 7. 8 und 5, 7—10;5 40, 11-12 und 43,20. 245 41, 16-17 und 9%, 7.85 42, 27. 43,1 und 44, 13. 145 407, 14 19 und 108, 19. 20, welcher Gedanke auch, doch in fehr eigener Wendung 33, 6. 7 zu Grunde liegt; niemals möchte man bier eins um das andere hiugeben. Ausfuͤhrlicher jteht 65, 22— 25 was ſchon 65, 12. 13. vorfam, und mit 42, 3—6 iſt 73, 6. 7 verwandt. In auderm Zufammenhange fteht 13, 3. 4 nochmals 20, 16. 17, ferner 110, 25. 26 nochmal 178, 22. 23, und den⸗ ſelben Gedanken enthält auch 3, 135 wiederholt iſt 132, 26 133, 4 mit neuer Beziehung 158, 14—19. Diefelbe Zeile it dreimal (10, 5- 204 19- 180,15) in verſchiedener Verbin: dung vorgebracht. Aeußerlich aͤhnliche Auffaſſung völlig vers

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ſchiedener Gedanken 68, 22—25 und 129, 27—130, 3. 116, 17. 18 und 120, 25. 26.

Da nur einmal, wenn ich nichts uͤberſehen habe, 64, 12- 13 vereinzelte Zeilen vorfommen, fo bin ich zweifelhaft, ob diefe Abweichung von der Regel, wonach wenigftens ein Nein: paar zu einen Spruch gehört, nicht durch Verderbnis des Tertes enfitanden iſt.

In der Form des Sprichworts herrſcht freie Mannigfaltig⸗ keit. Entweder iſt der Ausſpruch offen und gerade dargelegt, oder bildlich, oder bloß in dem Gleichniſſe, deſſen Anwendung ſich von ſelbſt verſteht: es iſt ernſthaft, oder ironiſch, ober endet mit einer epigrammatiſchen Spitze. Eine genauere Durchführung diefer Unterfcheidung fcheint mir weiter nicht fruchtbar , zumal dieſe verfchiebenen Arten ber Darſtellung in einander übergehen und fich vermifchen, merkenswerther aber, daß auch bei Freidank zwei efgenthämliche volksmaͤßige For: men vorfommen, die Priamel und das Raͤthſel. Das Alter der Priamel, die in Hävamäl (Str.85—88) ſchon ausge⸗ bilder erfcheint, geht ohne Zweifel in Deutfchland höher bins auf als ih gegenwärtig nachzuweiſen im Stande bin; id) habe fie gefunden bei Spervogel (MS. 2,227. Wadern. 3. 4) in Reinbots Georg, bei Reinmar dem alten (ME. 1, 80b), in der Fabel von dem Wolf in der Schule (MR. Fuchs 3411, 135462), bei Berthold (295), nicht felten im Menner (156. 16%. 1625. 223%. 2555. 3196). Sie er: fheint in unferm Gedichte (29, 16— 19. 44, 17— 20. 46, 5—20. 60,9 - 12. 78,17—22. 85,5=8 19—22. 170, 14 - 171, 2.) noch nicht in der fpdtern Neberfüllung, von welcher Eſchenburg (Denkm. 387. 426) Beifpiele liefert. Als Näthfel aufgejtellt find nur einige Spruͤche (19, 17— 12. 109,8 - 11- 169, 20: 21)

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Die Alliteration, wo ſie ſich zeigt (3. B. 22, 1. 85, 12. 41% 126, 21. 22. 138, 11. 139, 3. 165, Dr iſt wohl ans ßigen Quelle beihalten, wie einmal der Innere Reim (52, 6. N), nicht abfichtlich eingeführt,

15, Freidank und Walther von ber Vogelweide.

Ich könnte diefe Einleitung ſchlleßen, wenn ich nicht dad befondere Verhältnis berühren müßte, in welchem Sreidant zu Walther von der Vogelweide fteht. Schon oberflaͤchlicher Betrahtung wird die Verwandſchaft des Geiſtes zwiſchen beiden nicht entgehen, wie viel reicher und glänzender fi auszuſprechen auch der Inrifhe Dichter Veranlaffung bat. Beide nehmen lebhaften Antheil an den öffentlichen Angele: genheiten Deutfchlande, und haben die Creigniffe ihrer Zeit zum Theil in der Nähe mit angefeben, beide haben den Blick auf das Merkehrte und die Taͤuſchungen des Le: bens gerichtet, und Walther, zur Betrachtung und zum Nachſinnen geneigt, truͤbt oft dadurch die heitere und poe- tiſche Stimmung feiner Lieder. Auch er liebt es, fein Ur⸗ theil fprichmörtlich aus zudruͤcken. Allein bei genauerer Un⸗ terſuchung wird man finden, daß dieſe Verwandſchaft ſich nicht bloß auf allgemeine Anſichten erftredt, beide ſtimmen in einer Zahl von Eprichwörtern und Nedensarten faft wörtlich überein. “Schwert und Freunde bewähren fih in der Noth' fagt Walther (31, 2) mie Freidank (95, 18. 19.), und diefer mie jener gewiller, nicht wie andere (oben xcıx) gelriuwer vriunt. Schone it hene haben beide (28. 23, 33. F. 4104, 20. 21) anf die Gegenwart angewendet, nur daß W. noch dentlicher die Vergangenheit rühmt. Kuͤrzer bat F. den Spruch von dem vergebligen Harfenſpiel in der

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Mühle (126, 277. 127, 1) ald W. (65, 1316), den mir fhon bei einem früheren Dichter gefunden haben (oben xCcvr. xcvır.), aber bei ihm zeigt fich derfelbe Neim. Beide gebrauchen baffelbe Gleichnis von ber Jungfraͤulichkeit der Mutter Gottes (W. 4, 11—13. 5. 24, 10. 11), und druͤcken ſich auf gleihe Weiſe über den Tod Chriſti aus (Arm. zu F. 9, 25). Beide geben dem Beiftande bes Sreundes vor dem Beiltande des Verwandten den Vorzug (8.79, 24. 5.95, 16.17). 5. wuͤnſcht ein Auge im Naden zu haben (128, 14. 15), W. aͤußert denfelben Wunfch (56, 2) mit zierliher Anwendung auf das Slüd, damit ed ihn wider Willen anfehen müße. Grözen hoven wirft MW. (65, 25 29) ungevüege vor, F. (87, 7) Mangel an Milde. Beide Elagen darüber, daß der tuͤchtige und vor: nehme herab gebrüdt, der gemeine und unwärdige hinauf ge- zogen werde (W. 83, 14—16. F. 77,8— 11). Sie ver: gleihen Hoffart mit dem ftolzen Gange des Kranichs (Bol. Anm. 3. 30, 13). Beide gebrauchen das Gleihnis von Honig und Galle (W. 25, 18. 124, 36. F. 30, 25. 31, 1) um das Täufchende irdifcher Suͤßigkeit audzudriiden. Gie erfennen (W. 62, 19- 5. 101, 5.6) die Sreiheit der Ges danken bei Frauen, das Wohlthuende der Hoffnung mit denfelben Worten, guot gedinge, lieber wän (W. 92, 7. 92, 10. F. 134, 23). Sie ergößt daß man die Augen des Herzens nicht verfchließen Eönne, die dur elliu lant fehen (W. 44, 21. 99, 2 29. F. 55, 5 6. 69, 17, 20), und daß Gedanten Durch feine Maner aufgehalten werden (W. 9, 29. 30. 5. 115, 18. 19). Diu mäze wird von beiden ge: ruͤhmt (W. 29, 25 34 F. 114,5 12). Sie Hagen daß Weisheit fich nicht vererbe (W. 82, 24 26 F. 79, 7. 8). Sie fagen beide inne blendet (WB, 69, 24. 5.99, 11) undein

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minne dandern fuochet (W. 44, 14- 8.124, 5). Sie eifern gegen felle Mine (WB. 81, 17. 5-98, 14 —16). Eie machen der Zeit denfelben Vorwurf, W. (21, 34) der vater bt dem kinde untriuwe vindet, der bruoder finem bruoder liuget, $- (46, 5. 6) beide vater unde kint ein- ander ungetriuwe fint, unt bruoder wider bruoder fre- bet. Bon Trunkenbolden W. (30, 7. 8) [welch man ge- trinket daz er fich noch got erkennen kau, $. (94, 21.22) 16 trinket leider mauec man, daz er has noch hof erken- nen kan. Von dem Erwerbe ded Vermögens W. (31, 15) diu meifie menge enruochet wies erwirbet guot, $. (57, 2. 3) man vräget kleine an dirre zit wie manz guot gewinne, Von der Freigebigkeit‘ W. (25, 29. 30) man . fach den jungen fürften geben, als er niht wolte len- gerleben, F. (58, 3.4) mit vollen geben [am nieman fül ein wochen leben. tlebereinfäimmung in andern Gedanken, W. (58, 31) nu fagent fi mir ein ander mzre, da3 niht lebendiges Ane wandel fi, F. (120,17. 18) nieman ift ſo volle- komen, das er dein wandel fi beuomen. W. (107, 8) fi jehent daz bœſer kom ie nach, $. (114,1. 2.) lät ia die ztt gevallen wol, fit noch ein befer komen fol. W. 31, (18 20) nu il daz guot here, daz ez ... gät mit den fürften zuo den künegen an ir rät, $- (165, 23) liegen triegen dicke gat mit vürften an des riches rät, Für einen Zufall kann man 'eine' fo weit gehende Ueber⸗

einſtimmung, die der geringe Umfang beider Gedichte noch ver⸗ ſtaͤrlt, und wozu manches andere In ben Anmerkungen kommt, unmdglich erklaͤren, ſelbſt wenn man annehmen wollte daß eĩns und das andere aus der gemeinſchaftlichen Quelle der muͤndli⸗ en Ueberlieferung geſchoͤpft ſey wie 3. B. die Stelle von der Öteigebigkeit, der eine aͤhnliche in bem Nibel. Liede (42, 3. 4)

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(. oben xcv) entſpricht. Um jeden Zweifel au entkraͤf⸗ ten will ich noch die Uebereinſtimmung in einzelnen, von der Ue⸗ berliefernug gewiß unabhaͤngigen, und doch gerade nicht gewoͤhn⸗ lichen Ausdruͤcken und Medensarten nachweiſen. Bei beiden kommt vor valſoh flahen (W. 82, 3. F. 46. 21), geliche hellen (Be 77, 36. 8- 59, 8), ein nöt var aller nôt (W. 9, 25. 5. 178, 6), tievels fäme (W. 34, 34. F. 67, 25), viu- gerzeigen (M. 120, 2. F. 45, 23), beichauen (W. 404, 5 106, 5 F. 162, 22), ebene tragen (MW. 29, 34: F. 444, 25. 26), reife varı (28. 29, 18. 125, 9. F. 104 5), mine Sprüche (MW. 48, 13. F. 129, 17), W. fast (30, 1) ich wene er houbetfünde und fchaude zuo im winket, $. (177,17) dem töde maneger winket. W. (44, 2) der er- kennet übel nud guot, $. (107, 8) [wer merket übe) unde guot. Beide bezeichnen dad Widerwärtige durch die Schwere des Bleies (W. 76, F. 101,:21),.einen hinfaͤlligen Zuſtand durch ein verfanlted Dach (W. 25, 5- F. 170, 29), Unfähigkeit zu reden durch eine gelähmte Zunge (W. 28, 25. F. 126, 18) W- fagt (95, 26) in vant ſo fizte fröide nie, fi wolte mich .& ich fi län, dagegen F. (36, 11. 18) [wer fünde lar & fi in läze, der wert der wilen firäge. I. (34, 31) die uns guoter löre bilde folden tragen, $. (69, 2) die uns guot bilde folten geben. Das Beifpiel, das ich zuletzt anfuͤh⸗ ren will, iſt gerade nicht das unbebentendfte: beide nämlich gebrauchen den Ausdruck unwip (W. 49, 3. F. 101, 18), ben ich bei früheren nicht gefunden habe, bei fpatern nur felten, einmal in Rudolfs Orlens (1979), und biefer hat ihn hoͤchſt mahrfcheinlich durch den mehrmald von ihm ge: ruͤhmten Freidank empfangen, dann bei Frauenlob (ME. 2, 2162 vgl. Amgb. 45b). Kichtenftein gebraucht unwipheit und unwiplich (Frauend. 1d. 954. MS. 2, 456).

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Abſichtlich thue ich einer Stelle beſonders Erwaͤhnung, in welcher beide Dichter wörtlich uͤbereinſtimmen (W. 88, 1 —8. F. 37, 6 9) nur daß bei Freidank die richtigere Lesart fih erhalten Hat. Lachmann glaubt fie gehe Walther nichts an fondern fey aus Zreidants Gedicht entnommen, und je: nem aufgebürbet worden, allein wenn ich den Anftoß, den ein Sebler in der Form gibt, heben Kann indem ich $rei- danks Lesart folge, fo glaube ich braucht man Fein Bedenken zu fragen fie aud Walther beizulegen. Ich Iefe nämlich

Iım gebrefi & guotes

libes oder muotes;

nieman ritter wefen mac

drizec jär und einen tac,

drizec jar und einen tac

nieman ritter wefen mac,

iibes oder muotes

im gebrefi & guotes Zuotes am Schluß müßte als Adiect. mit ungewöhnlichet und freier Stellung betrachtet werden.

Ih finde bei Freidank Keinen Reim, ber nicht auch bei Walther zuläffig gewefen wäre, denn an verzwivelöt (66, T) nnd gemarterdt (173, 9) braucht man ſich nicht zu fto- Pen, da Beiſpiele bei andern höfifhen Dichtern und Seit: genofen vorfommen, wenn auch felten (Er. 1, 957): zudem werden fie durch die volksmaͤßige Natur bes Gedichtes ge: rechtfertigt; gedröt (123, 25) auch bei Hartm. (a. Heine. 37, D. Beide Dichter gebrauchen in entſcheidenden Fällen von gän und fiän nur die äform, beide zeigen buoz (MW. 75,4 F. 83, 4. 87,3. 127, 7.), beide firäze nach ſtarker De⸗ clination (W. A6, 36. 62, 4 104, 25. F. 36, 18. 66, 5. 128, 9. 135, 16. 161, 24.), dab Walther daneben einmal (105, 38) auch die ſchwache gelten laͤßt, wie andere Dichter, verſchlaͤgt nichts,

CXXVII '

Eine ſolche fihtlihe, jeden Zufall ausſchließende Leber: einftimmung wie fft fie zu erklären? Man könnte fagen Freidank, der dichtete ald Walther zu verfiummen began, habe fihb an ben Kiedern eines der erften und trefflicien Dichter oft ergößt, und ihn nachzuahmen und Erinnern: gen aufzunehmen nicht gefhent. Etwa wie der Marner (ME. 2, 1733), nachdem er die verftorbenen Sangesmeiſter genannt hat, hinzufügt lihte vinde ich einen vunt, den fi vunden hänt, die vor mir fint gewelen: ich muos ü3 ir garten und ir fprüchen bluomen lefen.

Allein ich geftehe diefe Anficht Hat für mich wenig Innere Mahrfcheinlichkeit. Nachahmung bei einem Gedichte von ganz anderer Gattung ift an fi ſchon unwahrſcheinlich, fie pflegt fih aud auf andere Weiſe zu dußern, fie iſt befan- gen, hält fih an das auffallende ober glänzende: hier aber kommen beide nicht bloß in eigenthuͤmlichen, fondern aud in einfahen Morten und Gedanfen überein als hätten fie nur gleiche Gewohnheit des Ausdruckes. Bedenke ich die vorhin bemerfte Gleichheit in den allgemeinen Anfihten und in dem Urtheile über die Gegenwart wie die ähnliche Stim: mung bed Geiftes, fo Kann ih die Vermuthung nicht abwei⸗ fen daß Freidank fein anderer ſey als Malther von ber Vogelweide felbft, ja fie hat mir einen nicht geringen Grad von Mahrfcheinlihfeit. Das Verſchweigen aller Namen ift ſchon oben als eine Eigenheit unferes Gedichtes berührt worden, {m Einklang damit vertanfchte Walther feinen Namen mit einem andern, unhäufigen, dem Inhalte des Gedichtes anges meffenen. Die Kühnheit dee Sprache Tonnte ihm wohl ein Grund feyn fi zu verbergen: bemerkt er doch ſelbſt (7% 23—175, 5) die mit der Aeußerung der Mahrheit verbun: dene Gefahr. Mitterlihe Abkunft fcheint mir die mehr:

-

CIXIX

mals (4. ®- 32, 11: 12. 40, 15. 16. 17, 8- 11. 49, 17 20. 826, 7. 8. 167, 19. 176, 16.) hervorbrechende Klage über Zuruͤckſetzung oder Herabwuͤrdigung des Adels zu verzathen.

Auch die aͤußern Umſtaͤnde fügen ſich glädlih meiner Vers muthung. Warum wird Freidank, der nichts jugendliches mehr verräth, von keinem andern Dichter vorher genannt? Warum kennen wir nur biefes einzige Werk von ihm, der doch fiher in feiner Kunſt umd nicht als ein Anfänger erfheint? Warum verfchwindet er zugleich mit Walther? Nimmt man an daß beide nur eine und biefelbe Per: fon feyen, fo erklärt fih das alles vollkommen. Freilich darf man nicht, wie Lachmann thut (MWalth. 137. vgl, Wadernagel 3. Simrock 196), Waltherd Anwefenheit bei der Kreuzfahrt bezweifeln. Seine Lebenszeit (er mochte etwa ſechzig Jahr alt feyn) war noch nicht fo weit vorgerüdt, daß er ſich nothwendig dazu unkraͤftig hätte fühlen muͤßen: wie groß aber ber Eifer bei ipm war bemeifen feine Ermah⸗ rungen an bie Fuͤrſten (29, 15 —24. Wadern. z. Simrock 2, 19%. 197), das Krenzlied (76. 77) und die deutlich (125, 9) ausgedrädte Sehnfuht an der Fahrt Theil zu nehmen. Er meint fi alfo felbft wenn er (14, 38 —15, 5) fagt al- lerdrfi lebe ich mir werde, fit min fündic ouge fiht daz here lant und ouch die erde, der man vil der @ren giht. mirfi gefchehen des ich ie bat: ich bin kommen an die fat got mennilchlichen trat. Ja auch hier finden ſich bei Freidank ähnliche Ausbrüde, daz here grap (157, 18- 163, 19), got mit finen vüezen trat (161,18). Die Uebereinſtimmung Walthers mit Freidant in der bittern Klage über heimlichen und verrätherifhen Verkehr der Chri⸗ ten mit den Heiden iſt fchon oben (S. 11) bemerkt; Walthers

tærtt

CXXX

Lied ik, wie auch Wackernagel (z. Simrock 2, 190) annimmt, in Syrien gedichtet und Faum durch etwas anders als eigene Erfahrung und Beobachtung veranlaßt.

Selbſt die Andeutungen, die ſich aus dem Gedigte fuͤr Freidanks Heimath ergaben, laffen ſich auf Walther an- wenden: wenigſtens ſcheint mir die Vermuthung Oberthuͤrs und, Wackernagels (2, 194), die ihn aus Franken ſtammen laſſen, weit weniger begruͤndet. Sein Grabmal zu Wuͤrzburg kann dafuͤr nichts beweiſen.

BESCHEIDENHEIT.

D

1. ib. von dem avé Marjä --

2.

2]

er

7. 8.

9.

- . - -

von. gie -- -- - -

von der meffe - - -

. von. der flle- - +: -

von- dem .menfchen

von den juden - » -

von-den ketzern - -=--

von -wuocher - -- =»- = von höchvertte - - -

von der werlde -

‚von fündn - - - -

Inhealt.

. von.dem richen und armen

. von triuwe und uniriuwe. =

43. von dieben - - - - = = = 14. von fple - - = = =... 15. von dienefte FE 16. von rehte und unrehte - - -

47. von dem alter - = = =

18. von edele unde tugende - - -

19. von blinden - - - = ' L) 20. von-dem honige - - - - 21. von gewinne unt guote - - -

22. von forgen - = = = = - .

93. von arzäten unt fiechen - - = ...'

24 von nid > = = - =. 25. von-obe - - = - - -.- 26. von fcheltenne - - - + - - 27. von gelellen: - - - - 28. von ZOIme - = = vw... 29. von dem himelriche unt der helle

30. von den pfffen - - = = -

43.

von den künegen unt vürften

von den wifen unde tören

von den milten unde kargen

von der te - - = - von trunkenheite - - - von wvriunden - - - - von minne unde wiben - von erkantnifle .... von dem hunger - - - von wäne - - - - von guote und übele -

von unkunde - - - - von tieren - - - - - von Ichatze unt pfenninge

von Röme - - - - - A von Akerrss - -> - > —-

von der zungen - - -

. von liegenne unde iriegenne

von dem Endekrifte

von den zehen geboten

von dem töde

ein gebet

4

[_ 7 .

. von dem jungeften tage

on

10

15

Tu bin genant BESCHEIDENHEIT, 1532

diu aller tugende kröne treit. Mich hät berihtet VRIDANC

ein teil von finnen, die fint kranc.

(1. VON GOTE.)

(Fote dienen äne wanc

deift aller wisheit anevanc.

Swer umbe dife kurze zit

die &wigen vröude git,

der hät fich felben gar betrogen

unt zimbert üf den regenbogen:

*(wenn der regenboge zergät,

*fone weiz er [in hüs flät.

Swer die fele wil bewarn,

der muoz [ich [elben